Newsfeed abonnieren
IKT-Trends

Cloud Computing

Die Unternehmens-IT verlagert sich zunehmend ins Web

Cloud Computing denkt die Ansätze von SaaS, Virtualisierung oder Utility Computing konsequent weiter. Vor der breiten Einführung in Unternehmen müssen aber noch viele Fragen, gerade im Sicherheitsbereich, geklärt werden. Es gibt jedoch heute schon funktionierende Beispiele - und Software, die das Arbeiten über Cloud Computing unterstützt.

Peter Hanke

Cloud Computing - ein noch relativ neuer Begriff, der im wahrsten Sinne des Wortes noch wolkig und noch nicht ganz griffig ist. Wer eine einheitliche Definition für den Begriff Cloud Computing sucht, steht vor einem schier aussichtslosen Unterfangen. Je nach Interessenlage betonen Software-, Service- oder Infrastrukturanbieter unterschiedliche Aspekte.

Die IT-Analysten von Gartner beschreiben das Phänomen kurz als "bereitstellen skalierbarer IT-Services über das Internet für eine potenziell große Zahl externer Kunden". Das mit dem Konzept verbundene Veränderungspotenzial in der IT Branche sei immens, so die Analysten weiter. Aber auch gesellschaftliche und ökonomische Entwicklungen wie zum Beispiel die Finanzkrise sprechen für das Cloud Computing als Technologie.

Es ist zu erwarten, dass in den kommenden Monaten viele IT-Verantwortliche mit schrumpfenden Budgets zurechtkommen müssen. Cloud Computing kann hier helfen, noch kosteneffizienter zu arbeiten. In diesem Zusammenhang identifizierten die Gartner-Analysten zehn Top-Trends, die im nächsten Jahr die IT-Landschaft verändern werden und für das Geschäft einen entscheidenden Mehrwert bringen werden. Ergebnis: Cloud Computing liegt voll im Trend. Der Grund dafür ist einfach, wie Simon Crosby, Technikchef der Server Virtualization Group von Citrix, erklärt: "Cloud Infrastrukturen wurden im Gegensatz zu Rechenzentren für Unternehmen mit Blick auf Kostenoptimierung gebaut. Sie sind hoch automatisiert, flexibel und basieren auf Open Source Software und billiger Commodity-Hardware."

Auslagerungen ins Web steigert die Effizienz

„Trotz aller Anlaufschwierigkeiten wird sich Cloud Computing in bestimmten Bereichen etablieren.“ - Peter Hanke, Country Manager Austria von Citrix Systems

Das Rechenzentrum der Zukunft hat wahrscheinlich statt Wänden und alarmgesicherten Türen undefinierbar viele Speicherorte und einen Hochleistungs-Backbone. Bei den Unternehmen wird es dann eine Zweiklassen-Gesellschaft geben - diejenigen, die Cloud Computing anbieten und diejenigen, die es nutzen. Philipp Huber, COO des Cloud-Providers XCalibre Communications, sieht diesen Punkt näher rücken: "Es wird wahrscheinlich nur noch ein bis zwei Jahre dauern, bis Cloud Computing effizienter ist als die weltweit bestgeführten IT-Organisationen in Unternehmen."

Cloud Computing ist eine konsequente Weiterführung von SaaS, Utility Computing oder Virtualisierung - ebenso wie der schon bei den einzelnen Ansätzen sichtbaren Vorteile in den Bereichen Kosten und Manpower. Die Meinungen über Cloud Computing als ein wirklich ein neuer Ansatz oder doch eher eine neue Marketinghülle für altbekannte Konzepte gehen auseinander. Die notwendigen Schlüsseltechnologien als Basis für neue Entwicklungen stehen: Virtualisierung, Grid Computing oder Provisioning Software sind ausgereift und erprobt. Nicht zu letzt dank Citrix gibt es inzwischen eine echte End-to-End-Virtualisierung und auch die für Cloud Computing erforderlichen Bandbreiten stehen in den meisten Teilen der Welt zur Verfügung.

Es gibt aber auch kritische Stimmen wie die von Jan Wildeboer, Solution Architekt beim Open Source Provider Red Hat, der Cloud Computing als Teil des typischen "Buzzword-Bingo" sieht. Ebenso gut könne man das Phänomen "Outsourcing für Computer-Ressourcen" oder schlicht "Grid for Rent" nennen. Für Red Hat stecke hinter Cloud Computing letztlich nur eine neue Deployment-Plattform.

Cloud Computing kann Unternehmen Vorteile bieten

Für Unternehmen liegt ein eindeutiger Vorteil des Cloud Computings sicherlich in der Kostenreduktion. Gegenüber konventionellen Systemen werden nur der einzelne Dienst und die jeweilige Nutzungsdauer bezahlt (dies allerdings über die ganze Laufzeit des Vertrages). Hardware und Software werden jeweils aktuell zusammengestellt und können nicht veralten.

Telekommunikationsanbieter, die das Forschungsunternehmen Forrester im Rahmen einer aktuellen Studie befragt hat und die bereits Erfahrungen mit Cloud-Angeboten haben, sprechen von einer Reduktion der Kapitalaufwendungen für gehostete Anwendungen von 30%, hinzu kommen noch die Personaleinsparungen. Weitere Vorteile: Kapazitätsspitzen können einfach und kostengünstig abgefangen werden und Tests oder Prototyping lassen sich problemlos durchführen; die benötigten Ressourcen werden einfach für die Testphase in der Cloud gemietet.

