IT-Personal fehlt bereits massiv
Zurück zum Markt. "Man muss sich immer überlegen, was wollen die Kunden jetzt in den Operations. Das heißt, wir brauchen genauso die Techies, die sich damit auseinandersetzen, wie ein System läuft, und auch denen müssen wir Entwicklungschancen geben", stellte Christian Hauser klar. Und ganz konkret zum Thema: Den Fachkräftemangel spürt Microsoft in Österreich massiv. "Wir verfolgen eine Wachstumsstrategie und wollen zweistellig wachsen, aber wir sind momentan wirklich gehemmt aufgrund des Fachkräftemangels, vor allem bei speziellen technologischen Themen", betonte Harald Leitenmüller. "Wir haben schon seit zweieinhalb Jahren diese Herausforderung und wir haben Kannibalisierung, das heißt, Partner nehmen sich gegenseitig die guten Fachkräfte weg", ergänzte Dieter Schoon. In Reaktion auf die Situation "werden wir ab dem Sommer massiv in Universitäten und Ausbildung investieren, ein Punkt davon ist allen Schülern und Studenten in Österreich kostenlos Software zur Verfügung zu stellen, einfach um ein bestimmtes Basis-Ausbildungs-Know-how zu schaffen", kündigte Leitenmüller an.
"Fachkräftemangel - ich weiß nicht wo das herkommt, es bewerben sich so viele Leute bei mir, einfach vom Hören-Sagen, ohne dass ein Job ausgeschrieben ist", brachte Arno Kaspirek, Geschäftsführer von ITdesign eine völlig konträre Sichtweise ein. "Ein, zwei Jahre interne Weiterbildung, und dann kann man aus jemanden, der ein IT-Basis-Know-how hat, egal ob von einer HTL, FH oder Uni, eigentlich einen Mitarbeiter machen, der gut auf einen Job passt", fügte Kaspirek hinzu. Dem Fachkräftemangel können international tätige Unternehmen auch gegensteuern: "T-Systems ist in 26 Ländern vertreten, da ist der Fachkräfte-Transfer schon ein Thema", betonte Philipp Huber, Personalchef von T-Systems.
Trend: IT Lehrlinge
Eine derzeit stark wachsende Ausbildungsform ist eine IT-Lehre. An der Wiener Berufsschule in der Mollardgasse ist die Zahl der IT-Lehrlinge stark ansteigend. Einer der großen Ausbildner ist Siemens, wo es eine Lehrlingsausbildungsstätte für Siemens und andere Unternehmen gibt. "Unsere Lehrlinge werden sehr früh, bereits während der Ausbildung, sofort in die IT integriert, das heißt, sie sind ein Teil unserer Mannschaft", betont Christian Polster. "Viele der ehemaligen Lehrlinge sind auch in Jobs wie Projektleiter, ja sogar Management-Positionen aufgerückt", sagte Polster.
Auch bei der ACP wird Lehrlingsausbildung zur Generierungen des hauseigenen IT-Nachwuchses forciert. "Wir haben zur Zeit knapp unter 30 Lehrlinge, ein Drittel davon ist weiblich", betonte Christian Hauser stolz. "Es geht dabei um zwei Assets. Erstens, dass der Rückhalt im Team für den Lehrling gegeben ist, und zweitens: dass der Ausbildner gut ist und auch Rückendeckung im Unternehmen hat", sagte Hauser und weiter: "Wir wollen diese Mitarbeiter für unsere Kernstärke nützen."
Zukunft und Wünsche
"Was ist der USP für einen IT-Menschen in Österreich und Deutschland? Warum soll ich künftig IT-Mitarbeiter aus diesen Ländern aufnehmen?" stellte Walter Goldenits selbst eine Frage in den Raum. Absolventen aus den CEE-Ländern hätten in Zukunft sicher gute Chancen. "Wir müssen stärker beim Brückenschlag Wirtschaft - Bildung werden", betonte Philipp Huber/T-Systems einmal mehr. "Ich wünsche mir von den künftigen Mitarbeitern die Offenheit für die schnellen Entwicklungen und Trends am Markt. Von den Ausbildungsstätten erwarte ich mir mehr Vernetzung und mehr Auseinandersetzungen mit den Anforderungen der Wirtschaft", stellte Christian Hauser/ACP klar.
"Ich wünsche mir mehr Weltoffenheit von den Mitarbeitern und auch das Bewusstsein, dass wir ein Teil eines großen Europas sind, auch in der IT", sagte Walter Goldenits. Wichtig sei auch wieder den Spaß an der Branche zu vermitteln. "Ich würde mich freuen, wenn wir diesen Dialog hier fortführen", meinte Harald Leitenmüller/Microsoft. IT-Absolventen finden gute Jobchancen vor, "wir haben ein duales Karrieremodell, sowohl die Fach- als auch die Managementkarriere steht IT-Fachleuten offen", betonte Alfred Wiktorin/IBM. "Ich will den Nachwuchs, der den Job gerne macht, der Spaß dabei hat", brachte Evelin Mayr das Thema simpel auf den Punkt. Wichtig wäre auch die Regionalisierung von thematischen IT-Schwerpunkten, meinte Max Höfferer/BEKO. "Ein Problem ist auch die mangelnde Mobilität der Mitarbeiter. Erschreckend einen Wiener für ein Jahr nach Linz zu bekommen. Einfach ein Ding der Unmöglichkeit", beklagte Höfferer.
"Vielleicht kann man sich auch von den amerikanischen Unis etwas abschauen: Es ist zu wenig, auf Unis vertreten zu sein. Sondern auch Leute, die in Unternehmen Führungsverantwortung haben, sollten aktiv in die Unis und Fachschulen hineingehen und dort lehren", hatte Christian Polster/Siemens einen konkreten Vorschlag parat. "Das ist der einzige Weg, die jungen Leute wirklich für diesen Job und diese Branche zu begeistern". Und genau darauf kommt es in der Zukunft vermutlich an.
- DI Walter Goldenits, Bereichsleiter IT, mobilkom
- Christian Hauser, Leitung HR, ACP Holding
- Mag. Philipp Huber, Personalchef, T-Systems
- Dr. Max Höfferer, Leitung PR & Communication, BEKO Engineering & Informatik AG,
- Arno Kaspirek, Geschäftsführer, ITdesign
- DI Harald Leitenmüller, Leiter Developer + Platform Unit, Mitgl. der Geschäftsleitung, Microsoft
- Evelin Mayr, MBA, Personaldirektorin und Mitglied der Geschäftsführung, HP
- DI Christian Polster, Director Global Infrastructure Operations CEE, Siemens IT Solutions and Services
- Dieter Schoon, Personalleiter, itelligence (SAP-Dienstleister)
- Alfred Wiktorin, verantwortlich für IBM Learning für Österreich und Osteuropa, IBM
- Michael Würzelberger, Personalchef, Raiffeisen Informatik
Moderation: Dr. Christine Wahlmüller
Fotograf: Rudi Handl
Ort der Diskussion: T-Systems, T-Center, Rennweg 97-99, 1030 Wien
Alle Bilder: Rudi Handl/Timeline



1/2012
8/2011
7/2011


Dunja Koelwel ist freie Journalistin in München. Die studierte Juristin arbeitet für Verlage und Agenturen und betreut vor allem die Themen Internet und Business-Software aus einem strategisch- wirtschaftlichen Blickwinkel. 