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Arbeitsmarkt

IKT-Standort Österreich - ohne Fachkräfte in die Sackgasse

Der Fachkräftemangel in mehreren Wirtschaftsbereichen bereitet den Unternehmen und der Politik schon seit Jahren Kopfzerbrechen. Jetzt kommt eine ernste Warnung aus einer Branche, die bisher als "Wunschbranche" vieler junger Menschen galt, der Informationstechnologie (IT).

Wilfried Seyruck

Bild: stock.xchng

47 % der heimischen IT-Unternehmen beklagen, dass sie nicht ausreichend Personal bekommen, und 59 % erwarten, dass sich die Situation verschlechtern wird. Wurde früher die IT eher aus dem Blickwinkel der Kostensenkung und Effizienzsteigerung betrachtet, ist es heute so, dass ein Unternehmen ohne funktionierende Informationstechnologie praktisch nicht mehr leben kann. Die Branche hat den entscheidenden Schritt vom Kosten- zum Wettbewerbsfaktor gemacht. Kommunikations- und Informationstechnologie ist in einer wissensbasierten Gesellschaft zu einem wesentlichen Standortfaktor geworden.

Damit wird das Angebot an IT-Fachkräften zum wesentlichen Faktor der Qualität des Standortes. Unternehmen lassen sich vermehrt dort nieder, wo die Rohstoffe vorhanden sind. Österreich galt lange Zeit als ein Land, das mit gut ausgebildeten Mitarbeitern punkten konnte, der "Rohstoff Bildung" war ausreichend vorhanden. Dieses große Potenzial konnte in der Vergangenheit so manches Unternehmen - trotz hohen heimischen Lohnniveaus - von einer Niederlassung in Österreich überzeugen.

Dadurch steigt der Bedarf an IT-Fachkräften stärker als die Zahl der Abgänger diverser Ausbildungseinrichtungen. Dazu kommt verschärfend, dass sich das Berufswahlverhalten der jungen Menschen oftmals nicht an den Markterfordernissen orientiert.

Schon jetzt können viele Unternehmen Aufträge nicht mehr annehmen oder müssen die Erledigung verschieben, weil das Potenzial an jungen, gut ausgebildeten Fachkräften fehlt. Und längst sind es nicht nur die internationalen Großunternehmen, die in Billiglohnländern von Rumänien bis Indien programmieren lassen. Auch viele heimische Mittelbetriebe lagern ihre Programmierarbeit zunehmend aus.

Als Folge ist der Fachkräftemangel daher kein auf die Branche beschränktes Problem, sondern ein gesamtwirtschaftliches. Wir brauchen eine nationale Kraftanstrengung, um dieses Problem möglichst schnell in den Griff zu bekommen.

Eine aktuelle Studie der Economist Intelligence Unit (EIU) zeigt deutlich auf, welche Nachteile Schwächen bei der Ausbildung von Fachkräften und der IT-Infrastruktur für Österreich haben. Es ist daher auch nicht verwunderlich, dass in der Rangliste ihrer Attraktivität für die IT-Industrie Österreich im weltweiten Vergleich nur auf Platz 18 liegt.

Die Bedingungen für die IT-Industrie sind europaweit vor allem in Skandinavien, Großbritannien (Platz 3), den Niederlanden (Platz 10) und der Schweiz (Platz 11) weit günstiger. Weltweit führt im Übrigen die USA die Liste an, gefolgt von Taiwan. Schwächen im wirtschaftlichen und rechtlichen Umfeld, der Infrastruktur und bei Innovationen hemmen das Wachstum der IT-Branche beispielsweise in Indien, China und Russland, die auf den Rängen 48 bis 50 liegen.

Die EIU basiert ihre Analyse auf einer Bewertung der Faktoren Forschungs- und Entwicklungsgemeinschaft, IT-Infrastruktur, Rechtssystem, gesamtwirtschaftliches Umfeld, Bildung und das Angebot an qualifizierten Fachkräften sowie die staatliche Unterstützung für die IT-Branche.

Auffällig ist dabei, dass Österreich im internationalen Vergleich vor allem beim Angebot von Fachkräften zurück liegt: hier reichte es nicht einmal für einen Platz unter den ersten 20. Auch im Bereich der IT-Infrastruktur besteht Nachholbedarf. Weit hinter der führenden Schweiz, den USA (Rang 2) und Kanada (Platz 3) liegt Österreich in diesem Ranking nur auf Rang 15.

