Nach einer zweijährigen Unterbrechung liegen sie nun endlich vor: Die Ergebnisse der "Anwenderzufriedenheitsstudie ERP-Business Software Österreich 2008". Viele haben diesen Ergebnissen schon entgegen gefiebert. Die Teilnehmerzahl von Anwendern sowie von bewerteten ERP-Systemen ist dieses Jahr wiederum gewachsen. Erneut haben sich viele Unternehmen an der Studie in Österreich beteiligt und dabei 714 ERP-Installationen bewertet. Dabei sei vorab erwähnt, dass diese Art von Studie nicht für große Schlagzeilen geeignet ist. Der Wert der Antworten und der daraus resultierenden Erkenntnisse liegt im Detail. Dabei können sowohl Anwender als auch Anbieter sehr viel lernen.
Ergebnisse sind stabil auf durchschnittlichem Level
Beim Vergleich des Aspektes "Zufriedenheit mit dem System" ergibt sich ein Mittelwert von 4.24 in der aktuellen Studie im Vergleich zu 4.13 im Jahr 2006. Dies zeigt deutlich, dass es nur wenig wahrnehmbare Verbesserungen gegeben hat (+0.11). Dasselbe gilt für den Mittelwert der Zufriedenheit mit dem Implementierungspartner: auch hier zeigt sich eine kleine Verbesserung um +0.16 zwischen dem aktuellen Mittelwert (4.15) und dem Vergleichswert von 2006 (3.99).
Daraus wird ersichtlich, dass der ERP-Markt insgesamt im Durchschnitt ein "gut" erhält, und damit nicht unbedingt viel besser aber auch nicht schlechter eingeschätzt wird. Dennoch wäre ein "sehr gut" bzw. Spitzenklasse für ein österreichisches Unternehmen im D/A/CH-Raum mehr als erstrebenswert. Die ERP-Anbieter haben in den letzten zwei Jahren die Zeit nur wenig genutzt, um ihre Dienstleistungsqualität zu verbessern. Abgesehen von einigen Ausnahmen haben die Anbieter anscheinend mehr Geld für Marketing und Investitionen in die Technik investiert und damit der Anwenderzufriedenheit nicht unbedingt geholfen. Kaum ein Anbieter hat sich wirklich den Spiegel vorgehalten und die Zufriedenheit der Anwender von Grund auf analysiert.
Interessant ist, dass sich bei den diesjährigen Ergebnissen eine Zwei-Teilung an der Schnittstelle der Gesamtmittelwerte zwischen der Zufriedenheit mit dem System und dem Betriebspartner ergibt. Dabei gruppieren sich vor allem die kleineren Anbieter über dem Mittelwert, wohingegen sich die meisten großen Anbieter mit einigen weiteren kleineren Anbietern unterhalb des Durchschnittswertes befinden. Kein Anbieter ist sehr nahe am Schnittpunkt. Vielmehr ist bemerkenswert, dass die Systeme sich im Vergleich zu 2006 in beide Richtungen vom Mittelwert entfernt haben und die Zufriedenheitswerte weiter auseinander gehen.
Die Ergebnisse aus den Vorjahren in Österreich wie auch in der Schweiz und Deutschland zeigen wiederum im Punkt Anwenderzufriedenheit, dass die so genannten "kleinen Anbieter" als besser wahrgenommen werden als die Großen. Der Hauptgrund ist bereits bekannt: Die Kundennähe ist bei kleinen Anbietern viel größer und intensiver als bei den großen Global Playern, bei denen man als kleines KMU-Unternehmen mit 30-50 Usern als "kleiner Fisch" gehandelt wird.
International bzw. global agierende ERP-Anbieter wie Infor, Lawson oder Sage Bäurer werden zwar in Bezug auf die Systemzufriedenheit besser bewertet als auf deren Betreuung. Im Vergleich dazu können Microsoft (mit ihren zwei Produkten) und SAP ähnlich gute Werte in Bezug auf das System und deren Betreuung aufweisen, was darauf schließen lässt, dass diesen Herstellern und ihren Partnern die Betreuung nicht egal ist.





1/2012
8/2011
7/2011


Mag. Carl-Markus Piswanger, MAS ist freier Journalist, Projektberater und hauptberuflich IT-Architekt. Er ist ausgebildeter Versicherungskaufmann, studierter Historiker und postgradualer E-Government-Experte. Er war beim ISP Netway, der Österreichischen Post und der Seibersdorf Research beschäftigt und seit 2004 als IT-Architekt im Bundesrechenzentrum. Der Wiener ist glücklich nicht verheiratet und hat einen Sohn. 