Was sind die Folgen?
- Die Suche nach qualifizierten Fachkräften (Rekrutierung) wird immer schwieriger, aufwendiger und nimmt mehr Zeit in Anspruch. Die Kosten der Suche nach qualifizierten Mitarbeitern steigen.
- Eine weitere Folge ist die Abwerbung und Fluktuation in der IT-Branche.
- Steigende IT-Gehälter.
- Der Fachkräftemangel bremst Wachstum und Konjunktur, nicht nur in der IT-Branche, sondern auch in anderen Wirtschaftszweigen.
- Nicht nur IKT-Unternehmen wachsen weniger, auch die Wettbewerbsfähigkeit von Anwenderbetrieben wird geschwächt.
- Der Fachkräftemangel zeigt sich als Wettbewerbsnachteil für den Standort Österreich (insbesondere im Zusammenhang mit steigenden Lohn- und Personalkosten).
- In weiterer Folge nehmen Abwanderung und Auslagerung der IT-Leistungen ins Ausland zu.
- IT wandelt sich immer mehr vom Kostenfaktor zum Wettbewerbsfaktor (Die Wettbewerbsfähigkeit von immer mehr Unternehmen hängt zunehmend von der IT ab, so kann z. B. ein Finanzdienstleister bei einem IT-Ausfall nach kurzer Zeit in Konkurs gehen, Produktionsunternehmen (Logistik) können Ausfälle durch nicht oder schlecht funktionierende IT drohen).
- IT wird zur Business Technologie.
Verschärft wird die Problematik durch das demografische Problem: Der Geburtenrückgang von den Jahrgängen 1990 bis 2001 wird schon bald wirksam. Außerdem kommt es zu einer Pensionswelle: Geburtenstarke und IT-starke Jahrgänge gehen bald in Pension. Verschärft wird diese Problematik dadurch, dass ältere IT-Mitarbeiter zudem zu wenig weiterentwickelt wurden. Diese beiden Faktoren (Demografie und anstehende Pensionen) werden besonders ab dem Jahr 2020 dramatisch.
Außerdem gibt es wenig Zuzug von ausländischen Experten nach Österreich. Die Hoffnung, dass diese Lücke durch ausländische Experten abgedeckt wird, ist gering. Fachkräfte aus Indien z. B. bevorzugen Englisch sprechende Länder.
Das Problem, dass der Mangel an Fachkräften steigt und nicht ausreichend Fachkräfte nachkommen, ist in allen ähnlich entwickelten Ländern mit hohem IT-Bedarf virulent. Deutschland und die USA haben das als nationales Problem längst erkannt und bereits Maßnahmen ergriffen (s. IT-Gipfel, landesweit zuständiger IT-Koordinator in Deutschland).
Welche Handlungsoptionen haben wir?
Steigerung der Begeisterung und Motivation von Jugendlichen für naturwissenschaftliche und technische Themen und in Folge Steigerung der Interessen für eine derartige Berufsauswahl (Studium)
Verbesserung des Images der technischen Studienrichtungen: Die Studiengänge sollten auf Inhalte und Bedarf überprüft werden, auch die Bezeichnung der Studiengänge sollte überdacht werden.
Beeinflussung in der Berufswahl (die Information über Informatiker-Mangel hat Auswirkungen auf die Studienwahl)
Allgemeinbildung für die Informationsgesellschaft: Naturwissenschaften müssen einen höheren Stellenwert in der Allgemeinbildung einnehmen. Eine fundierte Auseinandersetzung mit technischen Systemen und Verfahren setzt Wissen und Verständnis in Mathematik, Naturwissenschaften und Technik voraus. Schulen sollten die Grundlage für einen lebenslangen Lernprozess schaffen.
Mathematik und Physik-Unterricht verbessern: Mathematik und technische Fächer gelten in den Schulen als die schwierigsten. Hier sind auch die Schulen aufgerufen, den Sinn und die praktische Bedeutung hinter der Mathematik zu vermitteln, was mehr Verständnis und Interesse zur Folge hätte. Auch der Informatik-Unterricht muss attraktiv gestaltet werden und soll nicht abschrecken.
Informatik als Pflichtfach: Viele Schülerinnen und Schüler verfügen über gute PC- Anwenderkenntnisse. Diese Tatsache darf aber nicht darüber hinweg täuschen, dass fundierte Kenntnisse über Funktionsweisen und Zusammenhänge von IKT-Systemen und -Anwendungen in den meisten Fällen jedoch fehlen.
Junge Frauen für Naturwissenschaft und Technik begeistern: Es gibt in der IT viel zu wenig Frauen, obwohl Frauen für die IT bestens geeignet wären. Von den 160 Informatik- bzw. Wirtschaftsinformatikabsolventen im Studienjahr 2007/2008 der Johannes Kepler-Universität Linz waren 27 Frauen. Von den 205 Lehrabsolventen aus dem IT-Bereich 2007 waren nur 15 junge Frauen. Als weitere Initiativen sind hier u.a. der Wiener Töchtertag sowie das Technik-Paket vom oberösterreichischen Landesrat Sigl für Kindergärten zu nennen.
