Wie virtuell kann ein Museum werden, ohne sich dabei in seiner traditionellen Form zu erübrigen? Wie verbindet man reale Exponate mit virtuellen Ebenen und interaktiven Hand-ons, die die Ausstellungsstücke im Kontext ihrer Zeit und gleichzeitig in der Chronologie eines thematischen Entwicklungsstrangs "begreifbar" werden lassen, vertiefendes Hintergrundwissen vermitteln, geschichtliche und gesellschaftspolitische Zusammenhänge aufzeigen und inhaltliche Querverweise herstellen - kurz eine individuelle Zeitreise durch die Epochen und quer über die Thematiken ermöglichen? Und wie stellt man sicher, dass der Besucher bei aller individuellen Freiheit nicht die Übersicht und den roten Faden verliert, sich die vermischten Eindrücke aus Realität und Virtualität am Ende zu einem historisch stimmigen Gesamtbild zusammenfügen? Fragen, die Otmar Moritsch beschäftigten, als er daranging, im Technischen Museum Wien (TMW) eine permanente Ausstellung für Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) zu gestalten.

Moritsch demonstriert die Funktion der RFID-Smartcard an einem der Touchscreens in den medien.welten des TMW.
Die Ausstellung ist in zwei Hauptbereiche eingeteilt. Den Übermittlungsmedien stehen als Gegenpol die Speicher- und Verarbeitungsmedien gegenüber. Auf der einen Seite zeigt die Ausstellung die Entfaltung von Post-, Telegrafen-, Telefon-, Funk- und Rundfunk- und Satellitennetzwerken, auf der anderen die Entwicklung von Bild-, Ton-, Druck- und Datenverarbeitungsmedien. "Dieses Konzept basiert auf den fundamentalen Prinzipien Raum und Zeit", erläutert Moritsch. Diese zwei zentralen Entwicklungsstränge münden schließlich in der Digitaltechnik. Hier verschmelzen Speicher- und Übermittlungsmedien zu neuen Universalmedien wie dem Internet. "Auf dem Weg in die Neuzeit summieren sich die einzelnen Medien zum Multimedium auf einer universellen Plattform. Der Computer ist dabei der historische Meilenstein", ist Moritsch überzeugt, denn "der Digitalisierung gebührt in der Geschichte ein ähnlicher Stellenwert wie die Entwicklung der Mechanik. Was in der Mechanik die Konstruktion ist, ist in der digitalen Welt das Programm."
Virtuelle Dimensionen

Über die „medien.matrix“ kann die Mediengeschichte einem Themenstrang folgend oder auf der Ebene einer Epoche durchwandert werden.
Die zweite virtuelle Ebene bildet eine multimedial illustrierte Medienhistorie, die zur Vertiefung der Thematiken einlädt. In diesen "medien.geschichten" kann der Besucher in die einzelnen Themeninseln eintauchen. Über Pfeilsymbole auf dem Screen bewegt er sich virtuell durch die Ausstellung. An jeder Themeninsel findet er ein illustriertes Kurzportrait, das - ausgehend von einem markanten Schlüsselobjekt - einen einführenden Überblickstext und Abbildungen zum historischen Hintergrund enthält. Zweck der medien.geschichten ist es, den Charakter der Themeninseln sinnlich zu repräsentieren und insgesamt ein multimediales Bild der Mediengeschichte zu zeichnen. So ertönt zum Beispiel beim Grammophon, dem Schlüsselobjekt der "Toninsel", der Sound einer Schellack-Platte.




1/2012
8/2011
7/2011


Mag. Christoph Weiss, i2s consulting, Leiter Büro Österreich: Magister und Textil-Fachingenieur. Führungserfahrung als IT-Leiter im Bereich technischer Grosshandel. Mehrfach Linien- verantwortlicher für ERP-Einführungen. Lehrbeauftragter an der Fachhochschule Technikum Wien. Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft für Datenverarbeitung (ADV) 