Fokus und Inhalte des heurigen Symposiums waren stark von der drohenden Rezession geprägt. „Die Aussagen der Analysten waren deutlich weniger mutig und provokant als in den Jahren davor“, bemerkte ein langjähriger Beobachter. Die Keynotes, die für gewöhnlich mit Prognosezahlen nur so gespickt sind, blieben in ihren Vorhersagen sehr vage. Im Hinblick auf die zukünftige Entwicklung der IT-Ausgaben 2009 wollte sich Garnter lediglich auf eine Bandbreite zwischen minus 2,5 % und plus 3,3 % festlegen.
Dazu Manfred Troger, Chef von Gartner Österreich: „Die Finanzkrise hat sicherlich bewirkt, dass die Volatilität des Marktes und die Unsicherheit der Manager stark zugenommen hat. Das heißt aber nicht, dass die IT-Ausgaben zwangsläufig auch zurückgehen. Wir rechnen mit einem Wachstum zwischen 0 % und 2.8 % als die wahrscheinlichste Variante, weil der Bedarf nach mehr Transparenz, Reaktionsgeschwindigkeit, Risikomanagement oder Compliance nur mit Hilfe einer schlagkräftigen IT bedient werden kann. Allerdings wird die Planbarkeit schwieriger.“
„Chancen wahrnehmen“
Gartner Research Vice President Jeffrey Mann, riet in seiner Schluss-Keynote den Delegierten, sich auf die Chancen zu konzentrieren, die die Krise eröffne. Eine Rezession biete die Gelegenheit, in der Vergangenheit immer wieder aufgeschobene Veränderungen einzuleiten, sich etwa von Doppelgleisigkeiten und unnötigen Altlasten in den IT-Systemen zu trennen. Es gehe aber nicht nur um Cost Cutting. „Wenn Sie danach trachten, aus jedem Euro, den Sie ausgeben, auch einen Wert zu lukrieren, werden sich die Kosten von selbst reduzieren“, so Mann.
Die Unternehmen sollen in Lösungen investieren, die einen direkten Business-Wert liefern, sowie Projekte priorisieren, die keine hohen Investitionen erfordern und trotzdem signifikante Auswirkungen auf die Ertragslage oder die Kostenstruktur versprechen. „Virtualisieren Sie Ihr IT-Portfolio, nützen Sie Collaboration Tools, um die Reisetätigkeit zu vermindern, und betreiben Sie Outsourcing, wo es Sinn macht“, so Manns Schlussappell.
Fixkosten reduzieren
Gartner rät den CIOs, sich 2009 auf Themen zu konzentrieren, die dem Risiko der unsicheren Marktentwicklung Rechnung tragen. Insgesamt sollen sie danach trachten, die Kostenstruktur weg von hohen Fixkosten hin zu einem höheren Anteil variabler Kosten zu verschieben. Einmal abgesehen von der derzeitigen Krisenstimmung sei dies ohnehin „eine zwingende Notwendigkeit“ für die meisten CIOs – weil es den Spielraum schaffe, um mit der „schnelllebigen Welt von heute“ Schritt halten zu können. Die empfohlenen Fokus-Bereiche, um Krisenbeständigkeit zu schaffen, im Einzelnen:
- Kostenoptimierung – z.B. Fixkosten reduzieren
- Virtualisierung
- Modernisierung der Applikationslandschaft
- Modernisierung der Infrastruktur
- Green IT
- Workforce Management – zur Schaffung flexiblerer Personalstrukturen
- Business Intelligence – um Chancen und Risiken besser und schneller abzuschätzen.
- Service-orientierte Architektur
- Business Process Management
- Multi-Sourcing – outsourcen von Commoditiy Services
Vergleicht man diese Liste mit den ebenfalls auf dem Symposium präsentierten Top Ten Technologien und Trends, die in den Augen der Gartner-Analysten in den nächsten drei Jahren die größte strategische Bedeutung haben werden, so erkennt man unschwer einige Unterschiede bei Themen und Gewichtung. In dieser Reihung findet sich Virtualisierung an erster Stelle, gefolgt von Cloud Computing, Server (Blades und was danach kommt), Web-orientierte Architektur, Corporate Mashups, Specialised Systems, Social Software und Social Networking, Unified Communications, Business Intelligence sowie Green IT. Auf welche Themen ein Unternehmen im Endeffekt fokussiert, wird in erster Linie davon abhängen, wie stark das Kerngeschäft von der Krise betroffen ist.
Positives Resümee aus heimischer Sicht
„Um mit der Unsicherheit besser umgehen zu können, empfehlen wir, unterschiedliche Szenarien zu erstellen und die in die strategische Planung einzubeziehen“, betont Troger. So könne man die Reaktionsgeschwindigkeiten auf sich verändernde Marktbedingungen stark erhöhen. Gartners Top Technologie Trends sind für Troger aber ungeachtet der Krisenängste „die spannendsten Themen“ des Symposiums gewesen. „Sie werden große Bedeutung haben, auch wenn das Wie und Wann noch nicht ganz klar ist.“
Aus österreichischer Sicht zieht Troger eine überaus positive Veranstaltungsbilanz – zumal er sich über einen neuen Teilnehmerrekord freuen kann. Über 70 heimische Manager waren diesmal in Cannes mit dabei. „Die Österreich-Gemeinde war nicht nur von den erstklassig aufbereiteten Themen angetan, sondern auch von den Möglichkeiten, das Symposium als Plattform für Diskussionen und den Meinungsaustausch zu nutzen. Ziel war es, neue Ideen und gemeinsame Schwerpunkte zu finden, also wirkliches Networking unter exzellenten Persönlichkeiten zu betreiben.“
Weitere Informationen zu Gartner unter www.gartner.com



1/2012
8/2011
7/2011


Alexander Hackl ist freier Journalist in Wien. Er ist Absolvent des Master- Programms „Qualitätsjournalismus“ an der Donau-Universität Krems und spezialisiert auf Technologiethemen. Seit drei Jahren ist er als Autor für den MONITOR und das Wirtschaftsmagazin FORMAT tätig. Das Hauptaugenmerk in seiner Arbeit liegt auf Informations- technologie im Kontext gesellschaftlich-wirtschaftlicher Zusammenhänge. 