Abbrecherquoten während dem Studium senken
Effizienter Mitteleinsatz in der Ausbildung: Statt neue Schulen und Lehrgänge zu schaffen, wäre es vernünftiger und effizienter, die Mittel an den vorhandenen Bildungseinrichtungen einzusetzen.
IKT-Minister: Ein eigener Minister für Informations- und Kommunikationstechnologie bzw. ein landesweiter Koordinator soll sich dieses Themas konzentriert annehmen, Aktionen setzen, Ausbildung und Bildungsberatung koordinieren und Ansprechpartner für Unternehmer, Branchenvertretung, Bildungseinrichtungen etc. sein. Hochindustrialisierte Länder wie Deutschland oder die USA haben dieses Problem längst erkannt, Deutschland etwa hat schon einen landesweit zuständigen IT-Koordinator.
Lebensbegleitendes Lernen: Weiterbildung ist eine Lebensnotwendigkeit für eine Branche, deren Geschäftsmodelle, Wertschöpfungsketten und Produkte einem permanenten Wandel unterliegen. Die Sicherung des lebenslangen Lernens wird zu einer zentralen Aufgabe der Unternehmen. Denn ein Ausstieg aus dem Lernprozess kann für die Mitarbeiter nach wenigen Jahren zum faktischen Verlust der Beschäftigungsfähigkeit führen. Angesichts der demografischen Trends - Ageing Workforce, begrenzte Verfügbarkeit von Young Professionals - bedeutet dies für die Unternehmen gleichzeitig einen massiven Verlust von Wettbewerbsfähigkeit.
Weiterbildung: Unternehmen und Mitarbeiter müssen das lebensbegleitende Lernen so gestalten, dass kein Bruch in der Bildungsbiografie entsteht und auch ältere Mitarbeiter ihre Rolle als Technologie- und Prozessinnovatoren über einen längeren Zeitraum spielen können. Damit dies gelingt, müssen Weiterbildung und Personalentwicklung als Teil der Unternehmensstrategie begriffen werden.
Abwanderung entgegenwirken und Zugang von ausländischen Experten erleichtern
Fazit
IKT als eine Querschnittstechnologie ist für den Großteil der Innovationen in vielen Zweigen der österreichischen Wirtschaft essentiell. Der Bedarf an Fachkräften, die das Know-how ihrer Branche mit der Fähigkeit verbinden, innovative IKT-Produkte anzuwenden, ist deswegen enorm. Das Thema der Ausbildung einer ausreichenden Zahl an Fachkräften wird daher eines der strategischen Kernthemen der Zukunft für den Standort Österreich und seine Wettbewerbsfähigkeit sein. Der Fachverband UBIT hat sich daher das Thema "Fachkräftemangel" zum Schwerpunkt seiner Tätigkeit im Jahr 2009 gesetzt.
Dipl.-Ing. Wilfried Seyruck ist Geschäftsführer der Programmierfabrik GmbH und Stellvertretenden Obmann des Fachverbands UBIT.
- FV UBIT sensibilisiert für das Thema Fachkräftemangel über Pressearbeit und Veranstaltungen)
- FV UBIT startet eine Offensive für den Beruf zu werben. Durch die Teilnahme an Berufsinformationsmessen wie der BeSt, direkten Kontakt mit Schulen und den Ausbildnern, der Beteiligung an Schulwettbewerben und Veranstaltungen, Unterstützung von Schulwettbewerben (Junior Constantinus in Zusammenarbeit mit Ars Electronica Center),
- FV UBT startet im Jahr 2009 eine breite Imagekampagne zur Sensibilisierung zum Thema Fachkräftemangel
- FV UBIT tritt dafür ein, Frauen für die IT zu begeistern, die Branche Frauen freundlicher zu machen
- FV UBIT bemüht sich darzustellen, dass sich das Berufsbild des IT-Spezialisten wesentlich geändert hat (in der Regel optimiert der IT-Anbieter gemeinsam mit der Fachabteilung die Geschäftsprozesse, wozu entsprechende soft skills erforderlich sind. Dies gilt insbesondere bei der Einführung der Systeme und damit verbundener Änderungsprozesse. )
- Auf Initiative des FV UBIT wurde gemeinsam mit der GPA die Bildungszertifizierung entwickelt (www.bildungszertifizierung.at). Ziel dieser Initiative ist es, dass so zertifizierte Mitgliedsunternehmen Fachkräfte finden und langfristig halten können.
- FV UBIT tritt für die Verbreitung der Bildungszertifizierung von IT-Unternehmen im Rahmen des IT-Kollektivvertrags ein.
- FV motiviert Mitgliedsbetriebe, in Aus- und Weiterbildung zu investieren (eigene Mitarbeiter "job-read" halten). Firmen, die hohen Wert auf Personalentwicklung legen, können sich beispielsweise, wie vorhin erwähnt, zertifizieren lassen.
- FV UBIT tritt für Kooperationen mit Schulen ein und gibt Unterstützung bei Kooperationen zwischen Firmen und Schulen




1/2012
8/2011
7/2011


Christian Henner-Fehr schreibt als freier Autor für den MONITOR und arbeitet als Trainer und Berater in den Bereichen Projektmanagement und Kommunikation. Sein Interesse gilt dem Web 2.0 und den Einsatzmöglichkeiten von Social Media in Organisationen und Unternehmen. 