Der Mangel an IT-Fachkräften wird vor allem in Deutschland deutlich, wo etwa 43.000 offene Stellen in der Wirtschaft zu besetzen sind. Knapp 50 % dieser Arbeitplätze, also rund 18.000 Stellen, setzen spezifisches IKT-Know-how voraus. Mindestens 4.000 offene Positionen, die eine IKT-spezifische Qualifikation erfordern, konnten in den letzten zwölf Monaten nicht besetzt werden. (siehe dazu Standortnachteil Fachkräftemangel: Fakten und Lösungsansätze; BITKOM)

25.000 IKT-Stellen sind in Anwenderbranchen nicht besetzt. Mit 44 % entfällt der Großteil der offenen Stellen in den Anwenderbranchen auf den Handel, gefolgt von Dienstleistungsbetrieben mit 26 % und dem verarbeitenden Gewerbe mit 13 %.

In der IKT-Industrie stehen dabei die Software-Entwickler mit 70 % an der Spitze der gesuchten Fachkräfte. Es folgen mit 37 % IT-Manager und Qualitätsmanager mit 33 %. Deutlich wird: Vor allem Software und Prozess-Know-how werden gesucht. Angesichts der Struktur der deutschen IKT-Wirtschaft und den weltweiten Trends der IKT-Branche ist dies wenig verwunderlich.

Auswirkungen des Fachkräftemangels

DI Wilfried Seyruck ist Geschäftsführer der Programmierfabrik GmbH und Stellvertretender Obmann des Fachverbands UBIT.

Wie schätzen nun die betroffenen Unternehmen die Auswirkungen des Fachkräftemangels ein? Drei Viertel der vom Fachkräftemangel betroffenen Firmen geben an, dass der Fachkräftemangel grundsätzlich die Geschäftsentwicklung ihres Unternehmens behindert, fast die Hälfte sieht im Fachkräftemangel sogar ein großes oder sehr großes Problem für die zukünftige Geschäftsentwicklung.

Kleine und mittelständische Unternehmen sind besonders stark von den Auswirkungen betroffen. Jedes vierte IKT-Unternehmen mit einer in den letzten 12 Monaten nicht besetzbaren IT-Stelle gibt an, dass ein Projekt aufgrund des fehlenden Fachpersonals nicht durchgeführt werden konnte. Das bedeutet hochgerechnet einen Umsatzausfall von über einer Milliarde Euro pro Jahr für die Branche. (So die Ergebnisse der Umfrage von BITKOM; Standortnachteil Fachkräftemangel: Fakten und Lösungsansätze)

Situation in Österreich

In Österreich ist die Struktur ähnlich: 40.000 IT-Unternehmen, 80.000 Unternehmen der Telekom-Branche und 50.000 Anwenderbetriebe. Die Situation ist daher nicht ganz so schlimm wie im deutschen Nachbarland.47 % der heimischen IT-Unternehmen beklagen, dass sie nicht ausreichend Mitarbeiter bekommen. 59 % der österreichischen IT-Unternehmen meinen, dass sich die Situation weiter verschlechtern wird. Laut Computerwelt verschieben 34 % ihre IT-Projekte, 17 % schaffen es mit Überstunden.

Das Potenzial von gut ausgebildeten Mitarbeitern in Österreich ist ausgeschöpft, die jungen Menschen, die zur Berufswahl anstehen, werden in Zukunft immer weniger werden. Dazu kommt verschärfend, dass sich das Berufswahlverhalten nicht an den Markterfordernissen orientiert.

Ein Hauptproblem ist dabei, dass es zu wenig Technik-Absolventen an den österreichischen Universitäten gibt. Hinzu kommt, dass von den 3189 Technik-Absolventen lediglich 16 % Informatiker sind.

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Serie: IKT-Ausbildung

Wer in Österreich eine Ausbildung im Bereich Informations- technologie (IT) oder Telekommunikation (TK) anstrebt, hat die Qual der Wahl. Universität oder doch Fachhoch- schule? Informatik oder Wirtschaftsinformatik? Oder ein spezielles Studium wie z.B. Medizininformatik? MONITOR beleuchtet in einer vierteiligen Serie das Angebot in Österreich.

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Mag. Christoph Weiss

Mag. Christoph Weiss, i2s consulting, Leiter Büro Österreich: Magister und Textil-Fachingenieur. Führungserfahrung als IT-Leiter im Bereich technischer Grosshandel. Mehrfach Linien- verantwortlicher für ERP-Einführungen. Lehrbeauftragter an der Fachhochschule Technikum Wien. Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft für Datenverarbeitung (ADV) ..mehr..

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