Nach der weltweiten Umstellung der Siemens-Unternehmensstruktur, bei der das operative Geschäft in die drei Sektoren Industry, Energy und Healthcare gegliedert wurde, erhielt der Bereich IT Solutions und Services einen übergreifenden Charakter, da er für alle drei Sektoren mit seinen Leistungen zur Verfügung steht", skizziert Süssenbacher die Konzernstruktur.
Der Anfang des Vorjahres formierte Siemens-Bereich IT Solutions und Services erwirtschaftet weltweit mit ca. 43.000 Mitarbeitern rund 5,4 Mrd. EUR Umsatz, etwa 70% davon werden außerhalb des Konzerns erzielt. Schon heute ist mehr als die Hälfte des Siemens-Umsatzes softwaregetrieben, ähnlich ist die Entwicklung bei IT-Services. Der Bereich bietet branchenspezifische IT-Lösungen und Outsourcing und unterstützt andere Konzern-Bereiche mit Software- und IT-Expertise.
CEE-Cluster neu definiert
Stolz ist Süssenbacher auch auf die breite Operationsbasis im CEE-Bereich: "Es ist für uns sehr spannend, die oft rasanten Entwicklungen im CEE-Bereich mit unseren Leistungen begleiten zu dürfen!" Der bislang die Länder Österreich, Slowakei, Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Serbien, Montenegro, Kosovo, Rumänien und Bulgarien umfassende Wirtschaftsraum wurde nämlich als Cluster CEE neu definiert und umfasst nun zusätzlich die Ukraine, Ungarn, Tschechien, Moldawien, Georgien, Armenien und Aserbaidschan. Die Vorstandsvorsitzende von Siemens Österreich, Mag. Brigitte Ederer, hat zusätzlich die Funktion des Cluster-CEO im Wirtschaftsraum Zentral- und Osteuropa (CEE) übernommen. "Wien hat geografisch zur Betreuung dieses Raumes eine ausgezeichnete Lage, auch die geschichtliche Verbundenheit verschafft uns eine gute Ausgangsbasis zum weiteren Ausbau der Beziehungen und Geschäfte", so Süssenbacher.
Um die auch hier geforderten schnellen Antworten auf Kundenanfragen gewährleisten zu können, werde im CEE-Cluster stark investiert: "Wir bauen in den Ländern unsere eigenen Organisationen aus und arbeiten natürlich auch stark mit lokalen Partnern zusammen." Neben der Betreuung des Heimmarktes Österreich - weiterhin mit Abstand der stärkste Umsatzbringer - habe der Ausbau des Geschäfts in den CEE-Cluster-Ländern höchste Priorität. "Ich stehe in ständigem Austausch mit den Verantwortlichen in den Ländern, meine Reisetätigkeit ist dementsprechend intensiv. Das Finden der richtigen Personen für die verschiedenen Führungsaufgaben ist natürlich im CEE-Raum genauso wichtig wie hier in Österreich", weiß der Bussiness Unit Verantwortliche.
Ein wichtiges Erfolgsprinzip für die Betreuung multinationaler Kunden gerade auch in diesem Bereich sei es, parallel zur Kundenstruktur auch eine eigene Betreuungsstruktur im Konzern aufzubauen. "Die Unterschiede in den Ländern sind oft gerade im gesetzlichen Bereich erheblich, sodass wir in allen Ländern einen Ansprechpartner sowohl auf Kundenseite wie auch bei uns festlegen. Hier profitieren wir von unserer breiten Präsenz und können Kunden sehr persönliche und kompetente Betreuung garantieren", unterstreicht Süssenbacher.
Innovation wird gefördert

Siemens Rechenzentrum: Durch die wachsende Komplexität der IT-Systeme steigt der Bedarf für die Auslagerung von IT-Prozessen
Unterstützt wird dieses Vorhaben durch die Neuausrichtung der Innovationen bei Siemens Österreich. Waren diese bisher sehr stark auf den Telekom-Sektor konzentriert, so sollen in Hinkunft in allen Geschäftsbereichen Innovationsprojekte initiiert und realisiert werden. Von den IT-Services über den Energiesektor und den Industrie- und Verkehrsbereich bis zu den Medical Solutions. Die F&E Ausgaben von Siemens CEE sollen mittelfristig auf dem hohen Niveau gehalten werden, also sich in einer Größenordnung von zumindest 750 Mio. Euro bewegen. In den nächsten fünf Jahren strebt Siemens Österreich zumindest bei drei zusätzlichen Themen Headquarters-Kompetenz in CEE an. Bisher wurden Kompetenzzentren für Biometrie und für die Entwicklung satellitengestützter Mautsysteme in Österreich eingerichtet.
Kompetenz für SAP
Eine wichtige Innovation soll sich in Zukunft auch aus der Verbindung von ERP-Systemen mit den Fabrik-Steuerungs-Systemen ergeben: "Mit dem Ziele der intelligenten Fabrik vor Augen arbeiten wir intensiv an einer Verbindung von ERP-Systemen mit den Systemen in der Fertigung. Wenn man schon von Business Intelligence spricht, so wäre es natürlich ideal, nicht nur Daten aus den betriebswirtschaftlichen Systemen aufbereiten zu können, sondern gleichzeitig auch die Daten aus der Produktion", blickt Süssenbacher in die Zukunft. Neben dem für Siemens ja schon traditionellen Wissen über die Produktion (auch aus den ca. 450 eigenen Produktionsstätten weltweit) habe man sich in den letzten Jahren dafür verstärkt Know-how im Bereich SAP angeeignet. "SAP ist heute eine Kernkompetenz von uns, die wir gezielt weiter ausbauen wollen!"
