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25 Jahre MONITOR

Abteilung für Informatik und Automatik, Deutsches Museum

Nachdenklich in die Gegenwart

Hightech und dennoch mit der etwas melancholischen Atmosphäre des Vergangenen, so zeigt sich die Abteilung für Informatik und Automatik des Deutschen Museums in München.

Rechner aus den 50er-Jahren von Siemens (Siemens 2002). Der erste Prototyp entstand 1957/58. Die Addition erfolgte seriell. Ursprünglich bestand der Speicher aus 1.000 Worten Kernspeicher und wurde dann auf Magnettrommel mit 10.000 Worten erweitert.

Weltweit sind erstmals mehr als eine Milliarde Personal Computer (PCs) im Einsatz. Und in etwa einer halben Dekade sollen es bereits doppelt so viele sein, prognostiziert die Marktforschungsagentur Gartner. Dabei hat alles vor nicht allzu langer Zeit relativ bescheiden angefangen. Doch kaum jemand, der heute vor einem leistungsfähigen Computer sitzt, erinnert sich an die beiden Berliner Konrad Zuse und Helmut Schreyer, die in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts die ersten durch Lochstreifen programmgesteuerten und frei programmierbaren vollautomatischen Rechner im Wohnzimmer von Zuses Eltern zusammenlöteten.

Wer sich nicht nur für einen virtuellen Rundgang in der Geschichte des Computer interessiert, dem sei ein Besuch im der Computerabteilung des in München gelegenen Deutschen Museums angeraten. Im Jahr 1903 wurde das Deutsche Museum als "dreidimensionale Enzyklopädie der Naturwissenschaften" gegründet und ist mit 70 Stunden pro Woche das Museum mit den längsten Öffnungszeiten in ganz Europa und mit rund 47.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche auch eines der größten. 50 Ausstellungsbereiche gibt es und diese reichen von Agrar- und Lebensmitteltechnik bis hin zu einem Foucaultschen Pendel.

Im dritten Stock, etwas abgelegen, zeigt die 1988 ins Leben gerufene Abteilung Informatik die Highlights von den Anfängen der automatisierten Rechenkunst bis hin zu relativ aktuellen Hochleistungsrechnern. Abgesehen von der recht umfangreichen Ausstellungsfläche in der Abteilung Informatik besitzt das Deutsche Museum dabei noch viele weitere Schätze aus den Anfängen der ITK-Branche, wohl verwahrt in fünf Depots in und um München. "Großrechner, Taschenrechner und so fort - wir bekommen sehr viel von Unternehmen geschenkt und können leider nur einen Bruchteil zeigen", so Heinz Molter, einer der drei hauptamtlichen Führer in der Abteilung Informatik.

"Gerechnet hat noch nie jemand gerne"

Und der Bogen ITK ist dabei durchaus weit gespannt. Begonnen wird der Rundgang durch die Computerabteilung mit den ersten Abakussen, die es übrigens bereits seit etwa 1000 v. Chr. gibt, mit denen noch die eigene Großelterngeneration wohl ihre erste Rechenschritte unternommen hat und die in manchen asiatischen Ländern wie Korea immer noch rege im Einsatz sind. Diese Hilfsmittel waren dabei schon in der Antike beliebt, denn wie Heinz Molter, charmant erklärt: "Gerechnet hat noch nie jemand gerne." Der Weg durch die Abteilung führt dann weiter an mittelalterlichen Rechenschiebern, etwa von Adam Ries (1492-1559) und über die von Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716), die bereits erstaunlich viel beherrschten: rein manuell via Zahnrädchen miteinander verbunden waren dabei für Könner alle vier Grundrechenarten bis hin zur vierten Kommastelle möglich. Wie Heinz Molter dazu erklärt, kommt der Begriff "Computer" eben aus dieser Zeit der mittelalterlichen Rechenmeister, die sogar in Wettbewerben ihre Künste maßen. Deren Gehilfen in den niederen Gefilden des Berechnens waren wiederum die so genannten Rechenknechte, auf englisch damals Computer genannt. Doch mit Leibniz kommt in die Geschichte des Computers erst so richtig in Schwung, beweisen die nächsten Exponate des Museums, nämlich die ersten Varianten der Programmsteuerung. Findige Unternehmer, unter anderem im österreichischen Mühlviertel, klebten bereits um 1700 Leinenstreifen mit Holzklötzchen zusammen, um die Webstühle zu "programmieren".

