Rund 2 % der weltweiten CO2-Emissionen verursacht die IT, sprich Computer, das Internet und die betriebliche Informationstechnologie. Experten schätzen, dass der CO2-Ausstoß der gesamten IT dem aller derzeit im Einsatz befindlichen Flugzeugflotten entspricht. Deutlich mehr - nämlich insgesamt rund ein Viertel der weltweiten CO2-Emissionen - trägt jedoch der Transportsektor zur globalen Umweltverschmutzung bei.
Das erhebliche Optimierungspotenzial hat mittlerweile auch die Wirtschaft erkannt, wenngleich ökologisches Denken und betriebswirtschaftliche Kalkulation nicht immer parallel verlaufen. Großbritannien war das erste EU-Land, das Normen und Leitfäden zur Bestimmung des so genannten Carbon Footprint entwickelt hat.
Der Carbon Footprint steht dabei für das Treibhauspotenzial eines Produktes oder einer Dienstleistung entlang des gesamten Lebensweges (cradle-to-grave). Marc Schneider, Abteilungsleiter Umwelt und Ressourcenlogistik beim Fraunhofer Institut für Materialfluss und Logistik (IML) in Dortmund sieht den Handel und einige Großunternehmen der Konsumgüterindustrie als Vorreiter bei der Ermittlung des individuellen betrieblichen CO2-Fußabdruckes an.
Die Unternehmen hätten das Schlagwort "Green" und insbesondere den Carbon Footprint als Marketingthema entdeckt und trügen dies jetzt auch in die Supply Chain hinein, so der Experte. So werden beispielsweise T-Shirts Labels, Lebensmittel und Energiesparlampen mit dem CO2-Fußabdruck versehen. Auch fordern Kunden ihre Logistikdienstleister verstärkt dazu auf, Carbon Footprints für ihre Dienstleistung zu erstellen.
Allerdings, so betont der Experte vom Fraunhofer IML, existiere heute noch kein standardisierter Ansatz für die Bewertung der ökologischen Wirkung von logistischen Prozessen. Die vorhandenen Normen und Leitfäden liefern hierzu allenfalls die methodische Basis. Auch die Problematik der Qualität und Verfügbarkeit notwendiger Daten sei noch nicht gelöst.
Hierzu ist neben der Entwicklung anerkannter und systematischer Vorgehensweisen, denen sich etwa die Experten am Fraunhofer IML derzeit widmen, eine Erweiterung und Befähigung der vorhandenen IT-Systeme in den Unternehmen erforderlich. Wie aber das Unternehmen zunächst eine vollständige Transparenz in der gesamten Beschaffungskette herstellen kann, das lässt sich kaum mit pauschalen Rezepten beantworten.

Spezielle Programme errechnen zum Beispiel den Anteil, den die einzelnen Teilprozesse in den „CO2-Rucksack“ eines Produkts packen - die Abbildung beschreibt die CO2-Bilanz eines in China produzierten T-Shirts. Der Transport verursacht dabei einen großen Anteil an CO2-Emissionen (Quelle: Systain Consulting).
Schritt für Schritt: Umsetzung sorgfältig vorbereiten
Immerhin sollte jeder Mitarbeiter quasi in der Lage sein, sich mit wenigen Mausklicks am Bildschirm seines Rechners einen Überblick zur Umweltverträglichkeit seines Verantwortungsbereichs in der Supply Chain zu verschaffen. Die konzeptionelle Herausforderung beschreibt Paul Wittenbrink, Hochschullehrer im Bereich Transport und Logistik an der Berufsakademie Lörrach so: "Es kann keine optimale Bewertungsmethodik geben, da jedes Modell immer auch Werturteile und Bewertungsfaktoren enthält."
Die gute Nachricht lautet aber: Es gibt zahlreiche positive Beispiele, an denen sich durchaus andocken lässt. "Diese Ansätze müssen sich jedoch immer dem unberechtigten Verdacht mangelnder Neutralität aussetzen", räumt Wittenbrink ein. Der Experte plädiert deshalb für ein IT-gestütztes standardisiertes Verfahren mitsamt Zertifizierung, dem sich alle Unternehmen anschließen sollten.
In der Praxis allerdings lassen sich Umweltziele und Aspekte der wirtschaftlichen Betriebsführung oftmals nur mühsam unter einen Hut bekommen. Immerhin: Um die Aktivitäten auf eine breite und einheitliche Grundlage zu stellen, haben auch die ersten Konzerne aus der Industrie damit begonnen, sich deutlich mehr als nur abstrakte Umweltziele zu stecken.
Als eine wesentliche Maßnahme, die anvisierten CO2-Reduktionsziele zu erreichen, sieht etwa der Chemiekonzern Bayer AG den hauseigenen "Bayer Climate Check" an. Erstmals lasse sich damit nicht nur die Produktionsanlage, sondern auch die für eine Produktion notwendigen Rohstoffe und Energien bewerten, und zwar einschließlich der Logistikprozesse, zumindest bis hin zum eigenen Werkszaun.
Die klimarelevante Bewertung erfolgt dabei mit Hilfe eines ergänzten Kennzahlenwerks, das um den zusätzlichen Key Performance Indikator (KPI) ergänzt worden ist, dem so genannten "Climate Footprint". Damit steht dem Bayer-Konzern neben den etablierten Wirtschaftlichkeitskennzahlen eine ökologische Kennzahl als Entscheidungshilfe für Produktionsprozesse sowie Investitions- und Technologieprojekte zur Verfügung.




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Christian Henner-Fehr schreibt als freier Autor für den MONITOR und arbeitet als Trainer und Berater in den Bereichen Projektmanagement und Kommunikation. Sein Interesse gilt dem Web 2.0 und den Einsatzmöglichkeiten von Social Media in Organisationen und Unternehmen. 