Der IKT-Sektor ist für 2% der Treibhausgase verantwortlich. Diese Schätzung des Technologieberaters Gartner ist hinlänglich bekannt, sie ist seit Jahr und Tag der Standard-Einstieg in mittlerweile unzähligen publizistischen Ergüssen zum Thema Green IT. Danach folgt in der Regel die Erörterung von Strategien, Technologien und - im Fall von Marketingtexten - Produkten und Services, die den IKT-Anteil am Klima-Desaster zu verringern versprechen.
Die Branche hat sich des Themas angenommen - das ist die gute Nachricht. Die schlechte lautet: Es wird nichts bringen! Zumindest nicht im Kampf gegen die Erderwärmung. Eine aktuelle Studie des Consulters McKinsey sagt, dass sich der IKT-verursachte CO2-Ausstoß bis 2020 verdoppeln wird. Schon jetzt gibt es weltweit eine Milliarde PCs. 2014 werden es zwei Milliarden sein. Die rasante Wirtschaftsentwicklung in den Schwellenländern bringt eine explosionsartige Steigerung bei der Nutzung von Computern, Internet und Mobilfunknetzen mit sich. Verbesserungen in der Energieeffizienz der Infrastruktur werden dadurch zunichte gemacht. In Sachen Klimabilanz ist Green IT also im günstigsten Fall ein Nullsummenspiel.
Ein Tropfen auf dem heißen Planteten
Aber selbst wenn die CO2-freie IT erfunden würde, brächte das eben nur die ominösen Gartner'schen 2% - einen Bruchteil dessen, was für eine Trendumkehr beim Klimawandel nötig ist. Wesentlich sinnvoller wäre es, wenn sich die Branche in viel stärkerem Maße als bisher der restlichen 98% annähme und ihr Innovationspotenzial im Sinne einer grünen Gesamtökonomie einsetzt. Die McKinsey-Studie hat dieses Potenzial nun erstmals in Bezug auf die CO2-Bilanz quantifiziert. Demnach könnten konsequent eingesetzte, "smarte" IKT-Technologien in den Bereichen Motoren- und Automationstechnik, Logistik, Gebäudetechnik und effiziente Energienetze den weltweiten CO2-Ausstoß bis 2020 um 15 % senken.
Um diese "Saubere Grüne Industrielle Revolution" (Copyright Steve Howe, CEO der Climate Group) durchzusetzen, ist zu allererst die Politik gefordert. Dass es keine Autos mehr ohne Katalysator gibt, ist schließlich auch einem Gesetz und nicht den Herstellern zu verdanken. IKT-Kommissarin Viviane Reding hat noch für dieses Jahr ein EU-Maßnahmenpaket zur Förderung des IKT-Einsatzes im Kampf gegen den Klimawandel angekündigt. Ob es schon der große Wurf ist, wird man sich anschauen müssen.





1/2012
8/2011
7/2011


Alexandra Riegler arbeitet als freie Journalistin in den USA. Zu ihren Spezialgebieten zählen die Themen Technologie und Forschung. 