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IT-Business in Österreich 2009

Über IT schreiben

Mal ehrlich: Kaum jemand interessiert sich doch für Informationstechnologie (IT). Nicht einmal ein Drittel aller Europäer halten Wissenschafts- und Technikberichterstattung in den Medien für wichtig. Gerade einmal 14 % sehen sich als TAPs, als "Technically Advanced Persons" oder kurz: Technikfreaks.

Für Journalisten ist das eine Herausforderung. Sie verstehen sich einerseits als Anwälte ihrer Leser, Zuschauer und Zuhörer, andererseits aber auch als Pfadfinder im Dschungel der Informationen, die sie aufarbeiten, bewerten und so zusammenfassen, dass sich ihr Publikum eine Meinung für demokratische Entscheidungen bilden kann.

Angesichts des zweifelhaften Rufs der IT finden sich Journalisten aber zunehmend in der Lage, bloße Ratgeber zu sein. Zwar verspricht die IT Lösungen für alle persönlichen, gesellschaftlichen und ökologischen Probleme, lässt die Bürger aber verzweifelt allein, wenn der Rechner mal wieder abstürzt, der vorprogrammierte Fernsehfilm nicht aufgenommen wird oder das Auto grundlos stehen bleibt. Dazu kommt die Angst vor den vielen Neugierigen, die gerne Festplatten ausspähen, Telefongespräche mithören und Geheimnummern knacken würden.

Wert von IT vermitteln

Die Probleme, die Bürger mit der IT haben, und die negativen Auswirkungen dieser inzwischen allgegenwärtigen Technik schaffen es schnell in die allgemeinen Medien. Die positiven Auswirkungen kaum. Journalisten sind nämlich gebrannte Kinder. Was Entwickler und Forscher als Fortschritte priesen, kam bei Lesern, Zuschauern und Hörern nicht immer an. MMS, Fotofunktion, mobiles Internet, Navigation, Chat und Fernsehen auf dem Mobiltelefon haben sich als Flops erwiesen. Dabei waren es gerade diese Features, über die Technikjournalisten so begeistert geschrieben hatten. Doch 85 % aller Europäer machen mit ihrem Handy nichts anderes als einfach nur telefonieren.
Jetzt fließen auch noch 32 Mrd. Euro Steuergelder in die IT-Forschung, der größte Batzen im aktuellen Forschungsrahmenprogramm der Europäischen Union. Die Europäische Kommission wird nicht müde, in Hunderten von Presseinformationen auf die gesellschaftliche Bedeutung und die Wettbewerbsfähigkeit von IT für Europa hinzuweisen. Doch das Medienecho bleibt mager.
Der Grund: Normale Journalisten überfordert die Materie oft. Die Vielfalt der meist konkurrierenden Problemlösungen erscheint unüberschaubar. IT-Journalisten könnten zwar mit ihrem Wissen die Lücke füllen und einer breiten Öffentlichkeit die spannenden Entwicklungen in der IT-Forschung nahe bringen, doch die pragmatische Nüchternheit normaler Menschen befremdet sie und die Einordnung der IT in gesellschaftliche Zusammenhänge gelingt nur selten.
Zum Problem wird das, wenn ein IT-Thema plötzlich auf die politische Tagesordnung kommt. Dann macht sich das Fehlen von IT-Fachjournalisten schmerzlich bemerkbar, die sprachlich oder filmisch in der Lage wären, komplexe Zusammenhänge einfach zu erklären und in Geschichten zu verpacken, die Leser und Zuschauer in sich einsaugen.

Technik spannend machen

Denn um IT-Themen spannend einem großen Publikum nahe bringen zu können, das sich zunächst einmal nicht besonders dafür interessiert, brauchen Journalisten mehr als nur ein profundes technisches Verständnis. Sie müssen vielmehr über eine extra große Portion Sprachgefühl verfügen und dramaturgische Stilmittel beherrschen. Denn Menschen wollen nicht nur Fakten, sondern Geschichten, die sie bewegen, die etwas mit ihren Wünschen, Träumen und Ängsten zu tun haben.

Dieser Text ist ein Auszug aus dem umfassenden Artikel von Hanns J. Neubert, der im soeben erschienenen MONITOR-Jahrbuch „IT-Business in Österreich 2009“ abgedruckt ist. Bestellen Sie das Buch für 25.—jetzt gleich unter www.monitor.co.at/itbuch

 

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MONITOR-Autoren
Mag. Dominik Troger

Mag. Dominik Troger gehört seit 1992 zum MONITOR-Team. Er begann als News-Redakteur und betreute viele Jahre die MONITOR Weiterbildungsbeilage "Job Training". Seit dem Jahre 2000 war er als Chef vom Dienst tätig, mit Dezember 2009 übernahm er die Chefredaktion. ..mehr..

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