In einem thematisch breit angelegten Assessment wurden einerseits die firmeninternen Bemühungen um eine Treibhausgas-Reduktion in den eigenen Prozessen und entlang der Lieferkette unter die Lupe genommen, andererseits aber auch das Engagement bei der Entwicklung von klimaschonenden Produkten und Services, die das Gesamtziel einer „Low Carbon Economy“ unterstützen. Dazu Studienleiter Simon Mingay, Research Vice President bei Gartner: „Das ist der erste Industrie-Report dieser Art. Wir wollen den Kunden damit ein Werkzeug in die Hand geben, das ihnen Transparenz verschafft, welche IKT-Anbieter effektive grüne Programme haben.“
Mingay ist jener Gartner-Analyst, der 2003 den Begriff „Green IT“ geprägt hat. An dem aktuellen „ICT Providers’ Low Carbon Leadership“-Assessment hat er ein Jahr gearbeitet. 24 global agierende IKT-Konzerne wurden zur Teilnahme eingeladen, 15 haben schlussendlich teilgenommen und „verdienen schon deshalb Anerkennung für ihre Transparenz“, betont Mingay.
Vier Vorreiter
Von den Teilnehmern haben vor allem Fujitsu, British Telecom, HP und IBM in allen untersuchten Bereichen gut abgeschnitten, während etwa Wipro, Nortel, Verizon, China Mobile und Lenovo nicht wirklich gut davonkommen. Ziemlich schlecht schneidet Google ab, insbesondere bei grundlegenden internen Umweltindikatoren als auch in den Bereichen Lieferkette und Lösungen für eine „Low Carbon Economy“.
Weiters zeigt sich laut Mingay, dass vor allem Service Provider besonders „unreif“ in ihren Umweltprogrammen sind. „Service-Organisationen erkennen nur sehr langsam, dass sich die Marktumstände verändern und dass mit dem Klimawandel sowohl Risken als auch Chancen für ihr eigenes Business verbunden sind.“
Es stellte sich auch heraus, dass selbst so mancher selbst ernannte Green IT-Vorreiter nicht einmal ein Treibhausgas-Reduktionsziel für das eigene Unternehmen formuliert hat. „Das ist eine zentrale Basisanforderung, wenn die nicht erfüllt ist, sollten Kunden bezüglich des Klimawandel-Programms eines Providers skeptisch sein.“ Zur Zeit der Befragung hatten Nokia, Ericsson, Google, Nortel, Cisco, SAP und Wipro kein Reduktionsziel. Lenovo und Cisco haben diese Scharte mittlerweile ausgemerzt.
Grüner Produktlebenszyklus
Auch wenn sich bei diesem ersten „Low-Carbon Leadership“-Assessment, das ab nun jährlich wiederholt werden soll, schon ein paar Vorreiter herauskristallisiert haben, ist die IKT-Industrie insgesamt noch lange nicht im ‚grünen Bereich’. Dazu Mingay „Besondere Aufmerksamkeit sollten die Firmen dem Thema ‚Life Cycle Assessments’ widmen, um die vielfältigen Umweltauswirkungen von Produkten und Services über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg zu ergründen und die auf sie zurückzuführenden CO2-Emmissionen konsequent zu reduzieren. Zusätzlich sollten IKT-Anbieter innovative Lösungen zur inter-industriellen Zusammenarbeit mit ihren Partnern entwickeln, um eine Reduktion von Treibhausgas-Emissionen in einem makroökonomischen Maßstab zu erreichen.“
Als Ansporn verweist Mingay auf die neuen Business-Möglichkeiten, die sich IKT-Unternehmen bieten, wenn sie „proaktiv“ handeln und klimaschonende Lösungen zum Treiber für Innovation und Profit machen. „Green IT ist für die IKT-Industrie die Chance um zu wachsen.“
Der Online-Monitor wird Sie laufend weiter mit interessanten Neuigkeiten aus Cannes versorgen. Detaillierte Informationen zu Gartner unter www.gartner.com




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8/2011
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Dunja Koelwel ist freie Journalistin in München. Die studierte Juristin arbeitet für Verlage und Agenturen und betreut vor allem die Themen Internet und Business-Software aus einem strategisch- wirtschaftlichen Blickwinkel. 