Blended Learning ist jedoch auf das konkret notwendige Know-how abgestimmt, welches ein Unternehmen für die Lösung seiner operativen oder strategischen IT-Aufgaben benötigt und damit ein wichtiges Asset für das Unternehmen und den Auszubildenden. Außerdem erlaubt Blended Learning die gezielte Verbesserung der organisatorischen Wissensbasis einer Unternehmung durch ein strukturiertes und längerfristiges Vorgehen.
Know-how on the Job
Das Angebot an Weiterbildungen war noch nie so groß wie heute. Eine Vielzahl von Kursanbietern und fast alle Universitäten und Hochschulen bieten Kurse und Zusatzausbildungen an. Die schnelle technologische Entwicklung in unserer Branche erhöht den Druck auf das Individuum sich ständig neues Know-how anzueignen.
Jedes Unternehmen braucht IT-Fachkräfte mit solidem technologischem Know-how und einem vernünftigen Grad an branchenspezifischem Wissen. Das technologische Wissen darf sich nicht auf die neusten Hype-Themen beschränken. Es soll vielmehr auf die im Betrieb verwendeten Technologien abgestimmt sein. Zudem sind für ein Unternehmen auch die Beherrschung der Grundlagen des System-Engineerings und System-Managements sowie ein solides IT-Basiswissen wichtig, da zunehmend Quereinsteiger in der Informatik tätig sind.
Sich widersprechende Bedürfnisse
Die einzelnen Mitarbeitenden interessieren sich für die neuesten Technologien oder für die Erweiterung ihres Wissenshorizonts. Sie möchten Neues kennen lernen oder mit einer Zusatzausbildung ihrer Karriere neuen Schub geben. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Gelernte auch im Job umgesetzt werden kann, ist relativ klein.
Dem gegenüber braucht ein Unternehmen ein Team von Mitarbeitenden, um die vorhandenen Informationssysteme effizient zu betreiben und auf deren Basis Erweiterungen und Neuerungen umzusetzen, die der Produktivität dienen. Da ist nicht in jedem Fall das neueste und aktuellste Know-how gefragt. Verschärft wird dieser Interessenkonflikt durch den herrschenden Fachkräftemangel, die Fluktuation qualifizierter Mitarbeiter und die historisch bedingte Sicht auf das einzelne Stellenprofil statt auf das betrieblich notwendige Know-how eines Teams oder einer Abteilung. Dies verhindert die Weiterbildung ganzer Teams.

Das Phasenmodell von Blended Learning sieht im Minimum vier Phasen vor. Die Analyse kombiniert unternehmerische Bedürfnisse mit dem individuellen Weiterbildungsbedarf. Resultat dieser Phase ist die Festlegung der genauen Weiterbildungsmaßnahmen in den nachfolgenden Phasen (Weiterbildung, Vertiefung und Anwendung). Zentrales Element des Vorgehens ist die Anwendung des Gelernten im Rahmen eines unternehmensrelevanten Projektes. Nur so kann garantiert werden, dass das Wissen auch Bestandteil des betrieblichen Know-hows wird. Blended Learning lohnt sich nur für Teams oder für ganze Abteilungen. Und - besonders wichtig - es berücksichtigt den tatsächlichen Stand des Know-hows der Mitarbeiter. So können Löcher im Grundwissen gezielt behoben werden.
Blended Learning
Blended Learning bietet einen strukturierten Ansatz zur gezielten Aus- und Weiterbildung ganzer Teams an. Blended Learning ist weit mehr als die bloße Kombination von Präsenzveranstaltungen und E-Learning. Es bedeutet eine Abstimmung individueller und unternehmerischer Bedürfnisse. Ziel von Blended Learning ist ein Know-how-Engineering für den Einzelnen, das Team und das Unternehmen. Die Weiterbildung wird mit den Bedürfnissen eines Unternehmens kombiniert. Damit erhöht sich für den Einzelnen die Wahrscheinlichkeit, dass das Gelernte auch umgesetzt werden kann. Und für das Unternehmen wird die Weiterbildung zum integrierten Bestandteil der IT-Strategie.

Daniel Liebhart ist Dozent für Informatik an der Hochschule für Technik in Zürich und Solution Manager der Trivadis AG. Er ist Mitglied des SOA-Expertenrates und Autor des Buches „SOA goes real“ (Hanser Verlag).
Blended Learning wird als Projekt umgesetzt und ist niemals nur auf einen einzelnen Mitarbeitenden ausgerichtet. Es erlaubt damit neben der Verbesserung des Marktwertes eines Individuums die Verbesserung des IT-Know-hows eines Unternehmens und damit die Erhöhung der durchschnittlichen Qualität der betrieblichen Informationssysteme.
Corporate Blended Learning

Norbert Zeller ist Solution Manager für Training der Trivadis AG. Er ist Mitglied des IPSB e.V. (International Performance Standards Board for Education Services Organizations)
Basierend auf der IT-Strategie wird eine IT-Knowledge-Architektur abgeleitet, welche den grundlegenden Aufbau und die Verteilung des notwendigen Know-hows beschreibt und die notwendigen Messgrößen sowie den Kostenrahmen für die Aus- und Weiterbildung des gesamten IT-Personals festlegt. Die IT-Aus- und Weiterbildung ist dann nichts anderes als ein Abgleich des bestehenden Know-hows der IT-Organisation mit den Vorgaben der IT-Knowledge-Architektur und die Bereitstellung eines auf das Unternehmen abgestimmten Aus- und Weiterbildungsangebots. Dies erfolgt schrittweise in einzelnen Blended Learning-Projekten. Das Controlling der Weiterbildung erfolgt auf Unternehmensebene in einem Corporate Knowledge Cockpit.




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Alexander Hackl ist freier Journalist in Wien. Er ist Absolvent des Master- Programms „Qualitätsjournalismus“ an der Donau-Universität Krems und spezialisiert auf Technologiethemen. Seit drei Jahren ist er als Autor für den MONITOR und das Wirtschaftsmagazin FORMAT tätig. Das Hauptaugenmerk in seiner Arbeit liegt auf Informations- technologie im Kontext gesellschaftlich-wirtschaftlicher Zusammenhänge. 