Verhaltener Konsum aufgrund der Finanzmarktkrise? Im Kartengeschäft spüre man davon nichts, betont Peter Neubauer, Vorsitzender der Geschäftsführung von PayLife. „Für 2008 sind wir von einem zweistelligen Umsatzzuwachs mit Zahlungskarten ausgegangen. Die Halbjahresergebnisse bestätigen unsere Prognosen.“ PayLife serviciert Mastercard-, Maestro- sowie Quickkarten und ist Betreiber der Geldausgabeautomaten und Bankomatkassen.
Seit einem Jahr firmiert die Gesellschaft, die vormals Europay Austria hieß, unter dem neuen Namen – als äußeres Zeichen einer Neupositionierung im sich unter EU-Druck liberalisierenden heimischen Kartenmarkt. Die europäischen Wettbewerbshüter stoßen sich schon lange daran, dass die heimischen Banken sowohl PayLife als auch die card complete AG, die vergangenes Jahr noch Visa Service Kreditkarten AG hieß, kontrollieren. Nun ist eine Entflechtung der Beteiligungen im Gange.
Ein erster Schritt zur Belebung der Konkurrenz wurde jedenfalls schon gesetzt. Seit letztem Jahr hat Paylife auch die Lizenz, Visa-Produkte auszugeben und Visa-Händlerverträge abzuschließen. Vize versa erhielt card complete die Lizenz für das Kartenprogramm von Mastercard International. PayLife bringt nun auch erstmals ein Kombiangebot aus MasterCard und Visa-Karte heraus. Das „Gold Kartendoppel“ inklusive erweitertem Versicherungsschutz ist um 75 Euro Jahresgebühr erhältlich. Als weitere Produktneuheit wurde eine „wiederbeladbare“ Prepaid-Kreditkarte vorgestellt. Die „MasterCard RED“, die bei allen Banken erhältlich ist, kostet 24 Euro und kann innerhalb von drei Jahren beliebig oft mit maximal 5000 Euro vorgeladen werden, wobei 1% Ladeentgelt anfällt. Die Karte ist nicht personalisiert und eignet sich laut PayLife sehr gut für Jugendliche (ab 14 Jahre), als Reisebörse, Notgroschen oder für das Internet-Shopping.
Wachstumsmarkt Plastikgeld
Ob durch die neue Wettbewerbssituation die Karten- und Händlergebühren wie erhofft sinken, bleibt abzuwarten. Ein beinharter Verdrängungswettbewerb auf dem Kartenmarkt ist derzeit jedenfalls noch nicht absehbar. Denn Plastikgeld ist hierzulande nach wie vor ein Wachstumsmarkt. Die Zahl der von PayLife servicierten Kreditkarten stieg im Vergleich zum ersten Halbjahr 2007 um 5,1% auf 1,07 Millionen. Auch die Zahl der Maestro-Bankomatkarten ist um 3,3% auf 7,2 Millionen weiter angewachsen – laut Neubauer ist das auf einen „Trend zur Zweitkarte“ zurückzuführen. Die Zahl der Quick Wertkarten stieg um 14,1% auf 398.000. Vor allem die Raucher haben mit dem bargeldlosen Bezahlen am Zigarettenautomaten dazu beigetragen.
Auch bei Transaktionszahlen und Umsätzen der PayLife-Produkte konnte Neubauer wieder deutliche Steigerungen vermelden. Bei Kreditkarten wuchs die Zahl der Transaktionen im ersten Halbjahr um 10,7% auf 14,5 Millionen und der Umsatz um 13% auf 1,5 Milliarden Euro. Die Maestro-Transaktionen stiegen um 9% auf 133 Millionen, die Umsätze mit der Bankomatkarte um 12,2% auf 6,6 Milliarden Euro. Dabei sind die Bargeldbehebungen noch nicht eingerechnet, bei denen Herr und Frau Österreicher im ersten Halbjahr 69 Millionen mal insgesamt 8,5 Milliarden Euro aus Bankomaten im In- und Ausland gezogen haben – ein Plus von 5,5%. Einzig bei Quick gab es einen Rückgang bei Transaktionen (- 3,7%) und Umsatz (- 4,5%). Die „Elektronische Geldbörse wurde 14 Millionen mal gezückt. Im Schnitt geben die Nutzer pro Transaktion fünf Euro aus.
Neue Verträge, neue Kassen
Markante Neuabschlüsse gelangen PayLife etwa mit der Handelskette Spar, die nun auch Kreditkarten akzeptiert. McDonalds konnte als Kreditkarten-, Maestro- und Quick-Partner gewonnen werden. Derzeit ist das Zahlen mit Karte bei der Fastfood-Kette bereits in 40 Restaurants ausgerollt. Auch die Elektrohändler Cosmos und das Einrichtungshaus Lutz sind Kreditkartenpartner geworden. Und die Modekette Adessa wird in allen Belangen des bargeldlosen Bezahlens nun auch in Slowenien, Tschechien und der Slowakei von PayLife serviciert.
Die Markteinführung der neuen mobilen Bankomat-Kasse im laufenden Jahr ist laut PayLife-Geschäftsführer Ewald Judt ein Erfolg. Bereits 7000 der neuen, durch GPRS-Technologie ortsunabhängigen Terminals seien „im Feld“. Die Geräte akzeptieren alle Kreditkarten, in- und ausländische Bankkarten sowie Quick und seien auch schon fit für die EU-Vorgabe einer „Single Euro Payments Area“ (SEPA), die unter anderem bis 2010 in ganz Europa einsetzbare Terminals verlangt. „Technisch gesehen sind die Geräte voll ausgereift. In ihnen stecken über 20 Jahre unserer Erfahrung mit Zahlungsterminals“ betont Judt.



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8/2011
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Dr. Eric Scherer ist Geschäftsführer des anbieterunabhängigen Beratungs- und Marktforschungsunternehmens i2s. Er gilt als einer der führenden ERP-Experten und ist Initiator der ERP-Zufriedenheitsstudie. 