Die medien.geschichten sind anhand einer "medien.matrix" strukturiert, die gleichzeitig auch das Grundkonzept der gesamten Ausstellung widerspiegelt und darüber hinaus als Leitsystem dient. Zehn Themenstränge werden in der Chronologie von zehn geschichtlichen Epochen abgehandelt. Über diesen schachbrettartigen Grundraster kann der Besucher die medien.geschichten entweder senkrecht durchsurfen, indem er einem bestimmten Thema durch die Zeiten folgt, oder waagrecht, indem er die Zusammenhänge verschiedener Medien einer Epoche ergründet. "Wir betrachten die Mediengeschichte als vernetztes System, in dem alle Medientechniken gemeinsam wirken", so Moritsch. Um die Besucher zum Verweilen und vertiefenden Schmökern zu animieren, sollen bald auch bequeme Sitzlounges mit großen Touchscreens eingerichtet werden.
Technik zum Angreifen

Szenerien aus zwei von 100 virtuellen Ausstellungsräumen, die der Besucher dreidimensional durchwandern kann.
Eine andere Installation lädt die Besucher zu einem Schachspiel der besonderen Art ein. Gegenspieler ist die holografische Projektion einer Jahrmarktsfigur. Die Inspiration für dieses Ausstellungselement lieferte ein Schachautomat, mit dem Wolfgang von Kempelen im 18. Jahrhundert sein Publikum in Erstaunen versetzte. Anders als beim mechanischen Original des "Schach spielenden Türken" spielt man bei der Computer-basierenden Version in den medien.welten auf einem virtuellen Schachbrett. Eine Kamera erfasst die Handbewegungen des Spielers und der Computer bewegt dementsprechend die holografisch projizierten Schachfiguren. Die Installation entstand im Rahmen eines dreijährigen Forschungsprojekts. "Virtual Showcase" beschäftigte sich mit der Entwicklung holografischer Präsentationstechnik und wurde auch von der EU gefördert. Neben dem TMW waren die TU Wien und die Imagination Computer Services GmbH an dem Projekt beteiligt. Das Forschungsteam heimste für den Schach spielenden Türken 2004 auch einen Multimedia-Staatspreis ein.
Digitaler Rucksack
Eine RFID-Smartcard, die zum Selbstkostenpreis von zwei Euro erhältlich ist, ermöglicht den Besuchern, sich ihr ganz persönliches Ausstellungsportfolio zusammenzustellen. Sie fungiert als persönlicher Schlüssel in den digitalen Ausstellungsraum an den Computerterminals. Über sie kann man auch ein elektronisches Logbuch aktivieren, das den Weg durch die Ausstellung aufzeichnet. Ein digitaler Übersichtsplan zeigt, in welchem Bereich man sich gerade befindet, wo man bereits gewesen ist und wo noch nicht. Andere im System angemeldete Kartenbenutzer können auch mit einer Kurznachricht angeschrieben werden. Darüber hinaus kann der Besucher verschiedene Inhalte wie Texte, Bilder, Tonaufnahmen oder Videos quasi in einem digitalen Rucksack aus der Ausstellung mit nach Hause nehmen. Über einen Login-Code, der auf der Karte aufgedruckt ist, hat man über die Homepage des TMW dann noch mehrere Monate Zugriff auf sein persönliches "medien.album". Theoretisch könnte Moritsch jedem Besucher gleich alle digitalen Inhalte seines virtuellen Museums übers Web verfügbar machen. Aber schließlich sollen die Menschen zu weiteren "analogen" Besuchen motiviert werden, deshalb bekommen sie nur jenen geistigen Proviant mit nach Hause, den sie sich im TMW selbst erarbeitet haben.
Weil alle virtuellen Elemente und Hand-ons der medien.welten digital vernetzt sind, sind sie für Moritsch auch einfach zu administrieren. "Ein praktischer Zusatznutzen. Ich kann die ganze Ausstellung zentral herunterfahren und auch im Backoffice per Knopfdruck Evaluierungen des Nutzerverhaltens durchführen."



7/2011
6/2011
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Dr. Manfred Wöhrl ist Geschäftsführer der R.I.C.S. EDV-GmbH (Research Institute for Computer Science, www.rics.at), spezialisiert auf Securitychecks und Security-Consulting. 