Über 43.000 Mitarbeiter weltweit sind für den IT-Bereich von Siemens tätig. Siemens IT Solutions and Services wurde außerdem in sogenannte "Verticals" (Geschäftsfelder) eingeteilt, die durch Branchenexperten individuelle Lösungen für folgende Sektoren bieten: Service Industries, Public, Telco/Media, Manufacturing Industries, Transportation/Airport, Healthcare sowie Energy.
Die Verticals selbst sind sehr schlank aufgestellt, im Vertical Energy sind in Österreich nur sechs Mitarbeiter beschäftigt, die sich voll auf den Branchenvertrieb im Energiesektor spezialisert haben. "Bei Bedarf und je nach Projekt werden IT-Dienstleistungen aus den vier "IT-Delivery Units" praktisch zugekauft", erklärt Martin J. Runge, verantwortlich für das Vertical "Energy" (vormals "Utilities") in Wien. Die IT-Delivery Units, das sind "Professional Services" (Software-Know-how, egal ob Microsoft, SAP oder Oracle, von der Standardlösung bis hin zum proprietären Entwicklungsthema), "Global Operations" (Betrieb der Lösungen), "Software Practice" (vormals PSE, rund 3.000 Entwickler) sowie "Sys" (Systemintegrationsbereich).
Branchenerfahrung gefordert
Was bei den Kunden an erster Stelle zählt, ist neben dem IT-Know-how vor allem die Branchenerfahrung, weiß Runge. An Erfahrung mangelt es dem 37-jährigen Wiener und gelernten Kraftwerksbauer nicht. Er war neun Jahre bei Siemens, zunächst als SAP-Consultant, später als Leiter des Verticals "Public" tätig, bevor er jobmäßig die Seiten wechselte und für Microsoft die Leitung des Business Solutions-Bereichs übernahm.
Im Vorjahr kehrte der WU-Absolvent (BWL, VWL) wieder in den Siemens IT-Bereich zurück und übernahm die Leitung des Verticals "Energy". "Wir arbeiten mit den drei Siemens-Sektoren Industry, Energy und Healthcare eng zusammen", betont Runge. Der Bereich ist groß: Es geht um Companies der Energieerzeugung und -verteilung, "wir konzentrieren uns auf die großen und neu auch auf die mittleren Unternehmen der Branche", stellt Runge klar. Die Branchenkompetenz ist auch in den IT-Delivery Units wichtig, auch dort sitzen Spezialisten für den Energie-Sektor. Siemens betreibt zum Beispiel beim Verbund alle SAP-Systeme.
Drei große Strömungen

Die Kernprozesse der Energiebranche werden mit IT-Lösungen von Siemens unterstützt und optimiert. Das betrifft die Energieerzeugung und -verteilung, aber auch Datenmanagement, Abrechnungs- und Vertriebssysteme. (Grafik: Siemens)
Spannend ist - gerade auch im Energiebereich - der Vergleich in punkto Entwicklung in den 17 weiteren CEE-Ländern, die zusätzlich zu Österreich die Region CEE bei Siemens ausmachen. "In den östlichen Ländern merkt man, wie sich der Privatisierungsprozess entwickelt", berichtet Runge. Es gebe natürlich Unterschiede im Umsetzungsgrad der verschiedenen Länder. "Serbien hat etwa noch keine EU-Richtlinie, während Rumänien und Bulgarien durch die EU-Mitgliedschaft gezwungen sind, die Richtlinien umzusetzen. Sie entwickeln sich auch ganz dynamisch", beleuchtet der erfahrene IT-Experte die Hintergründe. In der EU wurde übrigens erst im Juli 2007 die Energieliberalisierung für alle EU-Länder beschlossen.
Zweite Triebkraft ist - vor allem in den CEE-Ländern - das große Thema internationale Aktivitäten, wo die großen Energieversorger sich auch in den CEE-Ländern beteiligen. "Das heißt für uns: Wie rollt man globale Templets z.B. ein globales SAP-Billing aus. Es betrifft aber auch andere Themen wie ganz generell Workforce Management und Outage Management", erklärt Runge. "Die Kunden erwarten hier, dass wir ihre Strategien verstehen, ihre Aktivitäten in den Regionen und Ländern verstehen und sie auch zentral unterstützen und begleiten können", sieht der Experte einen hohen Bedarf an Kunden- und Serviceorientierung.
Energie der Zukunft
Dritte Triebkraft ist das Thema Energieeffizienz. "Das ist definitiv der größte Treiber des Marktes und wird in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren massiv an Bedeutung gewinnen", glaubt Runge. Mehrere Fragen wie etwa die Verfügbarkeit von Primärenergieträgern (Öl und Gas), das Aufrechterhalten der Versorgung, der Kostendruck sowie der Einfluss und die Bedeutung von neuen, alternativen Energieformen (dezentrale Energie-Einspeisung), aber auch der Einfluss der Politik stehen dabei im Raum. In Kalifornien gibt es etwa schon einen Gesetzesentwurf, der vorsieht, das im Jahr 2020 nur noch Häuser mit "Zeronet-Base" gebaut werden dürfen, d.h. in punkto Energiezufuhr und -abgabe, etwa aus hauseigener Photovoltaik-Anlage, auf "Null" kommen müssen.
Einer der wesentlichen IT-Herausforderungen ist "Smart Metering" (wörtlich übersetzt: Intelligentes Zählen). Gemeint sind damit innovative, automatisierte Zähler-Ablese- und Zähler-Management-Verfahren der Energie-Anbieter. Die Tendenz geht dahin, dass der Konsument auch jederzeit in der Lage sein soll, über seinen aktuellen Energie-Verbrauch Bescheid zu wissen. "Da gibt es Länder, die schon sehr weit sind, wie etwa Italien, Schweden oder Dänemark. Die Stadt Mailand (A2A Milan) ist seit Dezember 2007 mit 900.000 Smart Meters ausgestattet. In Österreich wird daran bereits gearbeitet, die Umsetzung wird jedoch noch etwas dauern", urteilt Runge.
Zweiter großer, sehr weiter Begriff ist "Smart Grid", wobei es um Netze geht, die sich künftig selbst überwachen und alle Formen der Energie-Einspeisung integrieren. "Im IT-Bereich werden auch Technologien wie Breitbandkommunikation, Web 2.0 Ansätze etc. eine große Rolle spielen, die insbesondere auch in der Kundenkommunikation neue Möglichkeiten bieten. Siemens ist hier in der Lage umfassende Lösungen anzubieten", sagt Runge.




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8/2011
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Dunja Koelwel ist freie Journalistin in München. Die studierte Juristin arbeitet für Verlage und Agenturen und betreut vor allem die Themen Internet und Business-Software aus einem strategisch- wirtschaftlichen Blickwinkel. 