Auf der Hauskonferenz SAP Tech Ed in Berlin versuchte Co-CEO Léo Apotheker reichlich Gelassenheit auszustrahlen. "Das Ausmaß der Finanzkrise war auch mit einer vorausschauenden Analysesoftware nicht vorhersehbar." Jedoch sieht das Unternehmen Softwarelösungen im Zuge der Bankenkrise auch als eine Chance, die Effizienz in den Unternehmen weiter zu steigern und Kosten zu senken.
Die Herausforderung bestehe darin, den Gedanken der Innovation mit dem Ziel niedriger Gesamtkosten (Total Cost of Ownership) zu verbinden, so Apotheker weiter. Der Softwarewerker sei gerade in Krisenzeiten ein stabiler Partner, auf den man sich auch noch in Jahren verlassen könne.
Konkrete Aussagen zur weiteren Roadmap der auf den Mittelstand zugeschnittenen Lösung SAP Business By Design vermied der SAP-Mann indes. In zwei Jahren sollen entsprechende Lösungen spruchreif sein. "Hier bleibt alles beim Alten, wir halten an unserer Strategie fest."
Allzu forschen Einwänden mit Blick auf das weiterhin heikle Thema der Wartungs- und Servicegebühren ging Apotheker lieber aus dem Weg. Noch immer schlägt die Preisgestaltung beim Enterprise Support in Kundenkreisen hohe Wogen. Zumal die Marktforscher von Forrester in einer Befragung von SAP-Anwendern noch Wasser auf die Mühlen der Kritiker streuen.
Die Auguren kamen nämlich zum wenig schmeichelhaften Ergebnis, dass nur rund 15 % der Kunden das Basisangebot überhaupt nutzen. Ab dem kommenden Jahr sollen die Support-Gebühren weiter steigen, und zwar binnen vier Jahren von 17 auf 22 %.
"Die Mehrheit der Kunden versteht den Mehrwert der Dienste", kontert Apotheker mit seiner hausgemachten Kalkulation. Aus seiner Sicht rechnen sich bis zu acht Prozent höhere Wartungsgebühren über einen Zeitraum von mehreren Jahren auch für die Unternehmen. "Das bringt auf eine Sicht von fünf Jahren eine deutliche Reduktion der gesamten IT-Betriebskosten (TCO)."
Initiative "Ecohub"
In den Rahmen, sich nach außen ein kundenfreundlicheres Image zu erarbeiten, passt auch die marktnahe Initiative "Ecohub", die laut Aussage von Zia Yusuf, verantwortlich für das SAP Ecosystem, endgültig den Schritt ins Web-2.0-Zeitalter besiegeln wird. "Wir wollen die Beziehungen zum Kunden vollständig demokratisieren und öffnen auch Plattformen wie Innocentive für den offenen Dialog."
Ein formalisierter Prozess soll entsprechende Spezialisten als Moderatoren zertifizieren. Die Online-Plattform, die der Hersteller auf der Tech Ed 2008 in Berlin präsentierte, reduziert sich aber nicht nur auf die Anwender, sondern dient auch unabhängigen Herstellern und Partnern als neuer Vertriebskanal. SAP-Anwender sollen demzufolge auf der Plattform EcoHub ihre SAP-Anwendungen durch externe Lösungen ergänzen oder verbessern helfen.
Zur Auswahl stehen dabei auch Lösungen, die auf Basis von NetWeaver oder Business Objects zertifiziert sind. Dabei will SAP auch Web-2.0-Funktionen, wie etwa den Gedankenaustausch via Community-Funktionen in die neue Plattform einbeziehen, also das direkte und ungefilterte Feedback von Anwendern. Am deutlichsten wird dieser Schulterschluss am Beispiel der Lösung SAP CRM 2007.
"Kontextuale Collaboration"
Laut Aussage von Vinay Iyer, Vice President SAP CRM, sollen in die künftige Produktentwicklung mehr Elemente im Sinne der "kontextualen Collaboration" einfließen. Was SAP damit meint, um sich allmählich der interaktiven Netzwelt anzunähern, sind indes keineswegs nur mobile CRM-Tools für das Management der Kundenbeziehung auf Basis von Blackberry, die RIM offenbar mit einer eigenen Lösung im Frühjahr veröffentlichen wird.
"Wir wollen den ganzen Kontext der Social Communities in die CRM-Welt übertragen", betont Iyer. CRM 2.0 soll demzufolge vor allem das Monitoring von relevanten Communities beinhalten, wie etwa bei der Plattform Twitter der Fall. Das dadurch ergänzte CRM-Frühwarnsystem soll aber weit mehr als reine Produkt- oder Kundeninformationen bereit halten.
Denn auch in diesem Bereich will das Unternehmen sich stärker den Bedürfnissen der Anwender öffnen, beispielsweise mit Hilfe der Plattform CRM@BPX Community, in der Experten sich fortlaufend über neue Trends, Strategien und Techniken beim Customer Relationship Management (CRM) austauschen sollen.
Technisch gesehen sind die Herausforderungen immer noch gewaltig. Laut Vinay Iyer gilt es immerhin die nach wie vor große Kluft zwischen unstrukturierten und strukturierten Datenbeständen aufzulösen. Ob "SAP CRM 2.0" dabei mehr als ein vorsichtiges Gedankenspiel bleibt, ließ der Experte allerdings noch offen.




1/2012
8/2011
7/2011


Dr. Eric Scherer ist Geschäftsführer des anbieterunabhängigen Beratungs- und Marktforschungsunternehmens i2s. Er gilt als einer der führenden ERP-Experten und ist Initiator der ERP-Zufriedenheitsstudie. 