Newsfeed abonnieren
Strategien

Konferenzbericht: NEM-Gipfel

IKT in der Bretagne

Ausgehend von Dezentralisierungsplänen Frankreichs entstand bereits vor Jahrzehnten ein Technologie-Cluster mit IKT-Schwerpunkt in Rennes in der Bretagne, der auch heute weiter wächst. Kürzlich fand nun in der bretonischen Hafenstadt St. Malo unter europäischer Beteiligung erstmals der NEM Gipfel (Networked & Electronic Media) statt.

Die Gründung des weiter im Ausbau befindlichen Rennes Atalante Wissenschafts- und Technologieparks im französischen Rennes (Bretagne) geht auf die frühen 70er-Jahre zurück. Heute arbeiten hier in 167 IKT-Unternehmen mehr als 11.600 Menschen. Allein im letzten Jahr entstanden im IKT-Bereich mehr als 1.000 neue Jobs.

Der TGV von Paris führt mich in die französische Bretagne, die viele als Urlaubsland (Stichwort: Mont St. Michel) kennen, aber nur wenige als eines der wichtigsten französischen Zentren für IKT-Forschung und -Entwicklung. Rennes mit seinen schönen Fachwerkhäusern und dem imposanten "Parlament der Bretagne", versammelt in dem weiter im Ausbau befindlichen Rennes Atalante Wissenschafts- und Technologiepark (RAWT) mittlerweile 220 Unternehmen aus Wirtschaft, Forschung und Hochschulwesen. 167 davon sind dem Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) zuzuordnen. Zentraler Ausgangspunkt für den Cluster waren Forschungsaktivitäten von France Telekom, die inzwischen einige Orange Labs hier betreibt.

Wie Vincent Marcatté von Orange ausführt, gibt es insgesamt 17 F&E-Labors auf vier Kontinenten mit etwa 5.000 Mitarbeitern. Jährlich werden so 400 Erfindungen patentiert und fließen in die Produkte und Services ein, was sich das Unternehmen 2007 894 Mio. Euro kosten ließ. Hier in Rennes konzentrieren sich die 600 Mitarbeiter auf die Entwicklung neuer audiovisueller Services. Marcatté: "Wir unterhalten strategische Partnerschaften nicht nur mit unseren Lieferanten und den Operatoren, sondern auch mit etwa 300 hoch spezialisierten KMUs!" Auch entstanden im Lauf der Zeit 15 Unternehmens-Ausgründungen, die heute wie z.B. envivio oder Streamezzo erfolgreich am Markt agieren.

NEM Gipfel in St. Malo

Joao da Silva von der Europäischen Union (in der Bildmitte) unterstrich zur Eröffnung des NEM Summit im französischen St. Malo die Wichtigkeit von IKT für Europa, (v.l.n.r.) Jean-Dominique Meunier (NEM), Andre Lespagnol (Vizepräsident der Region Bretagne für Wissenschaft und Entwicklung), Jean-Charles Hourcade (Präsident NEM), Christiane Schwartz (Präsidentin des Medien & Netzwerke Clusters)

Erstmals wurde kürzlich in der eine knappe Autostunde von Rennes entfernten bretonischen Hafenstadt St. Malo eine Kongress-Messe zum Thema "Vernetzte Plattform für elektronische Medien - NEM" veranstaltet. Der NEM-Gipfel wurde gemeinsam mit dem Media & Networks Cluster Rennes abgehalten und stand unter der Schirmherrschaft der Generaldirektion "Informationsgesellschaft und Medien" der EU-Kommission. Das Rahmenprogramm umfasste rund 50 Fachvorträge zu den Themengebieten Elektronische Medieninhalte, verteilte Medienanwendungen, neue Netzwerke für die Bereitstellung von Medien und Netzwerkdiensten, Nutzer-Endgeräte und Terminals. Als Vertreter der EU-Kommission betonte Joao da Silva, dass das Internet etwa 5.000 Tage alt sei und niemand genau wisse, was die nächsten 5.000 Tage bringen werden: "Europa hat es sich jedenfalls zum Ziel gesetzt, beim kommenden "Internet der Dinge" (Vernetzung alltäglicher Gebrauchsgegenstände) ganz vorne mit dabei zu sein!"

Wachsender Cluster

Claude Labit, Präsident des RAWT, betonte auf der NEM-Presskonferenz, es sei erklärtes Ziel, dass "80 % der in unserem Park gegründeten Start-Ups die ersten fünf Jahre überleben sollten". Im Zuge der weiteren Entwicklung des Technologieparks wolle man nicht in erster Linie neu Unternehmen finden, sondern mehr Entwickler für wirtschaftlich nutzbare Inhalte. "Der Kontakt zwischen den Internet-Angeboten und dem wirkliche Leben muss noch viel enger werden, um das Internet-Geschäft entsprechen auszuweiten!" Man habe bereits über 100 Projekte von hier aus gestartet, etwa 40 % der Aktivitäten werden durch öffentliche Gelder finanziert.