Die ersten Computer, die dann nach der heutigen Auffassung diesen Namen zu Recht trugen, waren so genannte Lochkartensysteme, welche unter anderem zur Steuerung von Maschinen in der Industrie, aber auch zum ersten Mal bei einer Volkszählung 1890 in den USA eingesetzt wurden. Von diesen recht frühen Anfängen heraus, begann die Entwicklung immer leistungsfähigerer Computer dann zu galoppieren: Wie bereits erwähnt, meldete Konrad Zuse im Jahr 1935 zwei Patente an, welche bereits alle Elemente eines modernen Computers, der so genannten von-Neumann-Architektur, enthielten. Im gleichen Jahr wurde ein erster digitaler Computer entwickelt. 1941 baute Konrad Zuse schließlich den Z3, welcher als erster Computer der Welt gilt, da er im Gegensatz zu seinen Vorgängern "turingmächtig" war, was so viel bedeutet wie: theoretisch frei programmierbar. Theoretisch, weil der Z3 natürlich noch weit entfernt von den heutzutage üblichen Hochleistungsmaschinen war, aber theoretisch mit ausreichend Speicherplatz jedes beliebige Programm hätte erstellt und betrieben werden können. Zwei Jahre später soll der damalige Chef des Konzerns IBM gesagt haben: "Ich glaube, es gibt einen weltweiten Bedarf an vielleicht fünf Computern", was sich im Nachhinein als radikale Fehleinschätzung erwies.

Das Zeitalter des Computers

Nach dem Zweiten Weltkrieg beschleunigte sich die Entwicklung der Computer ein weiteres Mal, da die Wissenschaftler in Deutschland sowie England und Amerika ihre Ergebnisse wieder teilen konnten, und 1946 wurde die erste wissenschaftliche Gesellschaft für Informatik gegründet. 1949 schließlich wurde der erste Computer für den Heimgebrauch entwickelt, welcher jedoch lediglich als Bauplan vertrieben wurde. Es wurden etwa 400 Exemplare verkauft. Im darauf folgenden Jahrzehnt begann die Konstruktion von Großrechnern in der ganzen Welt, wobei Siemens im Jahre 1959 mit dem ersten in Serie produzierten Großrechner, dem Siemens 2002 auf den Markt kam. In den 1970 Jahren entstanden erstmals Taschenrechner, bevor 1981 IBM den ersten Personal Computer mit dem Namen "IBM-PC" vorstellte, der schnell von den heute geradezu legendären Modellen wie dem Commodore oder dem Atari gefolgt wurde.

Das wohl aktuellste Highlight der Ausstellung, das auch das Ende der Ausstellungsfläche der Abteilung für Informatik markiert, ist der Hochgeschwindigkeitsrechner CRAY-1 S/1000, der im Jahre 1976 installiert wurde und ab 1979 zum Einsatz kam.

Der Spaziergang durch die Ausstellungsräume entführt in eine Zeit, in der Computer noch eine Renommeesache waren, die sich nur wenige Unternehmen leisten konnten. Deswegen waren auch, so Molter, Banken die ersten Kunden. Er und seine Museumskollegen erzählen dabei von Gegebenheiten, die man sich heute kaum mehr vorstellen kann, etwa dass die Räume mit Wasser aus Gießkannen gekühlt wurden, um die Abwärme der Rechner aufzufangen oder dass man diese Wärme sogar in manchen Banken als Sitzheizung für wartende Kunden nutzte.

Die Abteilung Informatik heischt nicht um Sensationen. Eher nachdenklich stimmt die Ruhe der Räume und der nicht mehr zeitgemäßen und doch ehemals topaktuellen Gerätschaften und Rechner. Und doch kann man sich kaum loslösen von den Beschreibungen der einzelnen Exponate, von dem Know-how, das die Menschheit geschaffen hat. Und deswegen ist die Abteilung für Informatik nicht nur für Beschäftigte in der ITK-Branche, sondern für jedermann einen Besuch wert.

Info

Deutsches Museum

Museumsinsel 1

80538 München

www.deutsches-museum.de

Geöffnet: täglich 9 bis 17 Uhr

Geschlossen: 1. Januar, Faschingsdienstag, Karfreitag, 1. Mai, 1.November, 24-26. Dezember.

Eintrittspreise: Erwachsene 8,50 €

Führungen: 089 / 21 79-252 oder fuehrungen@deutsches-museum.de

 

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MONITOR-Autoren
Mag. Carl-Markus Piswanger

Mag. Carl-Markus Piswanger, MAS ist freier Journalist, Projektberater und hauptberuflich IT-Architekt. Er ist ausgebildeter Versicherungskaufmann, studierter Historiker und postgradualer E-Government-Experte. Er war beim ISP Netway, der Österreichischen Post und der Seibersdorf Research beschäftigt und seit 2004 als IT-Architekt im Bundesrechenzentrum. Der Wiener ist glücklich nicht verheiratet und hat einen Sohn. ..mehr..

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