Brauchen wir Uni und FH?
"Brauchen wir überhaupt dieses duale Angebot Uni/FH? Ist das nicht ein Überangebot?" so meine Frage an die Runde. "Ich finde nicht, weil für mich hat eine Universität noch immer einen sehr hohen Stellenwert im Sinne von Forschung und Wissenschaft, ich glaube, das ist auch wichtig, dass das unabhängig bleibt, wir brauchen auch Grundlagenforschung", betonte Evelin Mayr, "der Strauß muss groß, bunt und blumig sein, wir brauchen Uni und FH", plädierte sie für den Dualismus. "Eine gesunde Konkurrenz ist wichtig, und die Fachhochschulen sollten es sich zur Aufgabe machen, sich attraktiv gegenüber den Unternehmen darzustellen", meinte IBM-Mann Alfred Wiktorin. "Wir haben eine ganz andere Situation als noch vor 20 Jahren, wir haben jetzt Gott sei Dank einen Ausbildungsmarkt. Und es kann auch passieren, dass FH-Lehrgänge wieder geschlossen werden und dazu wird es demnächst auch kommen", gab Michael Würzelberger vom Raiffeisen Informatik Zentrum zu bedenken.
"Wir müssen ein gesundes Selbstbewusstsein entwickeln und sagen: Liebe Freunde, wir bieten euch eine Perspektive", zeigte Dieter Schoon auf, dass es an den Unternehmen zum guten Teil selbst liegt, die jungen Leute für eine IT-Ausbildung zu begeistern - egal, ob dabei Uni, FH oder Fachschule gewählt wird. "Die Uni bietet die Möglichkeit, breit zu werden und Innovationskraft zu entwickeln. Diese Leute suchen wir und brauchen wir", bekräftigte Christian Polster. Beim Projektmanagement und bei Solution Design etwa brauche man Leute time-to-market. "Das funktioniert in SO-Europa sehr gut, da sind die Universitäten sehr offen dazu. In Österreich sind wir da leider sehr weit weg", so Polster. "Aber auch in Österreich gibt es sehr tolle Institute, wenn ich da an das Management Institut vom Prof. Kilian in Innsbruck denke", warf der deutsche Personalleiter Dieter Schoon ein und weiter: "Die Qualität der Ausbildung ist nicht so schlecht". "Dann bräuchten wir mehr Kilians", reagierte Polster. "Es verbleibt aber noch ein Teil, nämlich, dass man selbst ausbilden muss. Wir haben wieder verstärkt mit Lehrlingsausbildung begonnen. Da gibt es den tollen Lehrberuf mit der schwierigen Bezeichnung IT Technologie-Techniker", stellte Polster klar. Er würde auch gerne mehr Frauen in der IT beschäftigen.
Gute Chancen für Frauen
"Die Damen, die wir haben, haben sich schneller weiterentwickelt als die Männer. Wir könnten noch mehr Frauen aufnehmen, wenn sie sich bewerben würden", sagte der SIS-Experte. "Das Allergrauslichste, was einer Frau passieren kann, ist dass sie den Job bekommt, damit die Quote erfüllt wird", warf Evelin Mayr von HP ein. Bei HP liegt der Frauenanteil durchschnittlich bei rund 30% und in der Geschäftsführung ist die Hälfte weiblich. "Es liegt an uns die Rahmenbedingungen zu schaffen, dann funktioniert das in den Unternehmen auch", betonte Mayr.
"Ich glaube, es ist eine Frage der Darstellung und liegt zum Großteil an adäquaten Rahmenbedingungen", stimmte Alfred Wiktorin zu. Auch T-Systems ist um Frauen bemüht, "unsere Frauenquote liegt ebenfalls zur Zeit bei 30%", berichtete T-Systems Personalchef Philipp Huber. "Frauen sind im IT-Consulting sehr gut, sei es im Banken oder Public-Bereich. Die sozialen Fähigkeiten, die Frauen mitbringen, sind ausgezeichnete Voraussetzungen dafür", streute Huber den Frauen Rosen.
Trotzdem dümpelt das Interesse für Technik, Naturwissenschaften und die IT-Branche bei Mädchen dahin. Nur wenige IT-Ausbildungsmöglichkeiten schaffen einen Anteil über 20%. Das liegt aber zu einem Gutteil an den Mädchen selbst. "Wir haben spezielle Stellen geschaffen, die sich um Frauenthemen kümmern, und wir sind heuer als frauenfreundlichstes Unternehmen ausgezeichnet worden", berichtete Harald Leitenmüller von Microsoft. "Wir suchen nicht Frauen und Männer, sondern Leute mit Mut, Engagement und Leidenschaft", stellte Walter Goldenits fest. "Was mir auffällt, in Osteuropa kenne ich das Thema überhaupt nicht. Das ist eine Sache des Kulturverständnisses. In ganz Osteuropa sind Frauen in technischen Berufen selbstverständlich und hoch angesehen". Noch einen Unterschied zu den CEE-Ländern hob Goldenits hervor: "Der Hunger nach Erfolg und etwas zu bewegen ist in den CEE-Ländern viel größer als in Österreich", bedauerte der mobilkom-Experte. Die gleiche Erfahrung machte auch Christian Polster von Siemens: "Wir haben 2005 ein Center in Rumänien aufgebaut, da gab es gleichverteilt Bewerbungen von Frauen und Männern".



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