Newsfeed abonnieren
Finanzdienstleister

Interview mit Wilhelm Doupnik, Raiffeisen Informatik

"Wir müssen jeden Tag jeden Stein umdrehen"

Bei der letzten Umstrukturierung der hausinternen IT entstand im April 2006 die Raiffeisen Software Solution als Schwesterunternehmen der Raiffeisen Informatik. Wir sprachen mit Wilhelm Doupnik, 41, als Sprecher der Geschäftsführung seit Oktober 2006 mit an Bord, über die derzeitigen Aktivitäten, Pläne, Ziele und Erwartungen.

„Ich nenne nur zwei Schlagwörter für Technologie- führerschaft: Open Source und Collaboration. Aber auch Themen wie der vernünftige Aufbau von Datawarehouses spielt eine wichtige Rolle.“ - Wilhelm Doupnik, Sprecher der Geschäftsführung, Raiffeisen Software Solution (Foto: Raiffeisen Software Solution)

Sie sind erst vor knapp zwei Jahren zu Raiffeisen gestoßen, wie war Ihr Zugang bzw. Ihre Tätigkeit zuvor?

Ich hatte die letzten zehn Jahre von außen sehr viel für den Raiffeisen Sektor gemacht. Nach meinem Betriebswirtschaftsstudium habe ich bei der Schöllerbank im Fondsbereich begonnen, die in der Folge von der Hypovereinsbank übernommen wurde. Danach habe ich bei IBM den Verkauf und Projekte für Bankenlösungen betreut. Von IBM bin ich zur Unternehmensberatung zu Ernst & Young gewechselt und habe dort die Übernahme durch CapGemini miterlebt. Anfang 2003 bekam ich die Möglichkeit die Geschäftsführung von Mummert Consulting zu übernehmen. Dort habe ich dann meine dritte Fusion erlebt. Um Ihre Frage zu beantworten: Ich habe immer an der Schnittstelle Projekte, Banken, Prozesse und IT gearbeitet. Da wird uns in den nächsten fünf bis zehn Jahren noch einiges bevorstehen, in Richtung Veränderung der Branche.

Was waren denn die Hintergründe zur Neustrukturierung und Gründung der Raiffeisen Software Solution vor zwei Jahren?

Man wollte eine klarere Trennung zwischen Rechenzentrums Betrieb (RIT) und dem Projektgeschäft. So kam es dazu, dass das Projektgeschäft, die Software-Entwicklung und das Prozess-Know-how von RO+e und RACON auf die Raiffeisen Solution (RSO) übertragen wurden. Eigentümer der RSO und gleichzeitig Kunden sind die Raiffeisen-Landesbanken Wien/NÖ, Burgenland, Steiermark und Vorarlberg sowie die RZB. Für die machen wir 95%unseres Geschäfts. Die restlichen 5% verteilen sich auf Tätigkeiten für andere Raiffeisen-Töchter sowie am Drittmarkt. Am prominentesten ist sicher das Maut-Projekt mit der Asfinag, gemeinsam mit der RIT. Wir haben unsere Stabilisierungsphase vor einem halben Jahr abgeschlossen und denken jetzt weiter, was wir tun müssen, um für die nächsten fünf bis zehn Jahren ein guter, verlässlicher Partner für unsere Kunden zu bleiben.

Was sind denn im Moment die größten Herausforderungen im IT Sektor im Bankenbereich?

Im Kern bearbeiten wir für unsere Kunden drei große Themenbereiche. Erstens: Markt d.h. Wie bleiben unsere Kunden am Markt weiterhin erfolgreich? Ein Beispiel: Wir sind gerade im Rollout einer neuen Vertriebslösung namens KOLUMBUS, die wir entwickelt haben. Zweitens: Verbesserung der Abwicklung bei unseren Kunden, zum Beispiel Kreditabwicklung neu. Da geht es um Standardisierung von Prozessen und die Optimierung von Abwicklung. Denn in einer Kreditabwicklung kann man sich heute am Markt nicht differenzieren. Es geht daher darum, die Arbeit unserer Kunden zu optimieren und zu beschleunigen. Und der dritte Punkt sind regulatorische Pflichtübungen wie z.B. Meldewesen neu. Insgesamt geht es um Kostenoptimierung, wir müssen jeden Tag jeden Stein umdrehen, um unsere Kostenstrukturen transparent zu halten und zu verbessern.

Wir agieren auch in Osteuropa mit Joint Ventures mit der Uniqua. Als Lösungshaus können wir kein Innovator per se sein, aber wir wollen ein Technologieführer, ein Vorreiter sein.

Wie wollen Sie das schaffen?

Ich nenne nur zwei Schlagwörter für Technologieführerschaft: Open Source und Collaboration. Aber auch Themen wie der vernünftige Aufbau von Datawarehouses spielt eine wichtige Rolle. Wir sind gerade in intensiven Überlegungen, was wir rund um Warehousing in den nächsten Jahren tun. Da wird es sicher Ende des Jahres neue Erkenntnisse geben.

