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25 Jahre MONITOR

Die Dotcom-Blase platzt

Im freien Fall

Die New Economy schien die Gesetze der Wirtschaft neu zu schreiben. Doch dann platzte 2001 die Dotcom-Blase.

Für viele der Überflieger kamen die Lehren von 2001 zu spät. Dass Websites alleine noch kein Geschäftsmodell begründen, hatten Pessimisten zwar schon vor dem Platzen der Dotcom-Blase vermutet. Dass sie Recht behalten sollten, schien dann doch eine Art Spielverderberei.

Die meisten Internet-Startups legten weder Wert auf Logistik, noch hielten sie sich damit auf, Verluste im Auge zu behalten oder diese gar selbst zu finanzieren. Investiert wurde großzügig - in Büroräumlichkeiten, neue Mitarbeiterstäbe, Expansion - in Zusammenhang mit dem Geschäftserfolg stand dies selten. Auf der Höhe des Booms konnte sich die New Yorker Technologiebörse NASDAQ vor IPOs kaum retten: alles, was auf Technologie hindeutete, schien ein Garant für Erfolg.

2001 markierte das Ende des Höhenflugs. Die New Economy war so neu gar nicht und begann sich auf alt hergebrachte Gesetze zu besinnen. Nachdem im September des Jahres die beiden Türme des World Trade Centers in sich zusammenstürzten und knapp 3.000 Menschen unter sich begruben, stellte zumindest in den USA kaum mehr jemand infrage, dass die Stimmung im Land die Wirtschaft in einen Downturn lenkte. Die Weichen für diese Entwicklung waren jedoch schon früher gestellt. Als im Frühjahr 2000 die Ergebnisse des Weihnachtsgeschäftes bekannt gegeben wurden, begann sich bereits eine vorsichtige Trendwende abzuzeichnen.

Yline, Libro und Co

Österreich erlebte 2001 eine Reihe spektakulärer Pleiten. Der von Karl Wlaschek gegründete Buchdiskonter Libro führte die Charts mit einer Summe von knapp 280 Mio. Euro an. 1999 wurde unter Manager Andrè Rettberg der Internetbuchhändler lion.cc gegründet und an die Börse gebracht. Der ehrgeizige Expansionsplan mündete im Konkurs.

Auch Jahre nach ihrem Geschäftsende sollte die Gratis-Internet-Firma Yline für Schlagzeilen sorgen. Der frühere IBM-Marketier Werner Böhm führte Yline im Sommer 2000 an die Börse, wo diese kurzfristig einen Wert von einer halben Million Euro erreichte. Worin der tatsächliche Gegenstand des Unternehmens bestand, war indes weit weniger klar. Unter anderem brachte Böhm im Rahmen eines Abo-Deals an die 30.000 Computer unter die Leute. Kurz danach wurde es allerdings turbulent. Auf einen geplatzen Deal mit IT-Dienstleister Beko folgten im Sommer 2001 Zahlungsstreitereien mit IBM, zwei Monate später kam es zum Konkursantrag. In einem im letzten Jahr wiederum vertagten Strafprozess musste sich Böhm gegen Vorwürfe verteidigen, dass seine Software Ares nie funktionsfähig gewesen sei.

Auch die Pleite von MCN Millennium Communications Network, die sich auf knapp 30 Mio. Euro belief, blieb nicht ohne Nachspiel. 2007 noch ermittelte die Staatsanwaltschaft gegen MCN-Geschäftsführer Georg Stumpf wegen Betrugs und Krida. Die Ankläger führen ins Treffen, dass der Ausgleich bereits im Dezember 2000 unabwendbar war und Gläubiger zu spät informiert wurden.

Das dicke Ende

Ausgestanden war der Einbruch der IT-Branche 2001 noch nicht. Im Jahr danach sollte es noch dicker kommen. Zahlreiche Analysten sprechen vom finstersten Jahr der modernen Informationstechnologie. War man davor noch an zweistelliges Wachstum gewohnt, ließ der Umsatz der Branche 2002 um rund 2,5% nach. Die Absatzzahlen von Hardware, insbesondere PCs und Servern brachen ein, schwer angeschlagene Telkos zogen Netzwerkausstatter mit in den Abgrund. Weil die IT-Budgets sanken, wurde nur noch das Nötigste angeschafft. Plötzlich schien bei Business-PCs eine Lebensdauer von vier Jahren durchaus plausibel. Dass geplante Projekte bis auf Weiteres in die Pipeline zurückgestellt wurden, zog die Branche weiter nach unten.

Wer von den Dotcoms freigesetzt wurde, versuchte sein Glück indes auf Pink Slip Partys: Die Eintrittskarte war das Kündigungsschreiben.

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MONITOR-Autoren
Dipl.-Hdl. Ing. Ernst Tiemeyer

bekannt durch zahlreiche Veröffentlichungen, war nach dem Studium der Wirtschafts- wissenschaften, Organisation und Informatik zunächst mehrere Jahre als Gruppen- und Projektleiter an einem Institut für angewandte Informatik beschäftigt. Heute ist er in vielfältiger Form als freiberuflicher Management- und Organisationsberater sowie in der Weiterbildung tätig. Schwerpunktmäßig geht es dabei um die Einführung, Entwicklung und Beratung für den praxisgerechten Computereinsatz. ..mehr..

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