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Strategien

Porträt: Klaus Hieronymi, HP EMEA

"Ich bin Greenpeace bei HP"

Klaus Hieronymi ist mit fast drei Jahrzehnten im Unternehmen ein HP-Urgestein. 1998 wurde der Diplombiologe als Umweltsprecher in den EMEA-Vorstand des Konzerns berufen. Seither leistet er unermüdlich Überzeugungsarbeit in den eigenen Management-Reihen.

„Wenn ich Umweltschutz auf einer soliden wirtschaftlichen Basis aufbaue, ist das viel nachhaltiger.“ Klaus Hieronymi HP EMEA

"Ich bin Greenpeace im Unternehmen", beschreibt Hieronymi seine Tätigkeit. Anecken ist da integraler Bestandteil des Jobprofils. Denn wie er zugibt ist es nicht immer leicht, seinen Vorstandskollegen den Umwelt- und Klimaschutz schmackhaft zu machen. "Ich habe mit dem Gesetz gedroht, auch unser jahrzehntelanges Bekenntnis zur "Global Citizenship" in Erinnerung gerufen, aber den größten Erfolg erziele ich, wenn ich auf die neuen Geschäftschancen hinweise, die uns Green IT eröffnet. Dollar und Cent - das ist die Sprache, die das Management versteht."

Ein großer börsenotierter Konzern ist zuallererst seinen Aktionären verantwortlich. Und die interessieren sich unterm Strich vor allem für Kurs und Rendite. "Shareholder Value" aus Umweltaktivitäten - ist das überhaupt möglich? "Ja", ist Hieronymi überzeugt, "indem wir Umweltfragen berücksichtigen, haben wir einen Wettbewerbsvorteil in jenen Ländern, in denen es strenge gesetzliche Vorschriften gibt. Zudem spielen Umweltfaktoren in den Ausschreibungen der Firmen eine immer größere Rolle. Der Druck von Kundenseite wird größer. Und nicht zuletzt generieren unsere Aktivitäten ein positives Markenimage."

HP betreibe kein "Greenwash", betont Hieronymi. Soll heißen, Green IT spielt sich beim derzeit größten IT-Konzern nicht nur in den Marketing-Abteilungen ab. Aber gegen das Geldverdienen hat Hieronymi nichts einzuwenden. "Profit durch Green IT- na und? Wenn ich Umweltschutz auf einer soliden wirtschaftlichen Basis aufbaue, ist das viel nachhaltiger. Geht es einem Unternehmen schlecht, wird beim Umweltschutz am ehesten gekürzt."

Steigende Nachfrage

HP hat bereits seit Anfang der 90er-Jahre eine Umweltabteilung, aber "seit anderthalb Jahren tragen die Kunden selbst das Thema Green IT massiv an uns heran", erzählt Hieronymi. Ein komplexes Thema, das viele Facetten habe, aber letztendlich gehe es um ein großes Grundproblem. "Es gibt einen Klimawandel, und der Mensch hat einen erheblichen Anteil daran. Die umstrittene Frage ist, wie schnell wird er voranschreiten. Verschärfend kommen die Bevölkerungsexplosion und die Knappheit der Energierohstoffe hinzu."

Diesem globalen Problem will Hieronymi bei HP eine ganzheitliche Strategie entgegensetzen, die den gesamten Produktlebenszyklus vom Design über Fertigung, Transport, Nutzung durch den Kunden bis zum Recycling umfasst. Ausgangspunkt ist die eigene Umweltperformance in Produktion, Distribution und Vertrieb. Dabei geht es vor allem auch um die Steigerung der Energieeffizienz bei Produktion und operativen Aktivitäten.

Der hauseigene Energieverbrauch soll bis 2010 durch Konsolidierungsmaßnahmen um 25% gesenkt werden. Die Konsolidierung von 85 Rechenzentren auf sechs Standorte brachte laut HP-Angaben bereits Einsparungen im dreistelligen Millionenbereich. Durch Gebäudekonsolidierung und mobile Arbeitsplatzkonzepte konnten die Büroflächen um 6% reduziert werden. Auch unnötig lange Transportwege und -zeiten sollen vermieden werden, da diese nicht nur das Klima belasten, sondern auch immense Kapitalkosten verursachen. Und als Bonus ermöglichen kürzere Transportzeiten auch eine schnellere Reaktion auf Marktveränderungen.

Grüne Lieferkette

Von den eigenen Aktivitäten ausgehend will der Konzern seine internen Richtlinien auch bei den Partnern entlang der gesamten Lieferkette durchsetzen. HP habe 2002 als erstes IT-Unternehmen einen Verhaltenscodex zur sozialen und ökologischen Verantwortung für Zulieferer veröffentlicht, der in weiterer Folge auch als Basis für den Electric Industry Code of Conduct (EICC) dient, betont Hieronymi. Und 2008 habe man - wieder als Erster in der Branche - die Namen der wichtigsten Zulieferer veröffentlicht.

Nicht zuletzt sollen auch beim Kunden immer mehr umweltfreundliche Produkte, Lösungen und Services ankommen. Am Ende dieser umfassenden Bemühungen soll die Realisierung einer "Low Carbon Economy" stehen. Zum Beispiel will HP mit einer "Green Datacenter"-Strategie den Rechenzentrumsbetreibern aus ihrer Energie-Bredouille helfen. "Die Energiekosten sind oftmals höher als die Anschaffungskosten", weiß Hieronymi. "Dazu kommt, dass die Stromverfügbarkeit in manchen Ballungszentren - etwa in Südlondon - aufgrund der ausgelasteten Netzkapazitäten bereits schmerzliche Wachstumsgrenzen setzt. Der Energieverbrauch pro Quadratmeter in Rechenzentren ist in den letzten acht Jahren um den Faktor 50 gestiegen. Viele verlegen ihre Rechenzentren von London nach Manchester oder gleich in den Norden von Schottland - was sich auf Grund des Klimas auch positiv auf die Kühlkosten auswirkt."

