SaaS-Angebote im Bereich des Enterprise Resource Planning dagegen waren bislang ebenso dünn gesät, wie auch die Nachfrage gering schien. Viele mittelständische Unternehmen - genauso wie große Konzerne - betrachteten es als Risiko, die Kontrolle über solch eine Kernapplikation wie ERP zumindest teilweise aus der Hand zu geben.
Aus den zögerlichen Anfängen eines Application Service Providing sind allerdings inzwischen - beflügelt auch von den Trends zu Open Source und SOA - ernstzunehmende Software as a Service-Angebote geworden, die ihren Namen verdienen. Selbst die SAP, das ERP-Schwergewicht schlechthin, hat mit ihrem jüngst vorgestellten On-demand-Angebot namens Business ByDesign sehr gezielt den Markt von SaaS-Businesslösungen für den Mittelstand ins Visier genommen. ERP-Mietlösungen sind auf dem Vormarsch und generell schickt sich Europa in Sachen SaaS-Marktwachstum an, zu den USA aufzuschließen.
Saugatuck Technology, IT-Analyst mit Stammsitz in Connecticut, geht davon aus, dass bis zum Ende des Jahres 2008 bereits mehr als 55 % aller Unternehmen in Nordamerika wenigstens eine SaaS-Applikation nutzen werden. In Europa werden es immerhin mehr als 40 % sein. Obwohl im europäischen Markt Aspekte wie Sicherheit und Datenschutz eine traditionell größere Rolle spielen, sollten die jährlichen Wachstumsraten für SaaS-Anbieter in Europa doch bei mehr als 60 bis 70 % liegen - in den USA ist dagegen, auch wegen einer abkühlenden US-Wirtschaft, nur noch mit 35 bis 40 % SaaS-Wachstum pro Jahr zu rechnen. Dennoch ist es realistisch, dass bis 2012 wenigstens 30 % aller neuen Business-Software in Form von SaaS-Modellen beschafft und bereitgestellt werden.
In dem Maß, in dem kleinere und mittelständische Unternehmen, aber auch große internationale Konzerne mit mehr oder minder unabhängigen Tochterunternehmen die Vorteile schlanker SaaS-Lösungen wie Rapid Deployment und niedrige Betriebs- und Administrationskosten als Thema auch für ihre geschäftskritischen Applikationen wahrnehmen, werden sich die arrivierten Softwarehersteller ebenfalls mit SaaS-Angeboten abseits ihrer klassischen On-Premise-Lizenzmodelle engagieren - und zu diesem Zweck auch SaaS-Start-ups übernehmen. Nicht zuletzt diese absehbare Konsolidierung macht es für Venture Capital derzeit sehr attraktiv, in junge SaaS-Anbieter zu investieren.
Der SaaS-Markt beflügelt die Produktphantasie der klassischen Softwarehersteller auf vielfältige Weise. Der Mittelstandsspezialist Kinamu beispielsweise, vor mehr als einem Jahr als Spin-off ehemaliger SAP-Manager entstanden, war mit seinem SaaS-Modell schon am Markt, bevor die SAP ihre eigene On-demand-Lösung Business ByDesign vorstellte. Der Unterschied: Kinamu liefert zum festen Mietpreis Installation, Betrieb, Support und Service für die SAP-ERP-Software.




7/2011
6/2011
5/2011


Mag. Christoph Weiss, i2s consulting, Leiter Büro Österreich: Magister und Textil-Fachingenieur. Führungserfahrung als IT-Leiter im Bereich technischer Grosshandel. Mehrfach Linien- verantwortlicher für ERP-Einführungen. Lehrbeauftragter an der Fachhochschule Technikum Wien. Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft für Datenverarbeitung (ADV) 