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7-Punkte-Forderungskatalog

Wünsche der Software-Industrie an die neue Bundesregierung

Der Verband der Österreichischen Software-Industrie (VÖSI) hat heute einen Forderungskatalog an die österreichische Bundesregierung präsentiert. Das Ziel: mehr Wertschätzung und Unterstützung der Software-Industrie durch die öffentlichen Hand.

Laut VÖSI ist Österreich ist ein „heimliches Softwareland“: Neben der Software gibt es in Österreich kaum ein anderes Intelligenzprodukt, das dank der hier verfügbaren Expertenkenntnisse mit einer so hohen und im Land verbleibenden Wertschöpfung produziert wird. Nach neuesten Analysen liegt diese absolut sogar über dem in der Öffentlichkeit als weit wichtiger wahrgenommenen Tourismus.

Die Wertschätzung und Unterstützung durch die öffentlich Hand entspräche aber nicht diesem wirtschaftlichen Stellenwert, so  Präsidentdes VÖSI, Prof. Ing. Peter Kotauczek. Daher sehe man sich beim VÖSI gezwungen, sich als Interessensvertretung an die Öffentlichkeit zu wenden.

Die beiden aktuell dominierenden Veränderungen, nämlich die durch die Finanzkrise notwendig werdenden Konjunktur- und Belebungsmaßnahmen und die Formierung einer neuen Bundesregierung lieferten den dringenden Anlass, dass sich der Verband auf Basis seiner Sach- und Fachkompetenz mit Vorschlägen und Empfehlungen in die Diskussion zur notwendigen Erneuerung der österreichischen Wirtschaft einbringt. Die Forderungen im Detail (gekürzt):

Verstärkter IKT Einsatz in der öffentlichen Verwaltung

In Österreich ansässige Softwarehäuser benötigen den lokalen Markt als Basis für die anschließende Ausweitung auf den Weltmarkt. Österreich verfügt im Bereich IKT / Software über nur wenige große Betriebe bzw. Headquarter, sodass die lokale, zuliefernde IKT-Wirtschaft unter einem Mangel an größeren, innovations- und risikofreudigen Erst-Kunden leidet. Von der öffentlichen Verwaltung bzw. von der im öffentlichen Eigentum stehenden Unternehmen inkl. dem Gesundheitswesen wird daher erwartet, dass sie verstärkt Pilot- und Demonstrationsinstallationen von Lösungen fördern, die in Österreich entwickelt werden bzw. deren Produzenten eine hohe lokale Wertschöpfung garantieren.

Förderung von überdurchschnittlich qualifiziertem IKT-Humankapital in Österreich

Die Republik Österreich muss intensiv und erkennbar in die IKT-Ausbildung investieren. Das sollte auf allen Ausbildungsstufen, also von der Volksschule bis zur Universität dazu führen, dass zur Beherrschung der Herausforderungen der Informations- und Wissensgesellschaft auch im internationalen Maßstab bestens gebildete Entwickler wie auch Nutzer von IKT und damit von Software heranwachsen.

Förderung und Kapitalisierung von IKT-Unternehmensgründungen

Die Softwarewirtschaft ist neben der Kreativwirtschaft die dynamischste Branche in Österreich. Daher ist die Weiterentwicklung der Gründerszene mittels lokaler IKT-Cluster und durch gezielt geförderte Spin-Offs aus den Universitäten und Forschungseinrichtungen heraus zu fördern. Komplementär zu dieser Strategie muss die Belebung des Kapitalmarktes z.B. durch Bereitstellung von Venture Capital unter besseren Bedingungen angegangen werden.

Vernetzung und Wissensaustausch zwischen der IKT-Wirtschaft und den universitären wie auch außeruniversitären Forschungseinrichtungen

Der VÖSI engagiert sich dafür, dass den Universitäten und den Forschungseinrichtungen eine adäquatere Vorstellung darüber vermittelt wird, was die österreichische Wirtschaft und Verwaltung in einer größeren Entwicklungsperspektive an IKT-Technologien und Software-Dienstleistungen benötigen wird, wie auch umgekehrt die österreichische IKT-Wirtschaft Impulse, Ideen und eine Perspektive hinsichtlich neuer Optionen von Technologien und Problemlösungen der nächsten Generation von der Akademia vermittelt bekommen und diesen Input in ihr Innovationsmanagement einbeziehen will.

