"Der Wirtschaft entgehen wesentliche Fachkräfte für Innovation", betonte Staatssekretärin Christine Marek vom Wirtschaftsministerium zum Auftakt des vierten Dialogforums, das ganz im Zeichen der Frauen stand. Marek hatte auch Zahlen parat: Nur rund zehn Prozent Forscherinnen seien derzeit in Unternehmen tätig, "das ist weit hinter dem EU-Durchschnitt von 18 Prozent und auch hinter Deutschland mit 12 Prozent", bedauerte Marek. Große Hoffnungen setzt Marek in die neue Initiative der "Laura Bassi Centres of Expertise".
Das Projekt wird vom Wirtschaftsministerium finanziert und von der Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) im Rahmen des Programms "w-fForte" realisiert. Geplant ist die Einrichtung von sechs Zentren, die unter der Leitung bzw. maßgeblichen Beteiligung von Forscherinnen arbeiten. Die Zentren werden von Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft gemeinsam getragen und sollen anwendungsorientierte Forschung betreiben. Die Zentren werden während einer Laufzeit von sieben Jahren mit maximal 320.000 Euro pro Jahr und Zentrum unterstützt. Mit diesem Impulsprogramm startet eine weitere Maßnahme, um den Frauenanteil im Bereich Wissenschaft, Forschung und Technologie zu heben.
In Österreich sind Frauen vor allem in der naturwissenschaftlichen-technischen Forschung noch immer unterrepräsentiert, das zeigt auch die europäische Statistik "She figures" aus dem Jahr 2006 (vorletzter Platz für Österreich). "Wir müssen in den Köpfen etwas verändern und auch die Männer mit uns ins Boot holen", appellierte Marek an die Zuhörerinnen.
Begeisterung für NAWI wecken

2. Diskussionsrunde: v. links: Johanna Hofbauer, Barbara Hey, Margit Malatschnig, Moderator Martin Haidinger/ORF, Karin Aussersdorfer, Helene Schiffbänker (Foto: Christine Wahlmüller)
"Die Kinder müssen sich in punkto Ausbildung heute schon sehr früh entscheiden", bemängelte Petra Wagner-Luptacik, Koordinatorin der Initiative "Forschung macht Schule", deren Ziele sie präsentierte: Vom Kindergarten bis zur Matura sollen den Schülern Aktivitäten mit naturwissenschaftlichen-technischen (NAWI) Inhalten angeboten werden. Damit soll die Zahl der StudienanfängerInnen in den NAWI-Studiengängen in den nächsten drei Jahren um 20 Prozent gesteigert werden. Auch beim Frauenanteil will Wagner-Luptacik eine signifikante Zunahme erreichen. Stolz ist sie insbesondere auf das Angebot von "Innovations-Praktika" für SchülerInnen ab 15 Jahren, die im Sommer so einen Monat lang in Unternehmen und wissenschaftlichen Einrichtungen Berufserfahrung "schnuppern" können und dafür 700 Euro erhalten. "Wir haben schon über 100 Bewerber, die Hälfte davon sind Mädchen", freute sich Wagner-Luptacik.
In den letzten zehn, fünfzehn Jahren hätte es bereits viele Unterstützungsaktionen für Frauen gegeben, aber "Frauen stoßen nach wie vor an die gläserne Decke und kommen an Führungspositionen meist nicht heran", sagte Angela Wroblewski vom Institut für Höhere Studien. Viel beachtet war die Studie "Karrieretypen im NAWI-Arbeitsfeld", die von Susanne Schelepa von L&R Sozialforschung präsentiert wurde. Sie berichtete von unterschiedlichen Zugangsweisen von Frauen und Männern. "Für Frauen sind Vorbilder ganz maßgeblich bei ihrer Studienwahl", stellte Schelepa klar. "Die Rollenbilder sitzen noch sehr tief, ich halte Pädagogen-Schulungen daher für sehr wichtig", fasste die Sozialforscherin zusammen.
Politik ist gefordert
Um die Karriere-Chancen für NAWI-Absolventinnen zu verbessern, müsste sich die Wissenschaftskultur insgesamt ändern, forderte Johanna Hofbauer, Soziologie-Professorin an der WU-Wien. "Dazu muss auf alle Fälle der gleichstellungspolitische Druck aufrecht erhalten werden", bekräftigte Hofbauer. "Wege zur Verbesserung der Karrieren von Frauen seien eine Verbesserung für die Uni insgesamt", hatte Barbara Hey von der Koordinationsstelle für Geschlechterstudien, Frauen-Forschung und -Förderung der Uni Graz ein simpel klingendes Erfolgsrezept für die Zukunft parat. Leider "gibt es noch deutliche Unterschiede zwischen den Unis in unserem Land", bedauerte Hey.
Als lebendes Beispiel, dass Frauen nach wie vor im NAWI-Bereich eher die Ausnahme sind, präsentierte Margit Malatschnig ihren persönlichen Karriereweg: Von der technischen Zeichnerin hat sich Malatschnig über ein FH-Studium zur Inhaberin der Technologie-Plattform und Hightech-Promotion-Firma Techkonnex entwickelt.
"Ich habe das Gefühl, dass bei uns jetzt mehr passiert, wir sind ein frauenfreundlicher Betrieb", zeigte Karin Aussersdorfer von der voestalpine, dass Frauen in NAWI-Umfeld durchaus reüssieren können. Generell ortete sie jedoch in punkto Innovationsklima "im gesellschaftlichen Bereich noch einen enormen Aufholbedarf." Durch den drohenden Fachkräftemangel "ist die Zeit reif für Karrieren von Frauen in Forschung und Technik", versprühte Aussersdorfer Zukunfts-Optimismus. "Es braucht aber auch qualifizierte Teilzeitjobs, um Frauen (wieder) stärker in den Arbeitsmarkt hereinzubekommen", gab sich die Oberösterreicherin realistisch. "Systeme und Strukturen müssen sich ändern, um gendergerechter zu sein", forderte Helene Schiffbänker von der Joanneum Research Maßnahmen ein. "Das geht nur mit politischem Druck", zeigte sich Johanna Hofbauer überzeugt.





7/2011
6/2011
5/2011


bekannt durch zahlreiche Veröffentlichungen, war nach dem Studium der Wirtschafts- wissenschaften, Organisation und Informatik zunächst mehrere Jahre als Gruppen- und Projektleiter an einem Institut für angewandte Informatik beschäftigt. Heute ist er in vielfältiger Form als freiberuflicher Management- und Organisationsberater sowie in der Weiterbildung tätig. Schwerpunktmäßig geht es dabei um die Einführung, Entwicklung und Beratung für den praxisgerechten Computereinsatz. 