Die europäischen IKT-Journalisten beim Rundgang durch die NEM-Ausstellung

Der im Technologiepark Rennes beheimatete "Media & Networks Competitiveness Cluster" führt Vertreter von akademischen Forschungseinrichtungen, kleinen und mittleren Unternehmen sowie von Firmen zusammen, die sich auf die Entwicklung von audiovisuellen Techniken, Telekommunikationsanwendungen und Informationstechnologien spezialisiert haben.

Christiane Schwartz, Präsidentin des Clusters: "Wir haben hier schon vor 15 Jahren an HDTV geforscht, das erst jetzt langsam in der Praxis zur Anwendung kommt. Daran sieht man, wie weit Forschung voraus sein muss, um die Grundlage für neue Technologien zu schaffen!" Heute strebe man eine internationale Vernetzung an und sei vor allem auch innerhalb Europas offen für Kooperationen. "In einer Vordenkerrunde haben wir unter dem Titel "Plan 2015" 60 Spezialisten aus Unternehmen und Forschungseinrichtungen zusammengesucht, und bereits drei Projekte zur Zukunft des Internets gestartet", so Schwartz.

Erfolgreiche Start-Up-Unternehmen

Einige der im Cluster ansässigen Jung-Unternehmen haben sich mittlerweile schon eine gute Position im Markt erobert. So etwa Teamcast (www.teamcast.com) mit seinem CTO Gerard Faria: "Nach der Gründung von itis 1988 haben wir 2003 in Rennes Teamcast ins Leben gerufen und bedienen heute bereits 240 Kunden in 43 Ländern!" Das Unternehmen bietet Dienste und Produkte im Bereich der RF-Technologien für die Radio- und TV-Übertragung (Digital-TV, Mobil-TV). Die Strategie sei es, mit einer Produktpalette gleich vier Märkte zu bedienen. Man decke bereits bis zu 40 % des Gesamtmarktes ab und habe nur zwei bis drei echte Konkurrenten.

Auch Gilles Guilgué, Direktor von Envivio (www.envivio.com), ist stolz auf seine erfolgreiche Ausgründung von France Telecom: "Wir starteten 1996 als Teil der France Telecom und gründeten das eigene Unternehmen 2000 in San Francisco!" Das Start-Up-Unternehmen hat sich auf die Entwicklung und Vermarktung von integrierten Produkten, Werkzeugen und Systemen für die Verschlüsselung, Erstellung und Verteilung von Video-, Audio- und Multimediadaten spezialisiert. Zu den 200 Kunden in 50 Ländern zählt übrigens auch die Mobilkom Austria.

Einblick in die vielfältigen Forschungsarbeiten bei Thomson im Technologiepark Rennes Atalante

Enensys Technologies (www.enensys.com) hat sich auf die Entwicklung von konvergenzfördernden und systeminternen Lösungen spezialisiert. Der CEO Régis Le Roux verweist unter anderem auf Erfolge mit mobilem TV im Irak: "Da dort Mobiltelefone weit verbreitet und der Strom knapp ist, sind wir mit unserem Angebot sehr erfolgreich!" Bei der Videoübertragung über das Internet müssten allerdings noch grundlegende Probleme gelöst werden, "da das Internetprotokoll nicht für solche Übertragungen gedacht ist". Das 2004 gegründete Unternehmen beschäftigt heute 65 Mitarbeiter und betreibt auch Büros in Deutschland und den USA. Weiters stellte sich noch Archivideo (www.archivideo.com)) vor, ein Unternehmen, das sich auf die Entwicklung und Produktion von Computeranimationen für Bauunternehmen sowie auf die Entwicklung von 3D- und Fotokartografie fokussiert.

Das bereits seit 10 Jahren aktive Unternehmen Artefacto (www.artefacto.fr) konzentriert sich auf Digitaldesign und insbesondere 3D-Computeranimation.

(Alle Fotos: Corinne Bourdet, Pressesprecherin Rennes Atalante Technopol)

weitersagen: drucken
Termine

18. Juni - 22. Juni

In ganz Österreich

SAP Mittelstandstage

Print-Archiv
Folgen Sie uns
Leser empfehlen
MONITOR-Newsletter

Abonnieren Sie unseren Newsletter!

E-Mail:
Die von Ihnen angegebene E-Mail Adresse wird von MONITOR Online weder an Dritte weitergegeben noch zu anderen Zwecken verwendet.
MONITOR-Autoren
Christian Henner-Fehr

Christian Henner-Fehr schreibt als freier Autor für den MONITOR und arbeitet als Trainer und Berater in den Bereichen Projektmanagement und Kommunikation. Sein Interesse gilt dem Web 2.0 und den Einsatzmöglichkeiten von Social Media in Organisationen und Unternehmen. ..mehr..

Die neuesten Artikel:

© Copyright 1983-2012 by MONITOR / Bohmann Druck und Verlag Gesellschaft m.b.H. & Co. KG (www.bohmann.at)

Add to Google  | Abo | Themenvorschau | Mediadaten | Inserate buchen | Kontakt | Impressum