"Es war sehr spannend, ein Restrisiko bleibt immer." Erschöpft, aber glücklich übergab Ales Vozab, Projekt-Leiter von ACP, 1.000 neue Computer ihrer Bestimmung. "Wir planen die Umstellung schon seit Monaten bis ins kleinste Detail, aber dass wirklich alles funktioniert, weiß man erst am Tag danach."
Am Freitag, den 5. Dezember, um 17:00 Uhr gab ACP das Startsignal für den Rollout und übernahm die Kontrolle über das WKO-Gebäude in der Wiedner Hauptstraße in Wien. Security sicherte alle Eingänge, im Untergeschoß machte sich ein Computer-Heerlager breit. 70 Techniker und Koordinatoren begannen in zwei Schichten mit dem Austausch und der Einrichtung von rund 690 Desktop-PCs, 360 Notebooks und 30 Subnotebooks. Ein zentraler Saal diente als "War Room", ein Video-Beamer strahlte den aktuellen Lagebericht an die Wand. Im Mittelpunkt: die Stückzahlen und die Uhr.
Alte Computer mussten eingesammelt, neue in Betrieb genommen werden. Und dazwischen das "missing link": das Überspielen der persönlichen Daten und Einstellungen bei jedem einzelnen PC, bei jedem einzelnen Notebook. In Summe 7 Terabyte an Daten. Fehler verboten - damit am nächsten Arbeitstag nicht der Chef die Daten seiner Sekretärin vor sich hat und umgekehrt.
50 Tonnen Hardware und 500 Dosen Red Bull
Die Umstellung lief nonstop rund um die Uhr. Fertig werden sollte man am Sonntag um 17:00 Uhr, das ergab nur 48 Stunden Zeit für den Rollout. Zählt man alle Docking-Stationen und Lesegeräte mit, nahmen die Technikerinnen und Techniker mehr als 4.700 Geräte in die Hand und bewegten 50 Tonnen Hardware.
Zugleich erfolgte ein Upgrade auf Windows Vista und Office 2007. Über Funkgeräte hielten die Teams untereinander ständige Verbindung. Und für die nötige Energie sorgten 500 Dosen Red Bull und 350 Portionen Gulasch, Schnitzel und Chili con Carne.
Nicht nur logistisch, auch technisch stellte der Rollout höchste Anforderungen. Die Computer langten vorbereitet mit Betriebssystem und Office-Software bei der WKO ein. So weit, so gut. Doch erst vor Ort konnte man die Daten der einzelnen Anwender übertragen.
Bei einem Desktop funktionierte das so: Der Techniker stellte den neuen PC neben den alten, öffnete beide, baute die Festplatte des alten PC aus und schloss sie zusätzlich an den neuen PC an. Dann fuhr er den neuen Computer hoch und kopierte die persönlichen Daten. Als letztes holte sich der neue PC von einem SQL-Server automatisch die exakten persönlichen Einstellungen wie Kennwort und E-Mail-Adresse.
Bei den Notebooks löste man den Datentransfer ähnlich, die alte Festplatte wurde ausgebaut und mittels Adapter und USB-Anschluss an das neue Modell angekoppelt. Florian Wiesner, Assistent der ACP Projektleitung, beschrieb den Grund für all die Umbauarbeiten: "Nur mit dieser besonderen Methode können wir schnell genug solche riesigen Datenmengen kopieren."
Keine Zeit für Fehler
Für Pannen blieb kein Spielraum. Die Hauselektriker standen vorsorglich in Bereitschaft, damit nicht etwa ein plötzlicher Stromausfall das Projekt kippen könnte. Auch das Wartungspersonal für die Lifte hielt sich verfügbar, denn ohne Lifte hätten 48 Stunden nicht ausgereicht.Die Gunst des Kalenders bescherte ACP mit dem 8. Dezember ein verlängertes Wochenende und somit einen Reservetag für Notfälle; er wurde nicht benötigt. Als die Mitarbeiter der Wirtschaftskammer am 9. Dezember morgens ihr Büro betraten, fanden sie als Nikolausgabe neue PCs und Notebooks vor. Alle sofort betriebsbereit, versehen mit den persönlichen Daten und E-Mails.
"Einen Rollout dieser Größenordnung in so knapper Zeit ohne Pause durchzuziehen, das macht uns so schnell keiner nach", freute sich Michael Schönrock, CEO von ACP.
"ACP hat den Rollout perfekt abgewickelt, alle Computer funktionierten auf Anhieb und die Mitarbeiter haben keine einzige Stunde Arbeitszeit verloren", erklärte Thomas Tades von der Inhouse GmbH, dem IT-Dienstleister der WKO.





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8/2011
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Alexander Hackl ist freier Journalist in Wien. Er ist Absolvent des Master- Programms „Qualitätsjournalismus“ an der Donau-Universität Krems und spezialisiert auf Technologiethemen. Seit drei Jahren ist er als Autor für den MONITOR und das Wirtschaftsmagazin FORMAT tätig. Das Hauptaugenmerk in seiner Arbeit liegt auf Informations- technologie im Kontext gesellschaftlich-wirtschaftlicher Zusammenhänge. 