Die österreichische Niederlassung von Siemens IT Solutions and Services entstand Anfang 2007 aus der Zusammenlegung der beiden heimischen Siemens-Unternehmenseinheiten Siemens Business Services (SBS) und der Programm- und Systementwicklung (PSE). Doch das große Plus ist die globale Rolle des Konzerns: Der weltweit agierende IT-Bereich von Siemens agiert übergreifend für alle drei Siemens-Sektoren Industry, Energy und Healthcare sowie mit einem eigenen Fokus auf Telcos, Medien, Retail, Finance und Public und beschäftigt über 43.000 Mitarbeiter. Der IT Bereich von Siemens wurde in acht sogenannte "Verticals" (Geschäftsgebiete) eingeteilt, die durch Branchenexperten individuelle Lösungen für folgende Sektoren bieten: Service Industries, Public, Telco/Media, Manufacturing Industries, Transportation/Airport, Healthcare sowie Utilities.
Siemens IT Solutions and Services bietet in vier Delivery Units IT-Dienstleistungen aus einer Hand. Bei Professional Services gibt es Know-how zu allen klingenden Software-Namen, egal ob Microsoft, SAP, Oracle - von der Standard-Lösung bis hin zum proprietären Entwicklungsthema. Bei Global Infrastructure Operations geht es um den Betrieb dieser Lösungen und das komplette Outsourcing-Geschäft. Als drittes gibt es den Bereich Software Practice, bekannt als PSE. "In Österreich haben wir es sehr gut, so können wir etwa auf ein Pool von 3.000 Entwicklern zugreifen", berichtet Gerhard Schuster stolz. "Und viertens bieten wir unseren Kunden aus der Abteilung Sys Lösungen im Systemintegrationsbereich, wo wir im Prinzip von HP, Sun, Fujitsu Siemens, IBM zukaufen und veredeln", erklärt Schuster. "Wir gelten im Haus als Unternehmer, das heißt, wir haben die profit and loss Verantwortung, und können aus diesen Units je nach Bedarf zugreifen", fügt Schuster hinzu. Durch diese Struktur sind die Verticals "schlank" organisiert. In Telco/Media und Transportation/Airport sind insgesamt nur 20 Vertriebsmitarbeiter beschäftigt.
CEE Headquarter Wien

„Wir haben mehr als 1.000 Media-Spezialisten und über 400 Telecom Consultants weltweit.“ - Gerhard Schuster, Leiter der Geschäftsfelder Telco/Media und Transportation/Airport bei Siemens IT Solutions and Services
"Das Schöne daran ist: Einige unserer Kunden haben auch in Österreich das Headquarter, und wir können recht nett gemeinsam mit ihnen in den CEE Raum gehen", sieht Schuster eine strategisch-wichtige Position Wiens im Ost-Geschäft. "Außerdem haben wir in vielen Ost-Ländern Ressourcen, wie etwa ein CRM-Competence Center in Kroatien oder ein Data-Center in Rumänien - damit können wir sehr kostengünstig unsere Dienstleistungen anbieten", verrät Schuster. Im Telco Bereich wird etwa gerade ein Outsourcing-Projekt realisiert, wo die Entwicklung in Kroatien stattfindet, und nur die Projektmanager in Wien sitzen.
Gemeinsamkeiten und Unterschiede
Das Headquarter für Transportation/Airport ist in Indien, im Telco/Media-Bereich ist es zwischen München und Wien aufgeteilt. Durch die Verantwortung für den gesamten Cluster CEE kann Siemens Österreich auch sehr rasch und unkompliziert ihren Kunden Low-cost-Ressourcen aus CEE zur Verfügung stellen. Im Telco-Bereich wird weltweit übrigens sehr viel für Nokia Siemens Networks entwickelt, sowohl im Fixed als auch im Mobile-Bereich. Daniel Felicio, dem weltweiten Leiter des Telco/Media-Bereichs ist es in den letzten Jahren gelungen, den Bereich geschickt und kontinuierlich Stück für Stück auszubauen
Zwei Verticals zu leiten und zu überblicken sei zwar keine leichte Aufgabe, aber "es ist vom Prozess gar nicht so unähnlich: In beiden Fällen wird transportiert, das sind eben einmal reale Pakete und Container und im anderen Fall Datenpakete", erklärt Gerhard Schuster. Jeder wolle am liebsten nur eine Rechnung haben und die Gewähr, dass seine Sendung sicher ankommt. Trotzdem gäbe es natürlich auch große Unterschiede, die aber wiederum für Synergien sorgen würden. "Der Telco-Bereich kennt CRM von der ersten Stunde an, in manchen Transportunternehmen ist CRM noch nicht so verstanden wie im Telekom-Bereich", weiß der WU-Absolvent. In Osteuropa sind die Unterschiede noch krasser. Da gibt es im Telekom-Bereich eine sehr gute Durchdringung und Ausstattung mit Hochtechnologie, im Transportation-Bereich ist das Gegenteil der Fall: "Da sind die manchmal froh, dass die Schiene halbwegs grade läuft und die Waggons 40 und nicht 60 Jahre alt sind", beschreibt Schuster den Status Quo recht anschaulich. In beiden Bereichen findet im Osten jetzt auch Liberalisierung statt.