Kürzlich wurde etwa gemeinsam mit Fujitsu Siemens Computers für das Bundesrechenzentrum (BRZ) im Projekt "SAP Infra 2010" eine neue SAP IT-Infrastruktur umgesetzt. Projektbestandteil war neben der Konfiguration, Dimensionierung und Lieferung einer passenden IT-Infrastruktur in voll integriertem und betriebsbereitem Zustand auf Hardware- und Systemsoftwareebene auch die Migration der SAP-Anwendersysteme. "Um das Wissen aus den Systemen einer breiteren Nutzerschicht zugänglich machen zu können, ist die Einfachheit der Benutzerschnittstelle besonders wichtig. Darüber hinaus muss der Zugriff auf Daten auch mobil möglich sein, da Manager heute viel unterwegs sind", weiß Süssenbacher. Selbst eigene Anwendungspakete für den Kauf/Verkauf von Unternehmen und die damit verbundene Vernetzung von ERP-Systemen wurden entwickelt: "Wir wissen auch aus eigener Erfahrung, wie schwierig die Zusammenführung bzw. Entkoppelung verschiedener IT-Systeme sein kann!"
Outsorcing von IT-Leistungen
Beim Outsourcing von IT-Leistungen sei man laut Süssenbacher Nr. 1 in Österreich: "Wir verfügen in Österreich über drei Rechenzentren sowie mehrere IT-Betriebsstätten und bauen derzeit etwa in Temesvar für den Nearshoring-Ansatz ein Rechenzentrum auf." Hier können Kunden ganze IT-Systeme auslagern, aber auch nur bestimmte Dienstleistungen (Outtasking) in Anspruch nehmen. "Lässt etwa jemand sein SAP-System bei uns laufen, so braucht er sich um die Release-Wechsel oder Wartungsfenster nicht mehr zu kümmern und kann in Ruhe mit dem System arbeiten." Oft werde dann auch ein "1st level support" eingerichtet, der wiederum für den eigenen KVP-Prozess (kontinuierlicher Verbesserungs-Prozess) genutzt werde: "Wir führen jährlich in einer Stichprobe der Nutzer eine spezielle Abfrage durch, die uns hilft, unsere Dienstleistungen laufend zu verbessern und an die sich ändernden Wünsche der Nutzer anzupassen", erklärt der Business Unit Leiter.
Auch in den CEE-Ländern sehe man durch die wachsende Komplexität der IT-Systeme vermehrten Bedarf für die Auslagerung von IT-Prozessen: "Während dieses Geschäft in Österreich bereits recht gut entwickelt ist, beginnt es in den CEE-Ländern langsam zu wachsen. Für die Zukunft ist hier natürlich einiges zu erwarten." Grundsätzlich gehe es in diesem Bereich um Effizienz und Qualität, gekoppelt mit einem marktkonformen Preis. "Wenn die Partnerschaft passt, dann ist eine langfristige Zusammenarbeit möglich und sinnvoll. Wichtig ist dafür die Offenheit für neue gemeinsame Wege, denn die hier entstehenden Beziehungen gehen weit über die klassische Kunden-Lieferanten-Beziehung hinaus", analysiert Süssenbacher.
- Erstens entwickelt sich das bestehende Outsourcing- und IT-Lösungsgeschäft mit externen Kunden weiter, das insgesamt rund 70% des Bereichs-umsatzes ausmacht.
- Der IT-Bereich von Siemens ergänzt die Angebotspalette der anderen Konzern-Bereiche mit spezifischem IT-Know-how: Durch die Zusammenführung von Branchen-, Software-, und IT-Lösungs-expertise entstehen aus einer Hand neue Lösungen, mit denen die Siemens-Produkte und -systeme besser in die Geschäftsprozesse und IT-Landschaften der Kunden integriert werden können.
- Siemens IT Solutions and Services kümmert sich drittens um den weltweiten Betrieb der Siemens-IT und entwickelt viertens Software für die Produkte und Systeme anderer Siemens-Bereiche.
Der Bereich besitzt gute Voraussetzungen: Kein anderer IT-Provider ist so eng mit einem globalen Industriekonzern verbunden, profitiert von dessen Kundenzugang und dem exzellenten Branchen-Know-how seiner Bereiche.
Er besitzt eine gute internationale Aufstellung und verfügt durch die Integration der PSE-Standorte in Osteuropa und Asien und der SISL in Indien über eine signifikante Präsenz an Standorten mit niedrigerem Lohnniveau.




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Dr. Eric Scherer ist Geschäftsführer des anbieterunabhängigen Beratungs- und Marktforschungsunternehmens i2s. Er gilt als einer der führenden ERP-Experten und ist Initiator der ERP-Zufriedenheitsstudie. 