Die Ende 2007 vom Ministerrat und vom Europäischen Parlament beschlossene Initiative betrifft eingebettete Computersysteme (embedded systems), die – vom Nutzer nahezu unbemerkt – die Leistungsfähigkeit von technischen Geräten und Anlagen aller Art steigern: von Waschmaschinen, Fernsehgeräten und Telefonen über Autos und Flugzeuge bis zu ganzen Fabriken. ARTEMIS bedeutet ein bislang einmaliges Investitionsvolumen von insgesamt 2,5 Mrd. Euro. „In industrielle Anwendungen unsichtbar eingebettete Computer können der europäischen Wirtschaft einen enormen Wachstumsschub verleihen“, erklärte die für die Informationsgesellschaft und Medien zuständige EU-Kommissarin Viviane Reding. „Immer mehr Nutzanwendungen des täglichen Lebens beruhen auf solchen eingebetteten Systemen, in Kreditkarten genauso wie in Autos. Auch der neue Airbus enthält viele eingebettete Technologien, die vom elektrischen Flugsteuerungssystem bis zur Kabinendruckregelung reichen. Deshalb lohnt es sich, über einen Zeitraum von zehn Jahren insgesamt 2,5 Mrd. € aus öffentlichen und privatwirtschaftlichen Quellen in die Forschung auf dem Gebiet der eingebetteten Systeme zu investieren und so zu gewährleisten, dass die europäische Technologie weltweit führend bleibt.“
Wachsender Markt
98% aller Datenverarbeitungsgeräte sind in elektronische Anlagen und Geräte aller Art eingebettet. Computer finden sich heute in Gegenständen des täglichen Gebrauchs wie Mobiltelefonen und Kreditkarten, in Autos und Flugzeugen ebenso wie in Wohnungen, Bürogebäuden und Fabriken. Im letzten Jahr wurden mehr als 4 Mrd. eingebettete Prozessoren verkauft, der weltweite Markt hat ein Volumen von 60 Mrd. € bei einer jährlichen Wachstumsrate von 14%. Prognosen zufolge wird es bis zum Jahr 2010 mehr als 16 Mrd. Geräte mit eingebetteten Systemen geben, bis 2020 sogar über 40 Mrd. Hier liegen die Marktchancen, auf welche die Forschungsinvestitionen in Höhe von 2,5 Mrd. € während der nächsten 10 Jahre ausgerichtet werden müssen. Es ist zu erwarten, dass in den wichtigsten Industriesektoren der Anteil eingebetteter Systeme am Wert der Endprodukte zwischenzeitlich weiter ansteigt. 2010 dürfte der Anteil der eingebetteten Elektronik am Wert eines Autos bei über 35 % liegen.
Neuer Förderungsansatz der EU
Mit Blick auf Größenvorteile, Kosteneinsparungen und kürzere Markteinführungszeiten bei den auf Nanotechnologien basierenden Produkten sowie zur Wahrung der globalen Führungsstellung der europäischen Industrie in diesem Bereich beschloss die EU im Anschluss an einen im Mai 2007 vorgelegten Kommissionsvorschlag, bei der Finanzierung der einschlägigen Forschungsarbeiten völlig neue Wege zu gehen. Die Kommission und die EU-Mitgliedstaaten, die sich daran beteiligen möchten, werden ihre öffentlichen Mittel mit denen der Hochschulen und der Industrie (davon zahlreiche innovative KMU) im Rahmen öffentlich-privater Partnerschaften bündeln. Bislang flossen die für die Forschung auf dem Gebiet eingebetteter Systeme verfügbaren Gelder tendenziell eher weit verzweigt in Kleinprojekte einzelner Mitgliedstaaten und Organisationen. Jetzt bietet das neue „offene“ Konsortium ARTEMIS den Mitgliedstaaten und der Kommission die Möglichkeit zur Zusammenarbeit und gemeinsamen Finanzierung europaweiter Forschungsinitiativen entsprechend eines von der Industrie selbst erstellten Strategieplans. Privatwirtschaftliche und öffentliche Beteiligte sind in den Verwaltungsräten gleichermaßen vertreten, um alle strategischen Entscheidungen gemeinsam zu treffen.
ARTEMISIA, der Artemis-Industrieverband zählt derzeit über 100 Mitglieder, davon sind 50% Forschungsorganisationen, 22% KMU und 28% Unternehmen. Zum Lenkungsausschuss von ARTEMISIA gehören folgende Unternehmen: ABB AB Corporate Research, AIRBUS, Ardaco, A.S., AVL List GmbH, Critical Software SA, Daimler A.G., Ericsson AB, Finmeccanica-Società per azioni, Hellenic, Aerospace Industry S.A., Infineon Technologies AG, Inspire AG, Nokia Corporation, NXP, Philips Electronics, Siemens AG, ST Microelectronics, Telelogic AB, Thales Corporate.
Derzeit sind die folgenden Mitgliedstaaten an ARTEMIS beteiligt: Belgien, Dänemark, Deutschland, Estland, Irland, Griechenland, Spanien, Frankreich, Italien, Ungarn, die Niederlande, Österreich, Portugal, Rumänien, Slowenien, Finnland, Schweden, Norwegen, Tschechien und das Vereinigte Königreich.
