Die Regeln selbst werden in der Wenn-Dann-Form beschrieben:
- WENN der Nettopreis = NP und der Mehrwertsteuersatz = MsS ist,
- DANN beträgt die Mehrwertsteuer = NP * MsS.
Der WENN-Teil der Regel wird als Regelprämisse bezeichnet, der DANN-Teil als Konklusion.
In diesem Beispiel handelt es sich um eine strukturelle Regel. Es werden Fakten beschrieben. Strukturelle Regeln sind unbeugsam, man spricht daher auch von "Unumgänglichkeiten".

Mehrwertsteuerberechnung
Bei der Regel
- WENN der Umsatz mehrwertsteuerpflichtig ist,
- DANN muss zum Nettopreis die Mehrwertsteuer addiert werden.
ist der DANN-Teil eine Aktion. Diese Regel ist operativ, da sie direkt den Ablauf des Prozesses regelt. Operative Regeln sind daher beugsam, d. h. sie können übertreten werden.
Operative Regeln gibt es in einer Vielzahl von Bedeutungen. Im Beispiel handelt es sich um eine Pflicht ("muss"). Es können aber auch Zulässigkeiten ("darf") oder Möglichkeiten ("kann") beschrieben werden.
Umsetzung in der SOA

Umsetzung in der SOA
In einer serviceorientierten Architektur (SOA) wird die Trennung von Geschäftsregeln und Prozessen auch in der Architektur sowie in der Realisierung beibehalten. Die Regeln werden als ein Service betrachtet, der bei Bedarf genutzt werden kann. Die Implementierung erfolgt über eine Regelmaschine (Rule Engine), die nur dafür verantwortlich ist, die Regeln auszuwerten. Die Prozesslogik greift auf den Regel-Service zu, d. h. die Regeln werden durch die Prozessmaschine orchestriert. Die Regeln sind damit prozessübergreifend implementiert.
Regeln werden also nur einmal zentral modelliert und implementiert und stehen dann zur Verwendung in verschiedenen Prozessen und Anwendungen zur Verfügung.

Maria Deeg ist Project Manager beim Nürnberger Software- und Beratungshaus MID GmbH
Fazit

Maria Deeg ist Project Manager beim Nürnberger Software- und Beratungshaus MID GmbH
Modelliert man im Rahmen der Geschäftsprozessmodellierung die Geschäftsregel explizit getrennt von der Prozesslogik und zieht diese Trennung in der Implementierung weiter, so werden Änderungen von Geschäftsregeln beherrschbar.
Dies gilt sowohl für die Analyse und Abschätzung bei anstehenden Änderungen als auch für die Umsetzung und den Test von Änderungen.
Im Geschäftsprozessmodell können Prozessänderungen unabhängig von Regeländerungen modelliert werden, was die Komplexität deutlich reduziert. Die Fachabteilung erhält dadurch Planungssicherheit und die Realisierungzeiten werden verkürzt.
Der entscheidende Vorteil ist allerdings, dass das Know-how über die fachlichen Regeln in der Fachabteilung transparent verfügbar wird und damit von ihr gesteuert werden kann. Die Abhängigkeit von einzelnen IT-Experten, die wissen, wo-was-wie zusammenspielt, kann damit aufgelöst werden.



1/2012
8/2011
7/2011


Dr. Eric Scherer ist Geschäftsführer des anbieterunabhängigen Beratungs- und Marktforschungsunternehmens i2s. Er gilt als einer der führenden ERP-Experten und ist Initiator der ERP-Zufriedenheitsstudie. 