Kemler ist nicht nur als Besucher in Cannes, sondern in gewisser Weise auch als Gastgeber. Denn HP ist einer der Hauptsponsoren des Gartner-Symposiums und natürlich auch Aussteller auf der integrierten Technologieschau „ITxpo“. „Wir haben heuer mit ProCurve vor allem das Thema Netzwerkequipment positioniert. ProCurve wurde in diesem Jahr in den engeren Rahmen des HP-Portfolios integriert. Die Marke hat sich in wenigen Jahren vom Newcomer zur Nummer zwei am Markt entwickelt – dank hoher Qualität und einem sehr guten Preis/Leistungs-Verhältnis“, so der HP-General.
Gartners Top-Themen
Die Gartner Research Vizepräsidenten Rakesh Kumar und Milind Govekar erläuterten in Cannes, welche technologischen Entwicklungen und Trends ihrer Meinung nach den Bereich Infrastruktur und IT-Betrieb in den nächsten fünf Jahren bestimmen werden. An erster Stelle der Trendliste stand der Punkt „Server Evolution“. Zentrale Aussage: Multiplattform-Computing wird nötiger denn je. Alles auf einer Plattform zu betreiben, wird es auch in Zukunft nicht spielen. Das Faktum, dass man für verschiedene Anforderung auch verschiedene Betriebssysteme braucht, die ihrerseits wieder unterschiedliche Anforderungen an die Hardware stellen, werde sich eher noch verstärken.
Zum Thema Blades meinten die Analysten, dass diese sich von Servern zu kompletten modularen „Rechenzentrum-im-Chassis“-Lösungen mit integriertem Storage und Netzwerk entwickeln. Kemler lässt dieses Szenario allerdings nicht uneingeschränkt gelten, weil es aus seiner Sicht für große Unternehmen keine gangbare Lösung sei. Der HP-Chef wies auch auf die stark steigenden Stromversorgungs- und Kühlprobleme hin, die durch die hohe Packungsdichte beim Blade-Computing entstehen. Power und Cooling ist denn auch die Nummer drei auf Gartners Trendliste – ein Problem, für das man sich „nie eine endgültige Lösung“ erwarten dürfe, betonte Govekar.
Desktop- und Servervirtualisierung
Punkt zwei heißt bei Gartner „Client Evolution“. Darunter fassten Kumar und Govekar den Trend zur Integration unterschiedlichster, oft mobiler Client-Devices ins Firmennetzwerk zusammen. „Machen Sie sich auf neue Client Computing-Anforderungen von immer anspruchsvolleren Endusern gefasst“, riet Kumar den CIOs. Dadurch werde auch das Thema Client-Virtualisierung vorangetrieben. Auch für Kemler ein klarer Trend: “Ich muss mobilen Mitarbeitern ihre Intelligenz mitgeben. Das Ende des Desktops rückt dadurch ein Stück näher.”
„Virtualisierung wird bis 2012 der Trend mit den stärksten Auswirkungen auf Management, Akquisition, Deployment und Planung von IT-Infrastruktur sein“, konstatierten die Gartner-Analysten an vierter Stelle ihrer Hitliste. Dazu Kemler: „Virtualisierung ist zwar kein neuer Trend, aber jetzt wird er bei den Firmen in breitem Maßstab in die Realität umgesetzt und beschäftigt die IT-Manager operativ sehr stark.”
Datenlawine
Die Informationsexplosion und die damit verbundenen Bedürfnisse im Speicherbereich sieht Kemler als eine der größten Herausforderungen für IT-Verantwortliche. „Die Kurve ist dramatisch und für die meisten CIOs stellt sich die Frage, wie sie mit dem massiven Anwachsen der Informationen umgehen sollen, insbesondere aber auch mit der businessgerechten Bereitstellung dieser Informationen. Es geht darum, aus dem gigantischen Datenwulst die richtigen Informationen zum richtigen Zeitpunkt für die Endverbraucher im Unternehmen performant zur Verfügung zu stellen – vor allem wenn es um Business-Entscheidungen geht. Information Handling ist bei HP ein stark kommendes Thema, in das wir sehr viel Geld investieren.“
In Gartners Liste rangieren die Themen Data Center Networking und Storage auf den Plätzen fünf und sechs. Thin Provisioning und Datendeduplizierung werden in den nächsten Jahren die Trendtechnologien sein, um die Datenmengen unter Kontrolle zu halten, prophezeien die Analysten. In den weiteren Punkten führt Gartner auch noch die Themen Konfigurations- und Performance-Management im Rechenzentrum, Prozessautomation im IT-Betrieb und SaaS (Software as a Service) an.
Die Wolke
Am Schluss ihrer Infrastruktur-Hitliste zollen die Gartner-Analysten auch dem Hype-Thema Cloud Services Tribut. Cloud Computing sei „eine logische Folge des ‚next-generation data center’“. Kemler formuliert das vorsichtiger: „Bei Cloud Computing ist man derzeit noch in der Phase der Diskussion. Die Frage ist, welche neuen Business-Modelle es ermöglichen kann. Vor fünf bis sieben Jahren wurden die ASP-Modelle (Application Service Providing, Anm.) heiß diskutiert, also eine Rechner- und Applikationsleistung, die ich aus der berühmten Datensteckdose von einem externen Provider beziehe. Cloud Computing ist aus meiner Sicht genau dasselbe, nur dass ich mich als Kunde darüber hinaus auch um die entsprechenden Connectivities nicht mehr zu kümmern brauche. Das ASP-Modell ist jedenfalls nie wirklich zum Durchbruch gekommen, obwohl die Grundidee eine sehr vernünftige ist.“
Detaillierte Informationen zu Gartner unter www.gartner.com



1/2012
8/2011
7/2011


Lothar Lochmaier studierte nach einer Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann Sozial-und Wirtschaftsgeschichte sowie Politikwissenschaft in München, Madrid und Berlin. Heute arbeitet er als freiberuflicher Fach- und Wirtschaftsjournalist für diverse Print- und Online-Medien. Seine Schwerpunkte sind die Bereiche Informationstechnologie, Energiefragen und Managementthemen. 