"Für den Standort Wien war die Neustrukturierung des Konzerns eindeutig ein Gewinn", resümiert Felbauer die Erfahrungen der ersten eindreiviertel Jahre. Weil die Softwaresparte Program and Systems Engineering (PSE) mit Hauptsitz Wien unter das Dach der Siemens IT Solutions and Services geholt wurde, sei man nun das mit Abstand das größte Softwareunternehmen in Österreich. "Die Exporte eingerechnet sind wir auch das größte IT-Unternehmen. Und die Marktführerschaft am heimischen IT-Servicemarkt haben wir ausgebaut. Darauf sind wir sehr stolz", betont Felbauer.
Die Anfang 2007 formierte Siemens IT Solutions und Services bildet das gemeinsame Dach für den Dienstleistungsbereich der ehemaligen Siemens Business Services (SBS), die PSE, die Siemens Innovation Systems Ltd (SISL) in Indien sowie zwei kleinere europäische Softwarestandorte, die Development Innovations & Projects (DIP) in Griechenland und das Business Innovation Center (BIC) in der Schweiz. Felbauer erläutert: "Die Absicht hinter der Umstrukturierung war, die IT-Kompetenzen zu bündeln und ein IT-Powerhouse für Siemens zu gründen. Der neu strukturierte IT-Bereich soll gemeinsam mit den neu gegründeten Siemens-Sektoren Industry, Healthcare und Energy einen Mehrwert für die Kunden zu schaffen, wie es kein anderes Unternehmen kann. In jedem Produkt und in jeder Lösung von Siemens ist immer mehr IT enthalten. IT ist eine unserer Kernkompetenzen, aber sie ist kein Selbstzweck. Sie dient dem gesamten Produktportfolio des Konzerns."
Operation gelungen
Auch geographisch hat sich Felbauers Wirkungsbereich deutlich vergrößert. Die Verantwortlichkeiten für den CEE-Raum wurden im Konzern neu definiert. Statt bisher zehn, umfasst der neue "Cluster CEE", der von Wien aus gelenkt wird, nun 17 Staaten. Innerhalb des IT-Bereichs mit insgesamt 43.000 Beschäftigten ist der Cluster CEE mit 8000 Mitarbeitern die größte Einheit weltweit. Fast ein Fünftel des Sektorumsatzes von 5,4 Milliarden Euro wird in Österreich und CEE gemacht.
Insgesamt sei laut Felbauer mit der neu formierten Siemens IT Solutions and Services auch der wirtschaftliche Turnaround gelungen: "Der Sektor schreibt schwarze Zahlen und erfüllt die Vorgaben in puncto Profitabilität." Österreich mit CEE sei ja auch schon vor der Umstrukturierung "hoch profitabel" gewesen", betont Felbauer.
Fokus Branchenkompetenz
Zentrales Element der neuen Geschäfts- und Organisationsstruktur von Siemens ist ein deutlich verstärkter Branchenfokus, der auch intern stark zum Tragen kommt. Es wurden eigenständige, branchenorientierte Vertriebsorganisationen mit Profit & Loss Verantwortung aufgebaut und ein straffes vertikales Portfolio entwickelt. Dazu Felbauer: "Wir haben in den letzten beiden Jahren gemeinsam mit den anderen Sektoren intensiv daran gearbeitet, einen Service-Katalog für Siemens zu erstellen, der inzwischen 60 weltweite Branchenportfolios enthält. Dazu kommen noch jede Menge lokaler Portfolios - insbesondere auch hier in Österreich." Ein "ongoing process", wie Felbauer betont, der Service-Katalog werde ständig ergänzt und verbessert.
Die sektorübergreifende, branchenorientierte Zusammenarbeit, die sich der Konzern verordnet hat, manifestiert sich auch in der Zusammenlegung von Kompetenzen. So wurden im Juni die Themenbereiche Zugangssicherheit und Rechtemanagement zu einer Einheit zusammengefasst. Der neue Bereich "Identity Manangement and Biometrics" bündelt die Kompetenzen des Biometrie-Zentrums in Graz und die Lösungen für Identity und Access Management des Sektors Healthcare - vor allem, um den Kunden in diesem Bereich "alles aus einer Hand" bieten zu können.
Felbauer sieht große Chancen, neben dem ebenfalls in Österreich angesiedelten Kompetenzzentrum für satellitengestützte Mautsysteme auch noch weitere konzernweite Headquarter-Kompetenzen nach Österreich zu holen. Ein Zentrum für E-Voting sei gerade im Aufbau und generell habe Siemens Österreich beim Thema E-Government eine führende Rolle im Konzern inne - ein Know-how, das auch schon bei mehreren Projekten im CEE-Raum exportiert werden konnte. Auch das Thema E-Health hätte das Potenzial, zum Exportschlager zu werden, glaubt Felbauer. "Im Bereich E-Government ist Österreich führend. Dadurch konnten wir in vielen gemeinsamen Projekten mit den Behörden ein gefragtes Know-how aufbauen. Meine Anregung an die Regierung ist, dass sie bei E-Health genauso die Initiative ergreift, wie sie es bei E-Government gemacht hat. Siemens hat hier eine hervorragende Ausgangsposition, weil wir alle intra- und extramuralen Prozesse im Gesundheitswesen abdecken können." Als Beispiele für die E-Health-Kompetenz von Siemens nennt Felbauer die Umsetzung der E-Card.




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Lothar Lochmaier studierte nach einer Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann Sozial-und Wirtschaftsgeschichte sowie Politikwissenschaft in München, Madrid und Berlin. Heute arbeitet er als freiberuflicher Fach- und Wirtschaftsjournalist für diverse Print- und Online-Medien. Seine Schwerpunkte sind die Bereiche Informationstechnologie, Energiefragen und Managementthemen. 