Aber weil nicht jeder in den kühlen Norden ausweichen kann und die Wärmeabfuhr nicht das einzige Problem der Betreiber ist, hat HP ein Set von Technologien und Services erarbeitet, das in Summe das energieoptimierte Rechenzentrum ermöglichen soll. Thermische Analyse, intelligentes Rechenzentrums-Design, energieeffiziente Infrastruktur, Virtualisierung, moderne dynamische Kühlkonzepte und ein energiefokussiertes Workload-Management sind dabei die wesentlichen Konzepte.

Von der Wiege bis zur Bahre

HP-Produkte sollen aber nicht nur beim Betrieb, sondern auch in der Herstellung und am Ende ihres produktiven Lebens umweltfreundlich sein. Ressourceneffizienz sieht Hieronymi deshalb als weiteren Schwerpunkt seiner Arbeit. Negative Umwelteinflüsse sollen durch "Materialreduktion, Materialinnovation, Verpackungsreduktion und Recycling" minimiert werden. "Wir haben Rückgabe- und Recyclingmöglichkeiten für Hardware und Verbrauchsmaterialien nach internationalen Standards geschaffen, die über gesetzliche Verpflichtungen hinausgehen. Kunststoffrecycling ist ab einem Ölpreis von 100 bis 120 Euro auch wirtschaftlich interessant. HP-Verbrauchsmaterialien wie Druckerpatronen enthalten über 70% recyceltes Plastikmaterial. Die Frage dabei ist immer: Wie kriege ich das benötigte Recycling-Material - in unserem Fall immerhin 5000 Tonnen pro Monat - in gleich bleibender Qualität. Wir haben in Cola-Petflaschen eine verlässliche Quelle gefunden."

Das Thema Recycling müsse schon im Produktdesign berücksichtigt werden, betont Hieronymi. Der Biologe hat zum Beispiel herausgefunden, dass HP-Drucker bis zu 32 verschiedene Kunststoffe enthalten. Wahrlich harte Nüsse für Recycler. Technische Gründe konnte ihm dafür aber keiner nennen. Man hatte bisher bei den Materialausschreibungen für die Zulieferer einfach nicht darauf geachtet.

Neue Geschäftschancen

Bei aller gebotenen Selbstkritik der eigenen Branche möchte Hieronymi aber auch den positiven Beitrag, den IT zum globalen Klima- und Umweltschutz leisten kann, herausstreichen. "Ohne IT würden wir gar nicht über Klimawandel reden, weil wir keine fundierten Belege dafür hätten." Laut Gartner gehen 98% der weltweiten CO2-Emissionen auf die Kappe des Kerngeschäfts der Firmen. Hier ortet Hieronymi eine Reihe neuer Geschäftsfelder für HP - Energie-Simulationen für Gebäude, Energieverbrauchsmessung oder Emissionsmonitoring gehören dazu. "In England müssen emissionsstarke Firmen ab 2009 einen verbindlichen Energiereduktionsplan vorlegen."

Weitere Geschäftschancen sieht Hieronymi bei Videoconferencing-Lösungen zur Verringerung der Reiseaktivitäten oder innovativen Druck- und Verteilkonzepten für Marketing-Materialien. "Mit unserem Konzept "Distributed Printing on Demand" lassen sich 30% Materialverschnitt vermeiden. Das hat einen großen Umwelteffekt. Denn beim Drucken spielen Dinge wie der Standby-Verbrauch für die CO2-Bilanz nur eine untergeordnete Rolle. Den Löwenanteil hat der Papierverbrauch, denn die Papierproduktion verschlingt ein Vielfaches mehr Energie als der Druckvorgang selbst." Aus diesem Grund habe man konzernintern alle Drucker zentral auf Doppelseitendruck umgestellt und ein effizientes Dokumentenmanagement eingeführt.

Green IT sei für HP ein chancenreicher Wachstumsmarkt, resümiert Hieronymi, und der wirtschaftliche Vorteil - sowohl für das eigene Unternehmen als auch für die Kunden - der Schlüssel zum Erfolg. "Energieeffizienz verbessert die Kosten- und die Umweltbilanz. Bessere ökonomische Ergebnisse sind auch bessere ökologische Ergebnisse."

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Green IT

Green IT - IKT verursacht laut Gartner zwei Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes und steht damit als Treibhaus-Sünder auf einer Stufe mit dem Flugverkehr. Rechenzentren verbrauchen bis zu 100 Mal mehr Energie als normale Büroflächen. Technologischer Fortschritt und Raumnot bringen eine immer höhere Packungsdichte bei Prozessoren und Speichern. Im Schnitt werden bereits zwei Drittel des Energieverbrauchs allein von der (sehr oft inneffizienten) Kühltechnik gefressen.

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MONITOR-Autoren
Dipl.-Hdl. Ing. Ernst Tiemeyer

bekannt durch zahlreiche Veröffentlichungen, war nach dem Studium der Wirtschafts- wissenschaften, Organisation und Informatik zunächst mehrere Jahre als Gruppen- und Projektleiter an einem Institut für angewandte Informatik beschäftigt. Heute ist er in vielfältiger Form als freiberuflicher Management- und Organisationsberater sowie in der Weiterbildung tätig. Schwerpunktmäßig geht es dabei um die Einführung, Entwicklung und Beratung für den praxisgerechten Computereinsatz. ..mehr..

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