Trüb, regnerisch und stürmisch präsentiert sich Cannes dieser Tage. Auch im übertragenen Sinn hängt eine dunkle Wolke über der Veranstaltung. Die weltweite Finanzkrise ist Gesprächsthema Nummer eins unter den Delegierten aus allen Branchen. Zum 19. Mal hat Gartner, das weltweit renommierte IT-Research- und Beratungsunternehmen, nach Cannes geladen. Mehr als 3.000 CIOs und IT-Verantwortliche sind der Einladung an die Cote Azur gefolgt und erwarten sich vom 3. bis 7. November Analysen und aktuelle Research-Ergebnisse zu ihren aktuellen Herausforderungen.
Keynotes im Zeichen der Krise
Eine brennende Frage bei vielen: Wie wirkt sich die heraufdräuende Rezession auf die IT-Budgets der Unternehmen und damit auf die gesamte IT-Branche aus? Auch die Keynote-Reden bei der offiziellen Eröffnung am Dienstag standen ganz im Zeichen der Krise. Die zentrale Botschaft: Jetzt erst recht sei die Zeit, um alle Optimierungspotenziale in und mittels der IT auszuschöpfen. „Die IT ist mit Abstand das effektivste Mittel, um die Business Performance zu steigern“, betonte Gartner-CEO Gene Hall. Sein Rat: „Investieren in Modernisierung – in der Krise ist die beste Zeit dafür.“ Wenn Einsparungen unumgänglich seien, dann müsse man diese an den richtigen Stellen und mit Augenmaß und Weitsicht umsetzen. Gartner könne Firmen in puncto „Cost Cutting“ mit großer Forschungsexpertise unterstützen.
Gartner Senior Vice President Peter Sondergaard betonte, dass die jetzige Situation nichts gänzlich Neues sei und verwies auf das Platzen der Dotcom-Blase 2000/2001. Auch damals seien die IT-Budgets empfindlich zurückgestutzt worden. Das sei aber keine Katastrophe, sondern ein Chance. Von den CIOs sei in solchen Situationen „agiles Führungsverhalten“ gefordert. IT-Verantwortliche könnten sich nun als umsichtige Ratgeber in Sachen Kostenkontrolle profilieren. „Ein schwieriges wirtschaftliches Umfeld erfordert Agilität und Weitblick“, so Sondergaard. IT-Budget-Optimierung werde zusammen mit IT-Modernisierung und Virtualisierung in den nächsten Jahren ganz oben auf der Agenda der CIOs stehen.
Keine rosigen Aussichten
Wie schwer die tatsächlichen Auswirkungen der Krise auf die IT vorherzusehen sind, zeigen die aktuellen Garnter-Prognosen. Der Berater zeichnet für 2009 drei mögliche Szenarien. Das Worst-Case-Szenario geht global gesehen von einem Schrumpfen der IT-Budgets in Unternehmen um 2,5 % aus, das Best-Case-Szenario von einem Wachstum um 3,3 %. Als wahrscheinlichstes Szenario postuliert Gartner ein Wachstum zwischen 0 und 2,3 %. Für 2008 wird dagegen noch ein solides Wachstum von 3,2 % erwartet.
Auch die Auswirkungen auf die IT-Industrie sind offenbar schwer abzuschätzen. Im schlechtesten Fall werde der globale IT Markt 2009 nur um 2,3 % wachsen, im besten Fall noch sehr solide um 5,8 %. Wachstumstreiber ist in jedem Fall Asien, am düstersten schaut es dagegen in Westeuropa aus. Hier werde der IT-Markt im günstigsten Fall um 2,8 % zulegen, das Worst-Case-Szenario von Gartner postuliert sogar ein Schrumpfen um 0,8 %.
Um auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein, empfiehlt Sondergaard den Firmen, ein alternatives Sparbudget für den Worst Case zu erstellen. Und er präsentierte eine – teilweise schmerzhafte – ToDo-Liste für die IT-Kostenoptimierung. Die Empfehlungen lauten:
- Personalreduktion / Einstellungsstopp
- Neuverhandlungen mit IT-Lieferanten
- Wachstum des Rechenzentrums zurückschrauben / Virtualisieren / Anlagen verkaufen und zurückmieten
- Funktionen und Systeme konsolidieren, um Skaleneffekte zu erzielen
- Standard-Services outsourcen
- Offshore-Ressourcen stärker nutzen
- Gesamtinvestments herunterfahren
- Projekte priorisieren
- Bestimmte Geschäftsfelder oder Produkte „einmotten“
- Den Führungsstil verändern/neue IT-Management-Strukturen einführen
Kernthema Business-Nutzen
Die Krise setzt also derzeit die Vorzeichen, unter denen die eigentlich zentralen Themen der Veranstaltung wahrgenommen werden. Im Fokus des Garnter Symposium 2008 stehen sechs wichtige Geschäftsprioritäten und wie sie von der IT am besten adressiert und unterstützt werden können. Es geht um Kundengewinnung und Beziehungspflege, den Aufbau einer innovativen, agilen Organisation, die Optimierung der wichtigsten Geschäftsprozesse und Arbeitsabläufe, die Verbesserung der Mitarbeiterproduktivität, Fragen von Risikomanagement, Compliance und Governance sowie last not least um die Maximierung von Leistung, Profitabilität und Wettbewerbsfähigkeit.
In all diesen Bereichen, so postuliert Gartner, spiele die IT eine entscheidende Rolle - sowohl strategisch als auch in der operativen Umsetzung. IT sei mit dem Geschäftsnutzen noch nie so eng verwoben gewesen wie heute, und allein an diesem werde sie auch gemessen. „Eine erfolgreiche IT ist die Grundlage jedes erfolgreichen Businesses“, betonte Garnter Vicepresident Steve Prentice in seiner Keynote und forderte von den IT-Verantwortlichen Mut zu Innovation und Kreativität ein.
Der Online-Monitor wird Sie laufend weiter mit interessanten Neuigkeiten aus Cannes versorgen. Detaillierte Informationen zu Gartner unter www.gartner.com


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Mag. Christoph Weiss, i2s consulting, Leiter Büro Österreich: Magister und Textil-Fachingenieur. Führungserfahrung als IT-Leiter im Bereich technischer Grosshandel. Mehrfach Linien- verantwortlicher für ERP-Einführungen. Lehrbeauftragter an der Fachhochschule Technikum Wien. Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft für Datenverarbeitung (ADV) 