IT an der Berufsschule
Konträr zum allgemeinen Lehrstellenmarkt hat sich die Sparte IT in den letzten Jahren starken Zulaufs erfreut. Einerseits ist das Interesse für eine IT-Lehrstelle sehr hoch, denn "Computer gehören für viele junge Leute zum Leben dazu, da ist das Image im Moment sehr gut", weiß Fritz Hainz, zuständiger Berufsschulinspektor für die Berufsschule für IT in Wien (www.bsit.at 1060 Wien, Mollardgasse und 1070 Wien, Apollogasse). Andererseits werden bei allen großen Unternehmen wie etwa ÖBB, Wiener Stadtwerke, Telekom Austria oder Siemens immer mehr IT-Fachkräfte benötigt. Die gute Konjunktur hat weiter dazu beigetragen, dass die IT-Lehrlingsausbildung in Wien so stark angezogen hat. Ihre Zahl ist in den letzten Jahren kontinuierlich angestiegen: Im vergangenen Schuljahr 2007/08 besuchten bereits 1.200 Lehrlinge die Wiener IT-Berufsschule. Diese Zahl hat sich erst in den letzten Jahren von 600 auf jetzt 1.200 Teenager verdoppelt.
"Die Tendenz ist noch steigend, daher haben wir jetzt im Moment einen zweiten Standort in der Apollogasse eingerichtet", sagt Hainz. Derzeit sind rund 50 Lehrer für die Ausbildung der Wiener IT-Lehrlinge verantwortlich. "Wir würden uns wünschen, dass es mit dem Sponsoring noch etwas besser klappt, eine bessere Ausstattung mit Hard- und Software würde viel helfen", klagt der Berufsschulinspektor. Er spart auch nicht mit Kritik an den Lehrlingen. "Es ist keine leichte Aufgabe die Jugendlichen zu unterrichten, da hapert es schon vielfach an Motivation und Sozialverhalten". Andere Lehrlinge machen begeistert bei Projekten mit, wie z.B. Lehrlinge der Telekom Austria, die im Zuge von "Seniorkom" älteren Menschen, die an die Schule kommen, EDV- und Internet-Anwenderkenntnisse vermitteln.
TA baut auf Lehrlinge

„Wir hätten wirklich gerne mehr Mädchen, aber leider bewerben sich einfach zu wenige.“ - Walter Krippl, Leiter Lehrlingsausbildung Siemens Österreich (Bild: Siemens)
Die angehenden Kommunikationstechniker etwa erhalten nach dem ersten "Basis-Jahr" ein intensives "Training on the Job" - keine Rede von Wurstsemmeln-Holen oder pausenlosen "Hilfsarbeiter"-Einsätzen. Dann ist Spezialisierung angesagt - nach eigenem Interesse und Know-how. Wichtiger Bestandteil der Ausbildung ist ein internationales Austauschprogramm mit Telekommunikationsunternehmen. Nach dem erfolgreichen Abschluss ihrer Ausbildung (Lehrabschlussprüfung) werden alle TA-Lehrlinge in die Unternehmensfachbereiche übernommen.
Zusätzlich zur Ausbildung zum Kommunikationstechniker bietet die TA 2008 erstmals auch eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann mit Schwerpunkt Telekommunikation an. Der neue Lehrberuf fokussiert eine Laufbahn im Vertrieb, die Lehrlinge werden auch in den TA-Shops eingesetzt. Thematische Schwerpunkte im Bereich Einkauf und Logistik und im Bereich Rechnungswesen stehen.
Um das Lehrlingsimage etwas aufzupolieren, um die jungen Leute auch für ihren Erfolg zu belohnen und um schließlich eine IKT-Ausbildungsplattform zu schaffen, lud die TA im Februar die Wiener IT-Berufsschule ein, ihren 250 Absolventen ihre Diplome und Abschlusszeugnisse bei der TA zu überreichen. Ein Sponsor für die "Lehrlingsgala" 2009 wurde bereits gefunden: Die IKT-Absolventen des Jahres 2009 dürfen bei der ÖBB ihren Abschluss feiern.
Auch andere Unternehmen setzen auf IT in der Lehrlingsausbildung. So werden bei Niedermeyer etwa EDV-Kaufleute ausgebildet. Auch T-Mobile setzt für die Shop-Betreuung auf den Schwerpunkt "Telekommunikation" in der Lehre zum Einzelhandelskaufmann. Anfang August starteten fünf Lehrlinge ihre Ausbildung in T-Mobile-Shops in Kärnten.
Beliebte IT-HTLs
Die Zahl der HTL-Schüler in Österreich im IKT-Bereich übersteigt bei weitem die Zahl ihrer KollegInnen, die sich für eine IKT-Lehre entscheiden: Rund 11.500 SchülerInnen besuchten im Schuljahr 2006/07 österreichweit die 44 HTLs, die in irgendeiner Form eine IT-Ausbildung anbieten. (Alle Zahlen laut Bildungsstatistik des BMUKK, Schuljahr 2006/07.) Der Frauenanteil ist erschreckend niedrig: Er lag bei mageren 8,5 Prozent (979) - und das trotz aller Initativen, die Frauen eine Ausbildung im technischen oder IT-Bereich schmackhaft machen wollen. Etwa ein Viertel aller SchülerInnen schafft es bis zur Matura: Knapp 3.000 HTL-IT-AbsolventInnen gab es in besagtem Schuljahr, bei kaum verändertem Frauenanteil (9 Prozent).
Größte IT-HTL des Landes ist die renommierte HTL in der Spengergasse in Wien-Margareten. Sie bildet derzeit rund 800 IT-SchülerInnen aus. Ebenfalls über 500 Schüler haben noch die HTLs Donaustadt (Wien 22), Graz-Gösting, Wiener Neustadt, Leonding, St. Pölten sowie das TGM (Wien 20). Die berufsbildenden höheren IT-Ausbildungsstätten erfreuen sich seit Jahren einer konstant gleichbleibenden Beliebtheit. Ihre Absolventen werden einerseits von der Wirtschaft mit Handkuss eingestellt, andererseits ist die HTL auch ein feines Sprungbrett, um an Uni oder FH das Wissen noch zu erweitern.




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Mag. Christoph Weiss, i2s consulting, Leiter Büro Österreich: Magister und Textil-Fachingenieur. Führungserfahrung als IT-Leiter im Bereich technischer Grosshandel. Mehrfach Linien- verantwortlicher für ERP-Einführungen. Lehrbeauftragter an der Fachhochschule Technikum Wien. Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft für Datenverarbeitung (ADV) 