Die Zukunft der IT-Branche liegt in einer Wolke. Nicht irgendeiner Wolke, nein in der "Cloud Computing"-Wolke. Seit geraumer Zeit ist diese Begrifflichkeit aus der IT-Welt nun schon nicht mehr wegzudenken. Genaue Definitionen des Begriffs gibt es noch keine, fest steht, es gibt zwei wesentliche Ausprägungen:
Einerseits bedeutet es ein Vertriebsmodell für Software, bei dem Software als Dienstleistung über das Internet zur Verfügung gestellt wird. Zum anderen meint man vorrangig die Automatisierung und Virtualisierung (das so genannte "Cloud Sourcing"). Egal welcher Definition man folgen will, hinter der Wolke versteht sich ein leistungsfähiges, externes, global gespanntes Netzwerk, auf das die Nutzer und Firmen zugreifen können, in der Regel über einen Webbrowser.
Windows Azure ein "Wendepunkt"
In seiner Keynote auf der Professional Developer Conference (PDC) 2008 erklärte Ray Ozzie, seines Zeichens Chief Software Architect von Microsoft und damit Nachfolger von Bill Gates, dass Windows Azure ein "Wendepunkt" für den Softwarekonzern sei.
Die neue Plattform, die auf allen Servern gehostet werden soll, bildet die Grundlage für den Wandel von reiner Software hin zu Software plus Service via Internet. "Wir bringen das Beste aus dem Web zu Windows und das Beste von Windows ins Netz", so Ozzie. "Azure" soll dabei die Basis für die Entwicklung von Anwendungen für das Cloud Computing sein. Unternehmen sollen ihre Programme in den riesigen Microsoft-Rechenzentren laufen lassen und diese über das Internet bedienen. Die Installation von Programmen auf firmeneigenen Computern werde damit überflüssig. Auch die Speicherung von Daten kann über diese Technologie extern erfolgen. "Wenn wir diesen Service kommerziell anbieten, werden wir vom ersten Tag an profitabel sein", zeigt sich Ozzie überzeugt.
Der massive Schwenk in seiner Unternehmensstrategie, verbunden mit enormen Investments - etwa fünf Milliarden Dollar für neue Rechenzentren, die die Anwendungen der Unternehmen beherbergen sollen, soll Microsoft ein Stück des kommenden "Wolken-Kuchens" sichern. Nach Schätzungen von Marktforscher IDC wird bis 2010 mindestens eine Verdreifachung der IT-Ausgaben für "Software aus der Wolke" auf 42 Mrd. Dollar erwartet. Microsoft reagiert mit dem massiven Einstieg ins Cloud-Computing auch auf die Bedrohung seiner Geschäftsfelder durch Wettbewerber wie etwa Amazon, Google, IBM, SAP oder Salesforce.com. Diese bieten bereits Software via Internet an oder lassen Unternehmen ihre riesigen Datenzentren online nutzen.
Neben "Windows Azure" hat Microsoft auch gleich seine Windows Azure Platform vorgestellt. Hier sollen sich die Online-Dienste von "Windows Live" wiederfinden, aber auch Services zur Synchronisation und gemeinsamen Bearbeitung von Dokumenten, fürs Cloud-Computing gedachte .NET-Programme und Funktionen des SQL Servers, etwa für Geschäftsanalytik. Hinzukommen etwa auch SharePoint-Services und nicht zuletzt sollen auch Dienste des Microsoft Dynamics CRM hier für die Unternehmen bereit stehen. In absehbarer Zeit will Microsoft all seine Unternehmenssoftware den Kunden alternativ auch als Online-Service anbieten. Noch machte man aber weder nähere Angaben zu den Preisen noch zu einem Termin für den Marktstart. Eine kommerzielle Version von Azure dürfte jedoch frühestens in einem Jahr zur Verfügung stehen.
Schon früher sollen Wissenschaftler weltweit über die Plattform gemeinsam forschen können. Mit den Worten "Für die Wolken in der Wolke", kündigte Rick Rashid, Senior Vice President von Microsoft Research, auf der PDC erste große Projekte im Bereich Klimaforschung an. Den Forschern soll das gigantische Netz einen schnellen und einfachen Wissens- und Datenaustausch ermöglichen. In Zukunft würden hier nicht nur für die Erforschung des Klimawandels und für die AIDS-Forschung neue Impulse generiert werden können, sondern für das gesamte verteilte Forschen auf der Welt. Ein großes und ehrgeiziges Ziel dem die wissenschaftliche Welt nun noch Folge leisten muss.Ein wichtiges Thema im Bereich Cloud Computing muss allerdings noch geklärt und adressiert werden: der Datenschutz und die Schaffung eines Vertrauens in die neue Technologie durch die Unternehmen. "Im Business-Bereich sehen wir das nicht, da die Unternehmen ihre Daten nur ungern einer diffusen "Wolke" anvertrauen. So bietet Amazon etwa mit S3 (Simple Storage Service) seit beinahe vier Jahren einen Cloud-Dienst zur Datenspeicherung, hat damit aber noch keine nennenswerte Marktdurchdringung zusammengebracht", meint etwa Markus Hartbauer von SER Solutions Österreich.
Diese Einschätzung teilt auch Martn Schevaracz von der APA-IT: "Cloud Computing stellt keine Alternative zu bestehenden sicheren und hochverfügbaren IT-Services dar. Beim Einsatz von Cloud-Computing-Technologien in entfernten Netzen besteht vor allem hinsichtlich der Datensicherheit ein erhöhtes und somit unkalkulierbares Risiko." Es wird sich zeigen, ob der Einstieg von Microsoft in diesen Bereich ein Umdenken bei den Unternehmen einläuten wird. Ein Punkt den der US-Softwarekonzern als wesentlich für den Erfolg ansieht, ist jedenfalls schon eingetreten - die weltweite Finanzkrise. Firmen würden sich nun vermehrt nach möglichen Einsparungsmöglichkeiten umsehen müssen und hier sei im Bereich der Cloud Computing Einiges möglich, meint man in Redmond.





1/2012
8/2011
7/2011


Dunja Koelwel ist freie Journalistin in München. Die studierte Juristin arbeitet für Verlage und Agenturen und betreut vor allem die Themen Internet und Business-Software aus einem strategisch- wirtschaftlichen Blickwinkel. 