Um Vertrauen werben

Fragen stellen sich bisher noch bei den Sicherheitsaspekten, die gerade für Business-Nutzer eine hohe Priorität haben. In einer Forrester Befragung erklärten Unternehmen, Cloud Services seien ihrer Meinung nach weniger sicher als herkömmliche Dienste. Adam Selipesky, bei Amazon verantwortlich für das Produkt-Management, bringt es auf den Punkt: "Manche Manager fürchten schlicht, die Kontrolle zu verlieren."

Weitere business-kritische Aspekte sind Verfügbarkeit und rechtliche Sicherheit. Bisher geben Cloud-Provider keine Verfügbarkeitsgarantien; Service Level Agreements gibt es (noch) nicht und die meisten Betriebssysteme und Anwendungen sind für derartige Plattformen weder zertifiziert noch sind die Lizenzfragen geklärt.

Da die Clouds in der Regel einzigartige Infrastrukturen sind, wollen die Anbieter darüber natürlich nicht zu viel preisgeben - unabhängige Softwareanbieter sind also auch keine Alternative; Support durch einen Drittanbieter ist nicht möglich, auch rechtliche Probleme können auftreten. Und da niemand weiß, welche Daten wo in der Cloud vorgehalten werden, können Datenschutzgesetze verletzt werden.

Leistungsfähige Infrastruktur notwendig

Für die stabile Verfügbarkeit braucht es nicht nur Cloud-Anbieter, im Hintergrund muss ein außerordentlich leistungsfähiges Netz mit höchsten Datenraten stehen, will der User ganz normal über einen Webbrowser ohne Performanceverlust zugreifen. Ständig fallende Verbindungskosten bei gleichzeitig steigenden Datenraten z. B. sprechen dann für Cloud Computing. Für weltweit agierende Unternehmen können sich hier aber auch Probleme ergeben, die die Vorteile von Cloud Computing minimieren: nicht überall auf der Welt gibt es gleich leistungsfähige und stabile Netze.

Services müssen auch in einer Cloud sicher gehostet, verwaltet und bereitgestellt werden können. Fragen der Skalierbarkeit, des Virtualisierungs-Mangements oder der Provisionierung dynamischer Workloads müssen genauso zufriedenstellend geklärt werden wie eine größtmögliche Sicherheit und Performance für den Endanwender. Beziehen Unternehmen einen Teil der unternehmensinternen Services aus einer Cloud, einen anderen Teil aber aus eigenen Rechenzentren, stellen sich zusätzlich Fragen nach nahtlosen, sicheren und zuverlässigen Verbindungen zwischen beiden Welten.

Cloud Computing gibt es heute schon

„Trotz aller Anlaufschwierigkeiten wird sich Cloud Computing in bestimmten Bereichen etablieren.“ - Peter Hanke, Country Manager Austria von Citrix Systems

Einen Vorgeschmack auf die schöne neue Welt gibt es heute schon. Bei Google können Texte, Tabellen, Fotos, der Terminkalender und E-Mails mit kostenlos nutzbaren Programmen erstellt werden, die nur noch im Internet laufen. Die "New York Times" ist Kunde von Amazon. Mit Hilfe der EC2-Instanzen hat die Zeitung innerhalb von 24 Stunden rund 11 Millionen Artikel für das Online Archiv in PFDs verwandelt. Und der Unterhaltungskonzern Dreamworks schickt seine Rendering-Daten für Kinofilme auf Festplatten an Amazon, wo sie in der Cloud verarbeitet werden.

Um alle Annehmlichkeiten des Netzes zu genießen bedarf es in Zeiten von Cloud Computing nur mehr eines Internetanschlusses und einer leistungsfähigen Hardware (Thin client).

Trotz aller Anlaufschwierigkeiten wird sich Cloud Computing in bestimmten Bereichen etablieren. Gerade für den zeitlich begrenzten Einsatz von speziellen Technologien oder Leistungsmerkmalen dürfte sich Cloud Computing zu einer erstzunehmenden Alternative zu etablierten Systemen entwickeln. Bis jedoch Unternehmen ihre hochsensiblen Daten einem amorphen System anvertrauen, dürften auch noch viele Wolken über den Himmel ziehen.

weitersagen: drucken
Print-Archiv
Folgen Sie uns
Termine

14. Februar

AIRO Tower, 1010 Wien

Vmware KMU-Roadshow 2012

16. Februar

All seasons Hotel, 4020 Linz

Vmware KMU-Roadshow 2012

21. Februar

Hotel Salzburg West, 5073 Salzburg-Wals

Vmware KMU-Roadshow 2012

22. Februar

Hotel Grauer Bär, 6020 Innsbruck

Vmware KMU-Roadshow 2012

28. Februar

Hotel Mercure Graz Messe, 8010 Graz

Vmware KMU-Roadshow 2012

1. März

Wirtschaftskammer Österreich

E-Day 2012

6. März - 10. März

Hannover

CeBIT 2012

Leser empfehlen
MONITOR-Newsletter

Abonnieren Sie unseren Newsletter!

E-Mail:
Die von Ihnen angegebene E-Mail Adresse wird von MONITOR Online weder an Dritte weitergegeben noch zu anderen Zwecken verwendet.
MONITOR-Autoren
Christian Henner-Fehr

Christian Henner-Fehr schreibt als freier Autor für den MONITOR und arbeitet als Trainer und Berater in den Bereichen Projektmanagement und Kommunikation. Sein Interesse gilt dem Web 2.0 und den Einsatzmöglichkeiten von Social Media in Organisationen und Unternehmen. ..mehr..

Die neuesten Artikel:

© Copyright 1983-2012 by MONITOR / Bohmann Druck und Verlag Gesellschaft m.b.H. & Co. KG (www.bohmann.at)

Add to Google  | Abo | Themenvorschau | Mediadaten | Inserate buchen | Kontakt | Impressum