Einer der Pioniere in der Lehrlingsausbildung ist zweifellos Siemens: Seit 1921 werden technische Lehrlinge ausgebildet. Zur Zeit sind das immerhin rund 750 konzernweit und ca. 350 für die Siemens AG im Jahr, berichtet Walter Krippl, österreichweit für die Lehrlingsausbildung verantwortlich. Neben dem Informationstechnologie-Techniker werden auch Elektroenergie-Techniker und Elektronik-Lehrlinge ausgebildet.
"Computer und Computer-Know-how ist in allen drei Bereichen inzwischen wichtig geworden, in jedem Gerät ist irgendwo bereits ein Computer integriert", betont Krippl. Auch alle kaufmännischen Lehrlinge bei Siemens machen übrigens bei ihrer Ausbildung den europäischen "Computerführerschein" (ECDL). "Wir bekommen jährlich rund 700 bis 800 Bewerbungen im technischen Bereich, davon werden rund 200 ausgesucht", erzählt Krippl und hat auch noch eine weitere, interessante Zahl parat: "Heuer haben sich immerhin 35 Mädchen beworben".
Seit gut 30 Jahren werden übrigens auch weibliche technische Lehrlinge bei Siemens ausgebildet, insgesamt 170 Mädchen haben seither ihre technische Lehre bei Siemens abgeschlossen - das bedeutet im Schnitt sechs Mädchen pro Jahrgang. "Wir hätten wirklich gerne mehr Mädchen, aber leider bewerben sich einfach zu wenige", bedauert Krippl.
Neben der größten Wiener Lehrwerkstätte gibt es auch solche in Linz, Innsbruck und Graz. In Wien-Floridsdort am Siemensgelände, derzeit im Bau 14, wird den Lehrlingen in der modernst ausgestatteten Lehrwerkstätte viel praktisches Wissen vermittelt. Hier heißt es z.B. im Maschinenraum oder in Labors, aber auch in einem speziell ausgestatteten Computer-Lehrsaal üben, üben und nochmals üben. Gleichzeitig wird aber auch viel grundlegendes theoretisches Wissen vermittelt. Außerdem müssen die Technik-Lehrlinge natürlich auch die Berufsschule besuchen. Alle Informationstechnologie-Techniker-Lehrlinge in Wien gehen in die Berufsschule für IT (Mollardgasse und Apollogasse).Der große Vorteil bei der Lehrlingsausbildung allgemein - darum werden Lehrlinge auch von vielen Schülern beneidet - ist das eigene Einkommen: Die Lehrlingsentschädigung beträgt im ersten Lehrjahr 484 Euro, im zweiten 644, im dritten 877 und im vierten Lehrjahr 1.177 Euro. Arbeits- und Sportbekleidung wird den Lehrlingen bei Siemens kostenlos zur Verfügung gestellt. Außerdem bezahlt das Unternehmen den Lehrlingen Sport- und Seminarwochen jedes Jahr.
Mathe, Deutsch, Englisch: Mängel
Seit letztem Jahr wird auch die Möglichkeit "Lehre mit Matura" angeboten. "Wir stehen da aber erst am Beginn", weiß Walter Krippl, "das Wissen und Interesse dafür ist bei den Bewerbern auch noch sehr gering". Unzufrieden sind die Lehrlingsverantwortlichen mit dem schulischen Bildungsniveau der potentiellen neuen Lehrlinge. "Mathematik wird überhaupt nicht mehr gepflegt, ohne Rechner sind die junge Leute hilflos. In Englisch gibt es großen Nachholbedarf und die deutsche Rechtschreibung muss auch noch verbessert werden", betont Gottfried Neuhuber, Koordinator und Ausbilder der Wiener Lehrwerkstätte.
Ein Problem sei nach wie vor das schlechte Image des Lehrlings in der Gesellschaft. "Es herrscht die Sichtweise, auch bei den Eltern: Er hat überall versagt, jetzt muss er eine Lehre machen", berichtet Neuhuber über seine Erfahrungen. Dabei sind die Job- und Karrierechancen für die Lehrlinge sehr gut. Viele ehemalige Lehrlinge sind später im mittleren Management gelandet oder haben es gar bis zum Führungskreis geschafft. Es kommt "auf einen selbst an, was man aus der Lehre macht", meinen Krippl und Neuhuber, die genau wissen, wovon sie sprechen. Beide haben als Lehrlinge bei Siemens ihre Berufslaufbahn gestartet.
Politische Förder-Aktionen
Die Politik setzt sich jetzt vermehrt dafür ein, dass mehr Lehrlinge ausgebildet werden können. So wurden seit einigen Jahren gezielte Förder-Aktionen gestartet.Mit dem sogenannten Blum-Bonus, der 2005 eingeführt wurde, werden Unternehmen finanziell unterstützt, die zusätzliche Lehrlinge ausbilden. Hat ein Unternehmen bisher etwa drei Lehrlinge ausgebildet und stockt auf vier Lehrlinge auf, wird diese vierte Lehrstelle durch den Blum-Bonus gefördert. Mit 1. Juli 2008 wurde der Blum-Bonus novelliert. Speziell für Lehrbetriebe, die erstmals oder nach drei Jahren Unterbrechung wieder Lehrlinge ausbilden, gibt es spezielle Prämien.
Trotz aller Fördermaßnahmen stieg die Zahl der Lehrlinge insgesamt österreichweit im Jahr 2006 nur um 2,3% auf 5.873. "Am Lehrstellenmarkt hat sich trotz Blum-Bonus, Hochkonjunktur und angeblichem FacharbeiterInnenmangel die Krise weiter verschärft", kritisiert die AK NÖ in einer Analyse der Effekte des Blum-Bonus. Im Klartext: Weitaus mehr junge Menschen sind auf der Suche nach einer Lehrstelle bzw. stehen ohne Arbeit da.







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Dunja Koelwel ist freie Journalistin in München. Die studierte Juristin arbeitet für Verlage und Agenturen und betreut vor allem die Themen Internet und Business-Software aus einem strategisch- wirtschaftlichen Blickwinkel. 