Im Prinzip sind alle NC-Bearbeitungszentren gleich aufgebaut. Alle? Nicht alle. 1982 gegründet, entwickelt und erzeugt die Firma Anger in Traun bei Linz (OÖ) seit 1984 Maschinen mit der revolutionären Mehrspindel-Reihentechnologie. Ursprünglich für die hoch effiziente Fertigung komplexer Werkstücke mit geringen Abmessungen - im Speziellen Brillenfassungen - erdacht, konnte sich das Konzept in größeren Maschinen vor allem in der Automobil- und Zulieferindustrie erfolgreich auf dem Weltmarkt etablieren.
Produktivität durch Flexibilität
Neben dem Zeitgewinn durch Wegfall von Verfahrwegen und Werkzeugwechselzeiten erlaubt diese Technologie die Bearbeitung innerhalb nur einer Maschine mit unterschiedlichen angetriebenen Werkzeugen und Spindeltypen. Das sichert den Kunden von Anger einen Produktivitätsvorsprung bei der Herstellung komplexer Teile in Stückzahlen von wenigen hundert bis zu einigen hunderttausend.
Dennoch bestand bei Anger nach dem Management Buy In von Mag. Klaus Dirnberger und Mag. Dietmar Bahn im Jahr 2005 Bedarf nach einer grundlegenden Neuentwicklung der Hauptproduktline, um angesichts steigender Teilegrößen und dem Wunsch vieler Kunden nach durchgängiger Automatisierung und Virtualisierung nicht ins Hintertreffen zu geraten. Die Antwort darauf ist die Mitte 2007 im Markt eingeführte aktuelle Maschinenfamilie HCX für Mehrfach- und Großteilebearbeitungen in Aluminium und Stahl.

Komplexer Bearbeitungsprozess mit zwei Anger HCX- Anlagen und Roboterbeladung für einen führenden Automobilkonzern.
"Unser Anspruch war, neben der maschinenbaulichen Herausforderung im Sinne der digitalen Fabrik auch in der Steuerungstechnik technologisch im aktuellen Jahrhundert eine Führungsrolle zu übernehmen", sagt Dipl.-Ing. Roland Haas, Technischer Leiter von Anger. "Das schließt auch eine virtuelle 3D-Prozessimulation mit ein."
Durchgängigkeit bestimmte Software-Auswahl
Dazu war es zunächst erforderlich, ein Werkzeug zu finden, auf dessen Basis Anger eine Software zur virtuellen Produktionssteuerung entwickeln konnte, die zugleich die mechanischen von den prozesstechnischen Vorgänge entzerrt und eine ebenso komfortable wie sichere Programmierumgebung darstellt. Bei der Auswahl war die Möglichkeit der Anpassung an die unorthodoxe Architektur der Anger-Maschinen ein wesentliches Kriterium. Ebenso sollte die Software durch Beschränkung auf ein Minimum an Schnittstellen ohne aufwändige Sonderprogrammierung in der Lage sein, Konstruktionsdaten in die Virtualisierung zu übernehmen.
"Bei der Bewertung der unterschiedlichen Softwareprodukte spielte natürlich die seit vielen Jahren etablierte durchgängige Konstruktion der Maschinen mit Solid Edge eine gewisse Rolle", berichtet Dipl.-Ing. Roland Haas. "Zum Einen, weil uns eine durchgängige Datenkonsistenz wichtig war, zum Anderen aber, weil in einem langlebigen Geschäft wie dem unseren die Zukunftssicherheit des Systems und der Support durch den Hersteller entscheidend sind."Von sechs Produkten schafften es zwei in die engere Wahl. Das Rennen machte schließlich NX CAM 5 von Siemens PLM Software, das die genannten Kriterien am besten erfüllen konnte. Ausschlaggebend war neben den technischen Eigenschaften die Lösungskompetenz des Siemens PLM Software Vertriebspartners PBU CAD Systeme Gmbh in Linz.
"Die Unterstützung durch den Softwarelieferanten reichte bis zum Aufbau der Maschinenkinematik nach unseren Vorgaben", erinnert sich Dipl.-Ing. Haas. "Auf der Basis einer fertigen virtuellen Basismaschine müssen wir nur noch die auftragsspezifischen Teile aus Solid Edge hinzufügen, um zu einer vollständigen Produktionssimulation zu kommen."





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Mag. Dominik Troger gehört seit 1992 zum MONITOR-Team. Er begann als News-Redakteur und betreute viele Jahre die MONITOR Weiterbildungsbeilage "Job Training". Seit dem Jahre 2000 war er als Chef vom Dienst tätig, mit Dezember 2009 übernahm er die Chefredaktion. 