NGOSS an erster Stelle
Bei den Telcos gibt es im Moment vier wichtige Themen, etwa wie sie ihr Netz in Zukunft möglichst gut und kostengünstig betreiben, aber auch Security, die Unterstützung bei den Prozessen des Kunden und natürlich Umsatzsteigerung. "An erster Stelle steht das NGOSS-Thema", meint Schuster. NGOSS steht für New Generation Operations Systems and Software, in diesem Bereich liegt daher auch der Siemens-Schwerpunkt für die Telco-Anbieter.
"Wir haben mehr als 1.000 Media-Spezialisten und über 400 Telecom Consultants weltweit", unterstreicht Schuster und ist auch stolz darauf, dass in über 30 Ländern mehr als 140 große Telcos zu den Kunden von Siemens IT Solutions and Services zählen. In Österreich sind mobilkom und T-mobile die größten Kunden, wo wichtige Prozesse mittels EAI in der IT-Landschaft neu abgebildet wurden. Weiters wurde für One/Orange vor etwa fünf Jahren der SAP-Betrieb outgesourct. Mittlerweile wird die gesamte IT-Infrastruktur im Zuge eines "Full-Outsourcing" von Siemens abgewickelt. Auch für Hutchison/3hat der größte österreichische IT-Dienstleister bereits einige IT-Projekte durchgeführt. Bei der Integration der zahlreichen Anwendungen sowie der Implementierung neuer Lösungen vertraute das Team von "3" gerne auf Siemens Know-how.
Telco-Lösungen von Siemens
Einer unserer Kernbereiche ist das Telekom Management Framework. "Wir helfen dabei, eine Transformation von einer alten in eine neue geordnete, integrierte und intelligente IT-Landschaft zu erreichen", bringt Schuster präzise auf den Punkt, worum es geht. Im Telco-Bereich wird üblicherweise ein Tibco-Datenbus eingesetzt.
Das zweite riesige Thema im Telco-Bereich ist Assured Customer Experience (ACE). Ein Beispiel: Wenn man unterwegs einen Video Stream herunterlädt und die Verbindung bricht ab, ist man nicht nur verärgert, man muss im Call Center anrufen und bekommt evtl. auch noch die Kosten voll verrechnet. Die Idee dabei: Ein intelligentes vorausschauendes System, das z. B. bereits dem Call Center Agent beim Anruf des verärgerten Kunden die Info gibt, dass der Stream unterbrochen/fehlerhaft war und daher auch nicht im System verrechnet wird.
In anderen Worten bedeutet ACE: Wie kann ein Telekom-Unternehmen seinen Kunden eine garantierte, hohe Qualität bieten - und zwar auch dann, wenn Fehler passieren. Es geht dabei auch z. B. um Bedienfehler von Kunden, wobei das Netz registriert, welche Fehler passiert sind. Mit ACE können das CRM verbessert und die Kosten damit reduziert werden. "Dieser Bereich wird stark kommen, denn über den Preis können sich die Telcos kaum mehr differenzieren. Das heißt, es geht darum sich über die Qualität in der Kundenbetreuung klar zu positionieren", ist Schuster überzeugt. Das ACE-Portfolio ist vor allem auf alle neuen IP-basierten Services wie etwa IP-TV, Streaming oder VoIP fokussiert. Der Nutzen für den Carrier liegt in der Erhöhung der Qualität und somit in einer Reduktion der Churn-Rate aufgrund schlechter Kunden-Erfahrungen mit den neuen Diensten und andererseits in einer höheren Akzeptanz der neuen IP-basierten Angebote.
Aktivierungsprozess im Visier
Ein anderer spannender Bereich ist Inventory Management. "Ob SAP, Site Management oder Netzplanung - wir haben die Erfahrung, dass man bei einigen großen Telcos mit Standardprodukten eine sehr nützliche Darstellung der technischen Landschaft machen kann, und der Kunde sich damit sehr viel ersparen kann", erklärt Schuster. Ein neuer Bereich ist "Managed Activation Services", hier geht es um die Reduktion des Aufwandes der Telco-Anbieter beim Aktivierungsprozess der Endkunden. "Wir bieten dazu eine Plattform an, die ursprünglich für die i-phone-Aktivierung entwickelt wurde", sagt Schuster. Das bedeutet, der ganze An- und Abschalteprozess kann künftig ausgelagert werden.
"Im Medien-Bereich ist der größte Erfolg sicher das Outsourcing-Geschäft für die BBC, wo wir neben der IT-Landschaft auch viel des Business-Processing übernommen haben", schwärmt Schuster von ausländischen Projekten. "In Österreich können wir von solchen Größenordnungen leider nur träumen", gesteht der ambitionierte Manager.
Zufrieden ist Schuster mit der Entwicklung im Transportation Bereich. Größter Kunde ist die ÖBB, die ihr neues Vertriebs- und Abrechnungssystem für den Güterverkehr von Siemens IT Solutions and Services entwickeln ließ. "Ein System, für das wir auch international viel Anerkennung erhalten haben und für das sich mittlerweile andere Bahngesellschaften interessieren", freut sich Schuster.




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Dr. Christine Wahlmüller-Schiller ist freie Autorin und Kommunikationsberaterin, spezialisiert auf die IT- und Telekom-Branche. 