Als "Thema, das nicht mehr so neu zu sein scheint", bezeichnete Dr. Hannes-Thomas Kopf, Leitung Siemens IT Solutions und Services, RFDI am Beginn der Veranstaltung. Der erwartete RFID-Hype, oftmals im fast schon sprichwörtlichen intelligenten, lebensmittelordernden Kühlschrank subsummiert, hat sich zwar nicht eingestellt, doch es haben sich eine ganze Reihe an realen Anwendungsfeldern etabliert. In Industrie und Logistik beispielsweise wird RFID in unterschiedlichen technischen Ausprägungen eingesetzt, wenn auch noch nicht so lieferkettenübegreifend wie man es vor wenigen Jahren prophezeit hat.
Thomas Kopf zeigte sich jedenfalls überzeugt, dass die aktuellen Marktgegebenheiten RFID in die Hände spielen wie
- das Fallen von Handelsschranken mit den hohen Anforderungen an globale Logistikketten,
- die zunehmende Nachfrage auch bei Massenfertigung Customized-Produkte schnell auf den Markt zu bringen,
- die Serialisierung, die Produkten eine eindeutige Identifikation abnötigt, von den verwendeten Rohstoffen bis zum weiteren Lebenslauf.
Siemens könne außerdem, so Kopf, alles rund um RFDI aus einer Hand anbieten: von Produkten und Systemen bis hin zu Lösungen und Dienstleistungen. So habe man europaweit über 300.000 RFDI-Schreib- und Lesegeräte installiert, liefere dazugehörige Transponder und biete die erforderliche Software an - von der RFID-Middleware bis zur branchenfokussierten Anwendungssoftware.
Globale Logistik im Griff
Laut Holger Schönherr, Leitung Competence Center RFID, Nürnberg, steigt der Logistikanteil an den Produktionskosten in einer global verweilten Wertschöpfung. Zunehmend werde es auch schwieriger, die Integrität der Lieferkette sicherzustellen: "RFID kann als Technologie für automatische Identifizierung hier einen wichtigen Beitrag leisten, weil es die durchgängige Verfolgung eines Produktes im Lebenszyklus möglich macht."
Außerdem sei es damit möglich, die Logistik so zu optimieren, dass eine deutliche Energieeinsparung erzielbar ist. Durch intelligente Steuerungskonzepte lassen sich innerbetrieblich bis zu 20 % an Energie einsparen, zitiert Schönherr eine Studie der Fraunhofer-Gesellschaft.
Für viele Produkte müssten zudem die Hersteller lückenlos die Herkunft aller Bauteile oder Zutaten nachweisen, zum Beispiel bei Autoreifen und Pharmaprodukten. "Produkten eine eindeutige Identifikation zu geben ist das eine - sie automatisch an allen entscheidenden Punkten im Lebenslauf eines Produktes zu erfassen und mit umfassenden Daten anzureichen, ist etwas Anderes", so Schönherr. RFID lasse sich sehr gut dazu verwenden, um "Produkte mit einem digitalen Gedächtnis zu versehen".
Anwendungsbeispiele
Am Wiener Allgemeinen Krankenhaus (AKH) werden beispielsweise 720 Container täglich kreuz und quer durch die Gebäude geschickt, vollautomatisch, auf einer Streckenlänge von 7,5 Kilometern. Sie transportieren Essen, Wäsche, Medikamente, Sterilgut. Diese Containertransportanlage ist seit kurzem mit RFID-Chips von Siemens ausgestattet, die dafür sorgen, dass die Container pünktlich an die richtigen Adressen geliefert werden.
"Dank RFDI ist es nun möglich, alle Container auf der gesamten Anlage lückenlos zu verfolgen", fasst Wolfgang Schneller, Projektleiter bei der VANMED-KBM zusammen, der für das Gebäudemanagement im AKH verantwortlich ist. Eine Herausforderung waren die Hygienebedingungen, weil die Container nach jeder Fahrt durch eine Waschstraße und Trockenzonen müssen - mit Temperaturen bis zu 130 Grad. Widrige Bedingungen, denen die RFDI-Chips standhalten müssen.
Immer weniger Kunden wünschen Produkte von der Stange. Im Siemens-Gerätewerk im bayrischen Amberg werden elektronische Schaltgeräte in hoher Variantenvielfalt produziert. Trotzdem gibt es eine 24-Stunden-Liefergarantie. Man hat in die Werkstückträger RFID-Chips integriert und die Mitarbeiter an den Bearbeitungsstationen erfahren, was zu tun ist.
Der Chip enthält alle Fertigungsanweisungen und die komplette Stückliste. Jede Station verfügt über einen RFID-Leser, der die Daten aus dem Transponder ausliest und direkt in der übergeordneten Simatic-Steuerungstechnik zur Verfügung stellt. Dadurch kann eine "Just in Time"-Produktion mit einer vollautomatischen Fertigungslinie realisiert werden. Die Werkstückträger können außerdem nahezu beliebig durch die Anlage gefahren werden, ohne eine feste Reihenfolge bei den Bearbeitungsstationen einhalten zu müssen. Damit wird eine auslastungsgesteuerte Zuweisung möglich, der Fahrplan liegt im RFID-Chip.
Das Buch zum Thema: Prozesse optimieren mit RFDI und Auto-ID. Hrsg. Von Norbert Bartneck, Volker Klaas, Holger Schönherr. Publicis Corporate Publishing. 2008. ISBN 978-3-89578-319-7




1/2012
8/2011
7/2011


Christian Henner-Fehr schreibt als freier Autor für den MONITOR und arbeitet als Trainer und Berater in den Bereichen Projektmanagement und Kommunikation. Sein Interesse gilt dem Web 2.0 und den Einsatzmöglichkeiten von Social Media in Organisationen und Unternehmen. 