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Moniskop

25 Jahre Monitor: 1998

Der Beginn des Kartellprozesses gegen Microsoft

Es war zu einer Zeit, als Microsoft noch der unangefochtene Riese im Softwarebusiness war, Bill Gates noch der reichste Mann der Welt und als sich bei jedem neuen Release von Windows Schlangen vor den Computergeschäften bildeten. Mit anderen Worten, Microsoft war sakrosankt. Jeder, der sich mit dem Riesen aus Redmond und seinen Anwaltsschwadronen anlegte, der war nicht bei Sinnen.

Bill Gates, Gründer von Microsoft, hat der Entwicklung des PCs seinen Stempel aufgedrückt.

Es war aber auch eine Zeit, als Microsoft sogar selbst glaubte, uneinnehmbar und unfehlbar zu sein. Aus diesem Grund beging das Unternehmen einen großen Fehler: Es glaubte, seine Monopolstellung sei sozusagen ein Naturrecht, abzuleiten aus der Genialität der Firmengründer, und damit ein wichtiges, damals sogar das einzige Rüstzeug im aufkommenden Kampf um die Systemsoftware-Vorherrschaft im Internet.

Microsoft hatte nämlich aus seiner schieren Größe heraus auch die Eigenschaft, in gewissen Bereichen träge geworden zu sein. So kam es, dass die Redmonder das Internet-Geschäft am Anfang falsch einschätzten und nicht rechtzeitig die Notwendigkeit eines einfach zu handhabenden Browsers erkannten. Dieser wurde nämlich von Netscape zur Marktreife gebracht und fand dementsprechend auch schnell Verbreitung. Das hauseigene Produkt, der Internet Explorer, war zwar auch schnell auf den Beinen, man glaubte aber, sich Netscape nicht im Wettbewerb stellen zu müssen, sondern dass es genüge, einfach die Fenster (Windows) zum Konkurrenten zu schließen.

Die Reaktion folgte auf dem Fuß: Am 18. Mai 1998 reichten das US-Justizministerium und 20 Bundesstaaten Klage gegen Microsoft wegen des Missbrauchs einer marktbeherrschenden Stellung ein - in den USA, dem Land aller wirtschaftlichen Freiheiten, eine Riesenaktion und ein gefundenes Fressen für die besten Anwaltskanzleien. Der Vorwurf: Microsoft missbrauche sein Monopol mit dem Betriebssystem Windows, um Konkurrenten vom Markt zu drängen. Am 19. Oktober 1998 wurde der Prozess eröffnet.

Mit dieser Aktion begann ein langer Kampf, durch den die Reputation Microsofts als geniales Garagen-Startup sehr gelitten hat und in dessen späterer Folge auch Gründer Bill Gates von der vordersten Front verschwand. Insofern ist das Jahr 1998 gewissermaßen auch der Wendepunkt für Microsoft gewesen.

Im Zuge des Prozesses kamen nämlich eine Reihe weitere unschöner Verhaltensweisen an den Tag: Der Softwareriese soll sich meistens einer Reihe von Unterhändlern, sprich: teuren Anwälten, bedient haben, um die Konkurrenten einzuschüchtern. So wurde Netscape eine "Aufteilung" des Browsermarktes vorgeschlagen, ein Versuch, der scheitern musste, sobald er öffentlich wurde. Ähnliches geschah Apple bei seiner Videosoftwarte Quicktime: Auch hier wollte Microsoft, dass sich der Konkurrent von Windows fernhalte, weil man damals selbst nichts Vergleichbares zu bieten hatte und Zeit für Eigenentwicklungen brauchte. Und selbst Intel wurde von Microsoft angegangen, als der Prozessor-Riese eigene Softwarekomponenten anfertigen wollte. Microsoft drohte mit dem Rückzug von den Intel-Plattformen.

Immer wieder stand am Anfang des Microsoft-Prozesses auch die Zerschlagung des Monopols im Raum, die nach dem Sherman Act, einer US-Gesetzesvorlage des frühen 20. Jahrhunderts, vorgenommen hätte werden können. Nach diesem Gesetz wurden bereits das Ölimperium von Rockefeller und die Telefongesellschaft AT&T auseinander genommen.

Microsoft blieb das allerdings bis heute erspart, da Software-Lizenzrechte nun doch eine etwas kompliziertere Materie sind. Zudem versuchte Microsoft immer wieder mit allen Kräften, das Kartellverfahren seinerseits niederzuschlagen.

Das Verfahren sollte sich zur unendlichen Geschichte entwickeln. Immer wieder sprang Bill Gates in die Bresche, um die Ehre des Unternehmens zu retten. Doch immer wieder tauchten neue Probleme auf, nicht zuletzt, als die EU ebenfalls begann, sich mit dem Microsoft-Monopol auseinanderzusetzen. Bis heute wurde der Konzern aus Redmond zu vielen hundert Millionen Dollar Strafzahlungen verdonnert, ungeachtet dessen, dass das damals wahrscheinlich einmalige Monopol keineswegs mehr so stark ist: Das Aufkommen freier Betriebssysteme wie Linux, die Entwicklung leistungsfähiger alternativer Browser wie Firefox und dergleichen haben die Macht schon ein wenig beschränkt, aber bei weitem nicht so, wie es die Kartellwächter gerne hätten. Die Microsoft-Anwälte werden sich noch weitere Jahre über die lukrative Aufgabe freuen können, alles daran zu setzen, den Softwareriesen von allen "bösen Absichten" freizusprechen.

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Dr. Christine Wahlmüller

Dr. Christine Wahlmüller-Schiller ist freie Autorin und Kommunikationsberaterin, spezialisiert auf die IT- und Telekom-Branche. ..mehr..

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