Zur Begriffsklärung gleich vorneweg: der Weg der E-Musik führt über "elektrisch" zu "elektronisch" hin zum Computer. Dabei ergibt sich, einer komplexen Welt entsprechend, eine Vielzahl von Unterthemen, die hier natürlich verkürzt dargestellt werden, aber eventuell zur weiteren Beschäftigung anregen.
Nebst dem ästhetischen Einsatz von Elektrizität in der Musikerzeugung erkannte Vaclav Prokop Divis übrigens auch den Nutzen von Blitzableitern für die menschliche Gesundheit, was ihm ein Denkmal in Znaim einbrachte. Weitere punktuelle technische Entwicklungen folgten in Europa kurz darauf. Ein erstes Patent für ein elektrisches Instrument soll für 1885 in Deutschland nachgewiesen sein. Diese frühen elektroakustischen Instrumente spielten eher eine Rolle als "Demonstratoren" für physikalisch-technische Entwicklungsleistungen ihrer Zeit.
Dies änderte sich um 1900. Die Zeit war geprägt von neuen Entwicklungen in vielen Disziplinen, einer Verbreiterung und Verwebung von Denkansätzen - auch die technischen (Vor-)Entwicklungen wurden von den neuen Musiktheorien aufgesogen. 1897 konstruierte Thaddeus Cahill sein "Dynamophon" (auch als Telharmonium bekannt), mit 200 Tonnen das schwerste Instrument, welches jemals erbaut wurde - übrigens ein Instrument, welches gedacht war für den Einsatz als Tele-Instrument, denn die daraus erschaffene Musik sollte per Telefon und Subskription in dislozierten Lokalitäten übertragen werden (ein früher Versuch der "Online-Musik"). Es inspirierte Ferrucio Busoni 1907 zu seiner "Dritteltontheorie" (siehe auch: www.aufgang.org). Arnold Schönberg verwob ebenfalls rezente Entwicklungen und formulierte 1911 seine Harmonielehre, in der er die Klangfarbenmelodie einführte. Edgar Varése war ein weiterer bekannter Komponist, der neue Klangharmonien einsetzte.
Überblick über die instrumentelle Entwicklung
Nach dieser ersten Phase der Koalition traten wieder die Techniker auf den Plan. Leon Theremin, ein russischer Erfinder, konstruierte 1919 das nach ihm benannte Instrument (das "Theremin" ist ein Ätherophon), welches als Vorläufer des Synthesizers gilt und bis heute produziert wird. Gönnen Sie sich bitte die Zeit und lauschen sie den wunderbaren online verfügbaren Theremin-Klängen, (z.B. von Samuel Hoffmann; www.youtube.com).
Theremin hatte eine enorme Strahlkraft auf die weitere Entwicklung. Die "Ondes Martenot" des Musikpädagogen Maurice Martenot wurden 1928 konstruiert, ausgehend von einem Treffen Martenots mit Theremin. In Deutschland baute 1930 Friedrich Trautwein sein "Trautonium", welches im gleichen Jahr der Komponist Paul Hindemith in seinem Stück "Des kleinen Elektromusikers Lieblinge" - ein Stück für drei Trautonien - verwendete. Die legendäre Hammond-Orgel folgte kurz danach. Dieser Entwicklungsstrang fand 1964 seinen Kulminationspunkt in der Entwicklung des Synthesizers durch Robert A. Moog, welcher aus der Theremin-Produktion kam. Der Synthesizer wurde unter anderen durch Keith Emerson von "Emerson, Lake and Palmer" berühmt und fand auch seinen Einfluss im deutschen "Krautrock" und der "Berliner Schule" (z.B. bei "Tangerine Dream").
Noch einmal zeitlich zurück und zur Avantgarde: Kurz vor dem zweiten Weltkrieg veröffentlichte John Cage einen ersten Meilenstein der elektronischen Musikkomposition mit "Imaginary Landscape No. 1", bei dem er zwei Plattenspieler als Instrumente zum Einsatz brachte, übrigens auch wunderbar online anzuhören (http://www.youtube.com). Eine richtige Entwicklungsexplosion ist wieder in den 1950er-Jahren zu vernehmen, in Form der "Musique Concrete" von Pierre Schaeffer in Paris und der parallel dazu formierten Bewegung des NWDR-Studios für elektronische Musik in Köln, deren bekanntester Vertreter Karlheinz Stockhausen war. Er produzierte 1955/56 mit dem "Gesang der Jünglinge" einen weiteren Meilenstein der elektroakustischen Musik.
Das technische Novum dieser Zeit war die Vervollständigung der elektro-musikalischen "Wertschöpfungskette". Es war nicht mehr nur die synthetische Klangerzeugung möglich, sondern auch deren Speicherung (Magnetband) und deren Wiedergabe (Lautsprecher). "Music for Tape" wurde vor allem in den USA ein Begriff, bereits 1948 durch Louis und Bebe Barron und kurz danach vom bereits erwähnten John Cage in seinem "Project for Magnetic Tape".
Die weitere technische Entwicklung war der Einsatz des Computers. Schon für 1958 ist die Verwendung von Illiac-Rechnern und IBM 7090-Rechnern im "Experimental Music Studio" nachweisbar. Informationstechnologien wurden sehr schnell für die Unterstützung der Komposition, der Klangerzeugung und der Klangsteuerung eingesetzt. Die deutsche Gruppe "Kraftwerk" wird 1970 gegründet und steigt bereits 1973 (LP "Autobahn") zur Gänze auf die elektronische Musikproduktion um. Kraftwerk hatte einen großen Einfluss auf die gesamte folgende populare Musikentwicklung, bis hin zu rezenten Musikstilen wie Techno, Trance und Hiphop. Heute ist Computermusik das musikalische Thema schlechthin, in der Produktion ist der Computer nicht mehr wegzudenken und es ist vor allem möglich, jederzeit und jedenorts Musik durch Software am PC selbst zu produzieren.






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Mag. Dominik Troger gehört seit 1992 zum MONITOR-Team. Er begann als News-Redakteur und betreute viele Jahre die MONITOR Weiterbildungsbeilage "Job Training". Seit dem Jahre 2000 war er als Chef vom Dienst tätig, mit Dezember 2009 übernahm er die Chefredaktion. 