Viele Länder haben viele Grundbücher. Das war die Ausgangslage vor der Entwicklung eines europäischen Grundbuchabfragesystems. Demnächst geht mit Österreich das achte Land online, welches die Internetabfrage für seine Ländereien aus der ganzen Welt möglich macht.
Als EU-Initiative gestartet, zielen die Initiatoren darauf ab, dem freien Grundstücksverkehr auf die Sprünge zu helfen. Die Ausverkaufsängste nach dem EU-Beitritt sind ja lange beigelegt und die Internationalisierung im Grundverkehr hat enorm zugenommen. Interessenten gibt es daher aus der Finanz-, Rechtsanwalts- und Immobilienbranche genug. Immobilien-Transaktionen können damit auch über Ländergrenzen hinweg frühzeitig und zielgerichtet angegangen werden. Auch wenn die aktuelle Immobilienkrise solche Bestrebungen als brandgefährlich entlarvt, soll EULIS weiterhin liberale Marktbestrebungen umsetzen helfen. Lokale Besonderheiten, wie sie derzeit im Grundbuchwesen bestehen, schrecken häufig Markteilnehmer noch ab. Mit Zugangserleichterungen wie sie EULIS bietet, besteht allerdings die Gefahr abgehobener Deals, mit dem Entstehen von Immobilienblasen als Folge. Für internationale Trader wird es jedenfalls leichter, an Informationen zu kommen.
Viele Datenbanken
Diese Informationen werden nicht zugestellt, sondern kommen in Echtzeit. Technisch gesehen handelt es sich um eine Vermittlungsplattform. Mitentwickler Dieter Zoubek beschreibt die Funktionsweise so: "EULIS ist nicht eine zentrale Datenbank, sondern ein Verbund von Datenbanken." Genau genommen wird lediglich über eine Oberfläche an die einzelnen Mitgliederinstitute angedockt. Diese stellen ihr Service zwar in kompatibler Form zur Verfügung, gleichen die inhaltlichen Standards aber nicht an. Für den Benutzer, der pro Abfrage pro Tag eine Gebühr entrichtet, bedeutet das, eine Maske in englischer Sprache zur Verfügung zu haben. Die Inhalte selber sind nur zum Teil auf Englisch.
Die Harmonisierung stößt somit recht bald wieder an ihre Grenzen. Besonders was die Sprachlogik relevanter Begriffe betrifft, musste man sich mit einem Glossar zur allgemeinen Erklärung behelfen. "Sogar zwischen englischem und walisischem Englisch bestehen wesentliche begriffliche Unterschiede und das bei einer gemeinsamen Sprache", erläutert ein beteiligter Beamter aus dem Justizministerium die Schwierigkeiten, welche ein transnationales Informationssystem aufwirft.
Unterschiedliche Standards
Insiderinformationen zufolge geht die bisherige Nutzung des Systems, welches es seit 2006 gibt, gegen null. Das liegt einerseits an den bereits beschriebenen Uneinheitlichkeiten und andererseits daran, dass wichtige Länder nicht assoziiert sind. Das wird sich auch in Zukunft schwer ändern lassen, da etwa weite Teile Frankreichs oder Italiens über gar kein elektronisches Grundbuch verfügen. Für Deutschland gibt es hingegen unüberwindbare juristische Hürden, da der Zugang regional legitimiert werden muss. Die Umgangsweise mit Grund und Boden ist also nicht so ohne weiteres auf einen Nenner zu bringen.
Die ersten Schritte in Richtung Harmonisierung beim Grundverkehr sind jedenfalls getan. Gut geheißen wurde das neue System auch vom Immobilienlehrgang-Leiter Otto Bammer von der FH-Wien, in deren Räumen es auch vorgestellt wurde. Freilich konnte man auch schon zuvor online die nationalen Datenbanken befragen. Der Mehrnutzen wäre, laut einem Entwickler des Produktes, die Verlässlichkeit der Abfrage durch die offizielle Autorisierung.
Die ersten Arbeiten am österreichischen elektronischen Grundbuchs und Katasterwesens liegen übrigens schon gut dreißig Jahren zurück, womit man weltweit ein Vorreiter war. Die Einsichten in die Grundstückseigentums- und Belastungsverhältnisse werden mit dem nunmehrigen Schritt auf eine internationale Ebene gehoben. Potentielle Grundstückskäufer aus dem benachbarten Ausland dürfte das schon interessieren. Vermutlich wird sich daher schon bald so mancher deutsche Immobilienfonds bei EULIS einloggen, um Österreich auf lukrative Investments abzuklopfen.




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Dr. Manfred Wöhrl ist Geschäftsführer der R.I.C.S. EDV-GmbH (Research Institute for Computer Science, www.rics.at), spezialisiert auf Securitychecks und Security-Consulting. 