Schaffung langfristiger Planungsgrundlagen durch einen IKT-Masterplan

Um allen Beteiligten in der Verwaltung, in der Forschung und in den am Markt aktiven IKT-Unternehmen eine orientierende Vision wie auch eine daraus abzuleitende Planungssicherheit zu geben, erwartet sich die softwareorientierte IKT-Wirtschaft einen gesamthaften, nationalen IKT-Masterplan, der keineswegs in Stein zu meißeln, sondern laufend fortzuschreiben sein wird.

Ein wesentlicher Gegenstand des vom VÖSI erwünschten „Generalplans“ muss auch die Reformierung der rechtlichen Rahmenbedingungen sein mit dem Ziel, die Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen IKT / -Software-Wirtschaft im Vergleich zu international konkurrierenden Regionen zu verbessern. Das betrifft insbesondere eine größtmögliche Flexibilität im Arbeitsrecht, Schutz und Bewertung von geistigem Eigentum u.a.m. 

Stellenwert der IKT-Branche für den Standort Österreich

Die IKT-Branche in Österreich erwirtschaftet ein Vielfaches anderer Branchen, die im öffentlichen Bewusstsein stärker präsent sind. Die Bruttowertschöpfung der IKT / Softwarewirtschaft ist lt. einer 2008 veröffentlichten Analyse in Wien mehr als sechs Mal und im übrigen Österreich mehr als zwei Mal so groß wie die des Tourismus, hat aber sowohl im aktuellen Regierungsprogramm als auch in den politischen Prioritäten wie auch in der hierarchischen Verankerung in der Regierung weder einen entsprechenden Status noch eine adäquate Wahrnehmung.

Die Mindestforderung in diesem Zusammenhang ist, dass die Regierung einen wirklichen, auch politisch bevollmächtigten CI(T)O („Chief Information (Technology) Officer“) auf Bundesebene mit direkter Berichtslinie zu einem Minister bzw. zum Bundeskanzler einrichtet, der gemeinsam mit den CIO`s bzw. CIO-ähnlichen Funktionsträgern in den Ministerien und den Länderregierungen die öffentliche IKT-Strategie entwickelt, sowie deren Fortschreibung und kontinuierliche Realisierung betreibt. (Als Vorbild können hier die skandinavischen Länder und insbesondere Finnland dienen).

Weiterentwicklung der öffentlichen Breitband-Infrastruktur in Richtung offener und zugleich sicherer Serviceplattformen zur Bereitstellung von softwarebasierten Diensten

Die prognostizierte Steigerung des Bedarfs an Computerkapazitäten sowie in der Zurverfügungstellung breitbandiger Netzkapazitäten (aktuelle Stichworte: Cloud-Computing, Server-Farmen, Grid-Computing) wie sie heute schon durch Anbieter wie Google, Wikipedia oder eBay vorausgesetzt und von diesen Firmen in Eigenregie bereitgestellt werden, zieht eine neue Form der Softwarenutzung nach sich: Software wird nicht mehr nur in vielen Kopien am Ort der Nutzung, d.h. am „eigenen“ Computer zur Verfügung gestellt, sondern zunehmend durch Dienste realisiert, die über das Netz zu beziehen und von relativ einfachen Endgeräten zu verarbeiten sein werden. Die Ermöglichung solcher Dienste und deren sicherer und datengeschützter Betrieb sind durch entsprechende Investitionen und Regulierungen seitens der öffentlichen Hand zu garantieren.

www.voesi.or.at

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Dunja Koelwel

Dunja Koelwel ist freie Journalistin in München. Die studierte Juristin arbeitet für Verlage und Agenturen und betreut vor allem die Themen Internet und Business-Software aus einem strategisch- wirtschaftlichen Blickwinkel. ..mehr..

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