Microsoft lässt wieder seine Marketing-Muskeln spielen. Nachdem es Hauptkonkurrent Steve Jobs von Apple immer wieder schafft, mit tollen Innovationen das Image von Apple aufzupolieren und so nebenbei kürzlich auch noch aus einer Bloomberg-Falschmeldung über seinen Tod Werbekapital schlug, geht nun Microsoft in die Offensive.
Es war wahrscheinlich nicht die schlechteste Entscheidung vor einigen Jahren, als der Konzern seinen Gründer Bill Gates als CEO und Repräsentant von der Bildfläche räumte. So erfolgreich und intelligent Gates ist, so langweilig und nichtssagend waren stets seine öffentlichen Auftritte. Ersetzt durch den ziemlich extrovertierten und teilweise ausgeflippten Steve Ballmer, hat Microsoft bei den meisten seiner Kunden sicherlich ein paar Sympathiepunkte geholt.
Nun aber geht eine Kampagne los, mit der Microsoft sein offenbar selbst eingestandenes "Langeweiler-Image" endgültig abschütteln will. Dahinter steckt die ständige Provokation durch Apple-Werbespots, in denen Microsoft als angestaubtes und bürokratisches Megaunternehmen portraitiert wird. Mit einer 300-Millionen-Dollar-Kampagne, die Mitte September gestartet wurde, soll Innovationsfreudigkeit und Lifestyle gepriesen werden, Eigenschaften, mit denen Microsoft zuletzt nicht unbedingt assoziiert wurde, wie Umfragen ergaben.
Wo aber zuerst versucht wurde, Bill Gates in Talkshows von seiner komischen Seite zu zeigen, gingen die Microsoft-Werber schnell davon ab und ließen statt dessen Steve Ballmer wieder einen seiner exzentrischen Auftritte absolvieren. "I am a PC and I love this company", brüllt er in einem neuen Spot in die Kamera.
Wie auch immer. Microsoft und Apple werden ja von vielen Computernutzern quasi als unterschiedliche Religionen interpretiert. Während die erstere Firma nach öffentlicher Wahrnehmung eher von College-Strebern wie Bill Gates mit massiver Unterstützung von IBM groß wurde und sie seitdem von einem Spießer-Image verfolgt wird, gilt Apple als Idee der früheren Hippies Steve Jobs und Steve Wozniak, die, um das Startkapital ihres Garagenunternehmens aufzubringen, zunächst ihren VW-Bus verkaufen mussten.
Bei aller Euphorie, die Apple-Fans gegenüber dem Unternehmen aufgebracht haben, darf allerdings nicht vergessen werden, dass auch Apples Soft- und Hardware nicht die Krönung der IT ist. Geplagte User, die in geizigen Firmen heute noch auf alten OS 9-Systemen arbeiten, wissen ein Lied davon zu singen.



7/2011
6/2011
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Alexander Hackl ist freier Journalist in Wien. Er ist Absolvent des Master- Programms „Qualitätsjournalismus“ an der Donau-Universität Krems und spezialisiert auf Technologiethemen. Seit drei Jahren ist er als Autor für den MONITOR und das Wirtschaftsmagazin FORMAT tätig. Das Hauptaugenmerk in seiner Arbeit liegt auf Informations- technologie im Kontext gesellschaftlich-wirtschaftlicher Zusammenhänge. 