Mit einer Arbeitslosenquote von 4,1 % schneidet Österreich weitaus besser ab als viele andere der 27 EU-Mitgliedstaaten. Diese Zahlen kommen nicht von ungefähr, wie eine aktuelle Gemeinschaftsstudie der ATOSS Software AG und der DEKRA Akademie GmbH zeigt. Österreichische Unternehmen agieren vorausschauend, was die effiziente Nutzung des Arbeitsmarktangebotes und die Förderung der eigenen Belegschaft angeht.
Im Rahmen der Studie "Digging for Diamonds - Verborgene Potenziale im Unternehmen heben" wurden 272 HR- und Linienmanager deutscher Unternehmen und 50 Kollegen aus österreichischen Unternehmen befragt. Ziel des Projektes war es herauszufinden, ob und wie sie sich mit verborgenen Potenzialen in den eigenen Reihen auseinandersetzen. 92 % der österreichischen Führungskräfte sehen einen Bedarf, ungenutzte Potenziale im Unternehmen zu entdecken und zu fördern. Umso erstaunlicher ist es, dass es in mehr als der Hälfte der befragten Unternehmen keine definierten Prozesse gibt, mit denen mögliche Potenziale identifiziert werden und entwickelt können.
Bedarfsorientierter Personaleinsatz als Mittel der Wahl
Die österreichischen Führungskräfte haben jedoch konkrete Vorstellungen, an welchen Stellen sie ansetzen müssen, um das Leistungsvermögen ihrer Mitarbeiter nachhaltiger zu aktivieren. Die Arbeitszeitorganisation bietet in den Augen der befragten HR- und Linienmanager vielversprechende Ansatzpunkte. So halten neun von zehn Befragten den bedarfsorientierten Personaleinsatz, also die konsequente Ausrichtung der Arbeitszeiten am tatsächlichen Auftragsaufkommen, für eines der wichtigsten Instrumente, um die Produktivität zu steigern.
Die informationstechnologische Basis für eine bedarfsorientierte Personaldisposition haben Österreichs Unternehmen bereits geschaffen. Lösungen für Zeitwirtschaft als Lieferant tagesaktueller Zeitdaten für die Planung sind mit 94 % fast flächendeckend vertreten. Jeweils rund zwei Drittel setzen bereits Systeme für Personaleinsatzplanung (66%) und für Personalbedarfsermittlung/-planung (64%) ein. Dazu gehören Konzerne wie Austrian Airlines, Österreichische Post und der Büromöbelhersteller BENE. Sie arbeiten heute schon erfolgreich mit integrierten Systemen für Arbeitszeitmanagement und Personaleinsatzplanung und sichern damit langfristig ihre Wettbewerbsfähigkeit.
Information und Weiterbildung aktivieren Potenziale
Einen weiteren wichtigen Ansatzpunkt sehen die befragten Führungskräfte bei der Personalentwicklung. Die Mehrheit bewertet Qualifizierungsprogramme auf der Führungsebene (88%) und für alle Mitarbeiter (86%) als sehr wichtig, um die vorhandenen Potenziale innerhalb der Belegschaft zu fördern. Wie bereits im Bereich Arbeitszeitorganisation macht sich auch diese Meinung beim IT-Einsatz bemerkbar. Lösungen für Qualifikationsmanagement, die der zielorientierten und systematischen Entwicklung der erforderlichen Qualifikationen dienen, sind bereits bei zwei Dritteln der österreichischen Unternehmen im Einsatz.
Die Relevanz der Personalentwicklung wird noch in einem weiteren Ergebnis deutlich. Gefragt nach den wichtigsten Führungsinstrumenten für die Potenzialförderung, nannten die HR- und Linienmanager einstimmig die Personal- bzw. Personalentwicklungsplanung. Auf Platz zwei der Liste steht die verbesserte Kommunikation. Fast drei Viertel der befragten Unternehmen unterstützen den Informationsfluss im Unternehmen durch Mitarbeiterportale, die Hälfte durch Wissensmanagementsysteme.
Vorreiter für innovative Arbeitszeitorganisation
Österreichische Unternehmen haben die Vorteile erkannt, die spezielle Arbeitszeitregelungen für Mitarbeitergruppen wie ältere Mitarbeiter oder berufstätige Mütter und Väter bieten. Eine klare Mehrheit der österreichischen HR- und Linienmanager (66 %) hält attraktive Elternzeit-Modelle für wichtig, um vorhandene Potenziale zu nutzen, in Deutschland ist es nur knapp die Hälfte. Ähnlich verhält es sich mit Arbeitszeitmodellen für ältere Mitarbeiter. 62 % der österreichischen Führungskräfte, aber nur 49 % ihrer deutschen Kollegen halten solche speziellen Regelungen für wichtig. Dass dies Auswirkungen auf die Praxis in den Unternehmen hat, zeigen die positiven Entwicklungen auf dem österreichischen Arbeitsmarkt. Österreichs Unternehmen tragen damit nicht nur zu einer gesunden Wirtschaft bei, sondern wirken dem bereits akuten Fachkräftemangel konsequent entgegen.
Ein kostenloses Management Summary zur Studie gibt es auf www.atoss.com und www.dekra.de/bestellung_diamonds




1/2012
8/2011
7/2011


Dr. Eric Scherer ist Geschäftsführer des anbieterunabhängigen Beratungs- und Marktforschungsunternehmens i2s. Er gilt als einer der führenden ERP-Experten und ist Initiator der ERP-Zufriedenheitsstudie. 