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Wirtschaft

Kommentar von Conrad Gruber

REBOOT 9-2008

Von wegen Wettbewerb: Die vielgepriesene Liberalisierung am heimischen Festnetzmarkt läuft schon seit geraumer Zeit in die umgekehrte Richtung. Jetzt ist Tele2 an der Reihe, geschluckt zu werden.

Der österreichische Festnetz-User wird bald keine große Auswahl mehr haben. Nach dem Aufgehen des Anbieters eTel in der Telekom Austria Ende 2006 - nach einem regulatorisch eher umstrittenen Deal - ist nun die Tochter des schwedischen Telekomkonzerns Tele2 dran. Das Unternehmen steht zum Verkauf, dem Vernehmen nach um 60 Mio. Euro - nur wird es um diesen Preis nicht an den Mann zu bringen sein. Tele2 kämpfte zuletzt mit zunehmenden Kundenschwund; im Halbjahr 2008 sanken sowohl Kunden- als auch Umsatzzahlen erheblich.

Tele2-Chef Robert Hackl beklagte in diesem Zusammenhang zwar die aggressive Markttaktik der Telekom Austria mit ihren ADSL-Anschlüssen, aber dass der Festnetz-Wettbewerb auf längere Sicht in Österreich nicht einfach ist, das müsste ihm schon klar gewesen sein, als er Anfang 2007 den Job übernahm.

Dennoch, für den Endkunden wird die erstarkte Dominanz der Telekom Austria nicht unbedingt die größten Freuden bringen. Denn genau diese Remonopolisierung sollte mit einer funktionierenden Marktregulierung eigentlich verhindert werden. Hier wurden nicht nur in der letzten Zeit Stimmen laut, die die Rolle der Regulierungsbehörde hinterfragen. Leider steht diese grundsätzlich auf dem bequemen Standpunkt, man könne "es nicht jedem Recht machen" und verfährt wie gehabt.

Wenn Tele2 vom Markt verschwunden ist, dann teilt sich die Telekom Austria mit UPC den Großteil des heimischen Festnetz- und Internetmarktes auf. Eine schleichende Preiserhöhung kann nicht ausgeschlossen werden. Alleine UPC/Chello ist mit seinen Internet-Anschlusspreisen in der Vergangenheit spürbar nach oben gegangen, es ist nur eine Frage der Zeit, bis das auch die Telekom macht, wenn die kritische Menge bei den ADSL-Anschlüssen erreicht ist.

Natürlich: Der Wettbewerb regelt den Markt, sagt die Theorie. Ob ein Wettbewerb unter zwei aber schon ausreicht, darf doch wohl bezweifelt werden. Die Frage, welche Rolle die Regulierungsbehörde ihrer eigenen Ansicht nach hierbei noch spielt, darf wohl mit Fug und Recht gestellt werden.

Aber auch die Markteinschätzungsfähigkeit der schwedischen Konzernführung von Tele2 kann man hinterfragen: Eingestiegen um 213 Mio. Euro über den Kauf der UTA im Jahre 2004 ist Tele2 Österreich laut aktueller due diligence noch etwa 40 Mio. Euro wert. Ein teures Abenteuer.

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REBOOT - Kommentar von Conrad Gruber

Kommentar von Conrad Gruber - Die Monatsrückschau auf den österreichischen IT-Markt.

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Dunja Koelwel

Dunja Koelwel ist freie Journalistin in München. Die studierte Juristin arbeitet für Verlage und Agenturen und betreut vor allem die Themen Internet und Business-Software aus einem strategisch- wirtschaftlichen Blickwinkel. ..mehr..

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