ARTEMIS – Chancen für Österreich
Das Gemeinsame Unternehmen (GU) ARTEMIS, eine Public-Private-Partnership zwischen Europäischer Kommission, Mitgliedsländern und europäischen Industrieunternehmen führt nun die erste Ausschreibung für kooperative Projektvorschläge durch. Diese neuartige, industriegetriebene Initiative zur Forschungsförderung konzentriert sich dabei auf marktnahe Forschung, die Prototypen und Demonstratoren mit domänenübergreifender Anwendbarkeit schafft und so zu wichtigen gesellschaftlichen Zielen Beiträge leistet.
Die erste Ausschreibung für Projektvorschläge hat bereits mit 8. Mai gestartet und endet mit 3. September 2008. Die österreichische Programmverantwortung trägt das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (bmvit), die nationale Betreuung der Ausschreibungen und Beratung erfolgt durch die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG). Das Budget für österreichische Teilnehmer im Zuge der 1. Ausschreibung beträgt attraktive 4 Mio. Euro aus nationalen Töpfen, hinzu kommen noch 2,2 Mio. Euro aus dem 7. EU-Forschungsrahmenprogramm (RP7).
Es wurden insgesamt acht thematische Subprogramme definiert, wobei sich die Projektvorschläge in der ersten Ausschreibung in erster Linie auf die Subprogramme „Methods and processes for safety-relevant embedded systems“, „Smart environments and scalable digital services“ und „Computing environments for embedded systems“ konzentrieren sollen.
Einreichung und Abwicklung
Die Durchführung der Ausschreibung erfolgt zentral durch die GU ARTEMIS und wird in Österreich durch die FFG unterstützt. Projektvorschläge sind elektronisch auf den Webseiten des GU einzureichen. In jedem Projekt müssen Partner aus mindestens drei ARTEMIS-Ländern vertreten sein. Die FFG übernimmt bestimmte Prüfaufgaben im Projektauswahlprozess sowie die finanzielle Abwicklung der vom Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (bmvit) bereitgestellten nationalen Fördermittel für österreichische TeilnehmerInnen. Weiters führt die FFG Teile des Projektmonitorings durch. Den organisatorischen Rahmen für die nationale Programmabwicklung bietet das Forschungsförderungsprogramm FIT-IT des BMVIT, der Name der nationalen Förderinitiative ist dementsprechend ‚FIT-IT: ARTEMIS’. Die Mittel für den europäischen Förderanteil stammen aus dem 7. Forschungsrahmenprogramm und werden vom GU vergeben.
Information und Beratung
Die FFG ist für Information und Beratung der österreichischen Förderwerber zuständig. Weiters steht eine Anbahnungsfinanzierung zur Verfügung um die Projektvorbereitung zu erleichtern. Die Unterstützung Kleiner und Mittlerer Unternehmen bei der Teilnahme an Projektvorschlägen in diesem Programm hat besondere Priorität.
Auf den Webseiten der FFG finden Sie Informationen unter www.ffg.at/artemis
Weitere Links: www.artemis-ju.eu und www.bmvit.gv.at/innovation/internationales/jti.html
Die Europäische Kommission hat unter der Bezeichnung ENIAC noch eine weitere Technologieinitiative eingeleitet, die Nanoelektronik betrifft. Diese beiden gemeinsamen Technologieinitiativen stellen einen Durchbruch bei der effizienten Durchführung von Forschungsprogrammen in der Dimension und Geschwindigkeit dar, die nötig sind, um den Spitzenplatz Europas im globalen Wettbewerb zu behaupten. Mehr dazu lesen Sie morgen wieder auf MONITOR Online.
• Steigerung der europäischen Gesamtinvestitionen im Bereich eingebettete IKT-Systeme zur Stärkung der europäischen Wettbewerbssituation im globalen Kontext
• Entwicklung neuer markt- und umsetzungsnaher Informationstechnologie in ausgewählten gesellschaftsrelevanten Anwendungsgebieten
• Nationale und internationale Kooperation von Industrie und Forschung, thematische Fokussierung und Bildung von Clustern
• Mobilisierung und Stärkung österreichischer (High-Tech-)KMU durch Kooperationen mit europäischer Großindustrie
FFG Bereich Thematische Programme
Tel.: 057755 – 5020
Fax.: 057755 – 95020
georg.niklfeld@ffg.at
FFG Bereich Europäische Programme
Tel.: 057755 – 4211
Fax.: 057755 – 94211
thomas.zergoi@ffg.at
Programmverantwortung:
bmvit, Abt. III i5 – Mag. Michael Wiesmüller
Tel.: 01-711 62 65-3501


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8/2011
7/2011


Mag. Carl-Markus Piswanger, MAS ist freier Journalist, Projektberater und hauptberuflich IT-Architekt. Er ist ausgebildeter Versicherungskaufmann, studierter Historiker und postgradualer E-Government-Experte. Er war beim ISP Netway, der Österreichischen Post und der Seibersdorf Research beschäftigt und seit 2004 als IT-Architekt im Bundesrechenzentrum. Der Wiener ist glücklich nicht verheiratet und hat einen Sohn. 