Können Sie mir kurz Zahlen und Fakten zum Unternehmen und Ihre Ziele für 2008 sagen?

Wir haben 2007 einen Umsatz von 45 Mio. Euro erzielt und haben zur Zeit rund 270 Mitarbeiter. An diesen Faktoren wird sich auch 2008 wenig ändern. Wir haben zwei Standorte, in Wien und Leoben sowie zwei Joint Ventures in Ungarn und Rumänien.

Wie sehen denn typische Projekte aus und was planen Sie für die Zukunft?

Wir haben einen dominierenden Banken-Kunden. Wir sind daher von unserer Strategie Gesamt-Lösungsanbieter im Bankenbereich. Wir machen da alle relevanten Projekte von der Unterstützung bei der Prozessoptimierung bis hin zur Implementierung jeder Software, die eine Bank braucht. Außerdem wollen wir uns außerhalb unserer Eigentümer, die ja unsrer Hauptkunden sind, etablieren und andere Raiffeisen-Töchter sowie die Raiffeisen International in Osteuropa angehen. Und wir beginnen jetzt, große Industriekunden in Österreich zu bearbeiten. Wir haben schon ein kleines erstes Projekt mit der ÖBB gestartet, da geht es um die Bewertung von Applikationen nach Function Points.

2008 steht klar unter dem Schwerpunkt Qualitätsoffensive. Qualität heißt, wie wirkt sie beim Kunden. Es geht um Vertrauensaufbau, wir haben erstmals auch Kundenbefragungen gehabt. Punkt zwei: Wir wollen intern in den Prozessen besser werden.

Mit wie vielen externen Kunden rechnen Sie denn bis Jahresende?

Wir haben heuer ein Raiffeisen-Sales Programm und ein Drittkunden-Sales Programm erstellt. Für Zweiteres haben wir uns bewusst marginalste Ziele vorgenommen. Das wirkliche Ziel ist es, das heuer lebbar zu machen. Und nächstes Jahr werden wir dann gescheit planen. Mittelfristiges Ziel ist es, bis zehn Prozent des Erlös daraus zu generieren.

Wie schafft es die Raiffeisen Software Solution, technologisch Up-to-date zu bleiben?

Der zentrale Punkt ist es: Wie können wir insbesondere für kleinere Raiffeisenbanken Komplexität reduzieren? Wir müssen uns technologisch damit beschäftigen, in unserer Architektur die Dinge vernünftig zu bündeln und zu verzahnen. Und gleichzeitig darauf achten, ob unsere großen Sparten adäquat sind. Das ist unser Tagesgeschäft, auf unser Applikations-Portolio zu schauen und zu erkennen: Wo sind wir im Lebenszyklus und wo müssen wir Veränderungen vornehmen? Es geht auch um eine Verbesserung der Schnittstelle Bankmensch und Software-Entwickler. Dazu haben wir Fachgremien gebildet, wo unsere Führungskräfte mit den Führungskräften der Banken Projekte planen und gemeinsam entwickeln. Es bleibt immer noch der inhaltlichen Spagat bei vielen Projekten zwischen einer kleinen Raiffeisenbank und dem Spitzeninstitut RZB.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit den weiter entfernten Kunden in den Bundesländern?

Die Kollegen aus Vorarlberg und der Steiermark sind zur Vorarbeit sehr oft in Wien. Der Rollout, wie z.B. jetzt bei Kolumbus, ist dann Landesbank-Aufgabe. Unsere Unterstützung und die Reisekosten sind damit limitiert.

Wird die Komplexität der IT noch zunehmen? Wie stehen Sie dazu?

Es geht darum, wirklich auf den Bedarf zu schauen. Das heißt, wir müssen beim Kunden anfangen. Und dann lassen wir unseren Forscher- und Innovationstrieb dort aus, wo er relevant ist.

www.r-solution.at

weitersagen: drucken
Termine

22. Mai - 24. April

Genf

Globales Internet Forum 2012

18. Juni - 22. Juni

In ganz Österreich

SAP Mittelstandstage

Print-Archiv
Folgen Sie uns
Leser empfehlen
MONITOR-Newsletter

Abonnieren Sie unseren Newsletter!

E-Mail:
Die von Ihnen angegebene E-Mail Adresse wird von MONITOR Online weder an Dritte weitergegeben noch zu anderen Zwecken verwendet.
MONITOR-Autoren
Dr. Manfred Wöhrl

Dr. Manfred Wöhrl ist Geschäftsführer der R.I.C.S. EDV-GmbH (Research Institute for Computer Science, www.rics.at), spezialisiert auf Securitychecks und Security-Consulting. ..mehr..

Die neuesten Artikel:

© Copyright 1983-2012 by MONITOR / Bohmann Druck und Verlag Gesellschaft m.b.H. & Co. KG (www.bohmann.at)

Add to Google  | Abo | Themenvorschau | Mediadaten | Inserate buchen | Kontakt | Impressum