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Moniskop

100 Jahre Technisches Museum Wien

Das virtuelle Museum

Das technische Museum Wien hat gemeinsam mit der Imagination Computer Services GmbH ein digitales Ausstellungssystem entwickelt, das die Verschmelzung der realen IKT-Sammlung "medien.welten" mit einem virtuellen Informations- und Kommunikationsraum realisiert - eine viel beachtete Innovation im musealen Bereich. Und der nächste Coup ist schon in Arbeit - die totale 3D-Virtualisierung der Ausstellung.

Wie virtuell kann ein Museum werden, ohne sich dabei in seiner traditionellen Form zu erübrigen? Wie verbindet man reale Exponate mit virtuellen Ebenen und interaktiven Hand-ons, die die Ausstellungsstücke im Kontext ihrer Zeit und gleichzeitig in der Chronologie eines thematischen Entwicklungsstrangs "begreifbar" werden lassen, vertiefendes Hintergrundwissen vermitteln, geschichtliche und gesellschaftspolitische Zusammenhänge aufzeigen und inhaltliche Querverweise herstellen - kurz eine individuelle Zeitreise durch die Epochen und quer über die Thematiken ermöglichen? Und wie stellt man sicher, dass der Besucher bei aller individuellen Freiheit nicht die Übersicht und den roten Faden verliert, sich die vermischten Eindrücke aus Realität und Virtualität am Ende zu einem historisch stimmigen Gesamtbild zusammenfügen? Fragen, die Otmar Moritsch beschäftigten, als er daranging, im Technischen Museum Wien (TMW) eine permanente Ausstellung für Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) zu gestalten.

Moritsch demonstriert die Funktion der RFID-Smartcard an einem der Touchscreens in den medien.welten des TMW.

1999 wurde das TMW nach siebenjähriger Schließung wiedereröffnet - "halbfertig", wie Moritsch einräumt. Mittlerweile ist aber aus der reichhaltigen und historisch bedeutsamen Technik-Sammlung in Wien-Penzing auch eine durchdachte, zeitgemäß präsentierte Ausstellung geworden. Einen wesentlichen Beitrag zu dieser Qualitätssteigerung leisten die medien.welten, jener Bereich, in dem seit 2003 die Exponate mit IKT-Bezug zusammengefasst sind. Der Physiker Moritsch, der die IKT-Abteilung auch leitet, hat gemeinsam mit seinem Co-Kurator, dem Kommunikationswissenschaftler Wolfgang Pensold, im Obergeschoß des TMW einen spektakulären Bereich geschaffen, der weit über das schiere Präsentieren historischer Gegenstände hinausgeht. Die Ausstellungsfläche setzt sich aus mehreren Räumen zusammen. Im Eingangsbereich befindet sich eine ovale Galerie. Hier findet der Besucher einige Schlüsselobjekte wie den Morse-Telegraphen oder die Druckerpresse vor, die einen überblicksartigen Einstieg in die Mediengeschichte ermöglichen. Die eigentliche Ausstellung mit einer Vielzahl historischer Exponate befindet sich in drei außen liegenden Ausstellungstrakten. Die Objekte sind in Themeninseln gruppiert, die denen sie sich jeweils in historischer Abfolge aneinanderreihen. Der Anspruch der medien.welten ist kein geringerer, als "die Geschichte des modernen Mediensystems von der Neuzeit bis zur Gegenwart darzustellen", so Moritsch.

Die Ausstellung ist in zwei Hauptbereiche eingeteilt. Den Übermittlungsmedien stehen als Gegenpol die Speicher- und Verarbeitungsmedien gegenüber. Auf der einen Seite zeigt die Ausstellung die Entfaltung von Post-, Telegrafen-, Telefon-, Funk- und Rundfunk- und Satellitennetzwerken, auf der anderen die Entwicklung von Bild-, Ton-, Druck- und Datenverarbeitungsmedien. "Dieses Konzept basiert auf den fundamentalen Prinzipien Raum und Zeit", erläutert Moritsch. Diese zwei zentralen Entwicklungsstränge münden schließlich in der Digitaltechnik. Hier verschmelzen Speicher- und Übermittlungsmedien zu neuen Universalmedien wie dem Internet. "Auf dem Weg in die Neuzeit summieren sich die einzelnen Medien zum Multimedium auf einer universellen Plattform. Der Computer ist dabei der historische Meilenstein", ist Moritsch überzeugt, denn "der Digitalisierung gebührt in der Geschichte ein ähnlicher Stellenwert wie die Entwicklung der Mechanik. Was in der Mechanik die Konstruktion ist, ist in der digitalen Welt das Programm."

Virtuelle Dimensionen

Über die „medien.matrix“ kann die Mediengeschichte einem Themenstrang folgend oder auf der Ebene einer Epoche durchwandert werden.

Was die medien.welten neu- und einzigartig macht, ist die Erweiterung der physischen Ausstellung um mehrere virtuelle Ebenen. Die technische Basis dafür bildet ein virtueller Informationsraum, genannt Cyberspace, der von der Imagination Computer Services GmbH entwickelt wurde. Die Wiener Firma hat sich auf digitale Präsentationstechnik und Virtual Reality spezialisiert. Derzeit gibt es im TMW drei virtuelle Kategorien, im nächsten Jahr soll noch eine vierte folgen - aber dazu später. Die erste Kategorie ist der "medien.rundgang", so etwas wie ein virtuell begehbares Inhaltsverzeichnis der Ausstellung, das der Besucher über Computerterminals mit Touchscreen aufrufen kann, die im Ausstellungsbereich verteilt stehen. Über einen animierten Grundrissplan können alle Themeninseln aufgerufen werden. Das Leitsystem bietet ein dreidimensionales Modell der gesamten Ausstellung und ermöglicht virtuelle Orientierungsrundgänge.

Die zweite virtuelle Ebene bildet eine multimedial illustrierte Medienhistorie, die zur Vertiefung der Thematiken einlädt. In diesen "medien.geschichten" kann der Besucher in die einzelnen Themeninseln eintauchen. Über Pfeilsymbole auf dem Screen bewegt er sich virtuell durch die Ausstellung. An jeder Themeninsel findet er ein illustriertes Kurzportrait, das - ausgehend von einem markanten Schlüsselobjekt - einen einführenden Überblickstext und Abbildungen zum historischen Hintergrund enthält. Zweck der medien.geschichten ist es, den Charakter der Themeninseln sinnlich zu repräsentieren und insgesamt ein multimediales Bild der Mediengeschichte zu zeichnen. So ertönt zum Beispiel beim Grammophon, dem Schlüsselobjekt der "Toninsel", der Sound einer Schellack-Platte.

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MONITOR-Autoren
Mag. Christoph Weiss

Mag. Christoph Weiss, i2s consulting, Leiter Büro Österreich: Magister und Textil-Fachingenieur. Führungserfahrung als IT-Leiter im Bereich technischer Grosshandel. Mehrfach Linien- verantwortlicher für ERP-Einführungen. Lehrbeauftragter an der Fachhochschule Technikum Wien. Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft für Datenverarbeitung (ADV) ..mehr..

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