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Interview mit Wolfgang Horak, FSC

"Jetzt fängt es wirklich an"

Und wie setzen Sie Ihre Entscheidungsgewalt in Bezug auf Green IT ein?

Horak: Ich glaube kaum, dass es einer unserer Mitbewerber schaffen kann, das Konzern-Kompetenzzentrum für Virtualisierung und Klimaschutz nach Wien zu holen. Wir haben das vor eineinhalb Jahren hier aufgebaut. Weiters haben wir gemeinsam mit dem Umweltministerium die Dynamic Datacenter Challenge gestartet. Dabei bieten wir den 100 größten heimischen Rechenzentren Beratung an, wie sie durch Virtualisierung und andere Maßnahmen ihre IT-Kosten stark reduzieren können. Bei 35 haben sich Ersttermine ergeben, bei einigen auch schon Folgetermine.

Virtualisierung ist per se aber noch kein Klimaschutz-Projekt.

Horak: Jeder nähert sich dem Thema von wo anders. Mir ist vor allem wichtig, dass damit angefangen wird. Vor zwei Jahren haben viele in der IT noch gar nicht gewusst, wie man Virtualisierung buchstabiert. Tatsache ist, durch Virtualisierung reduziere ich nicht nur die Serveranzahl, unsere Geräte brauchen auch um 20 bis 25 % weniger Energie als die des Mitbewerbs. Wir haben gerade erst zwei Rekorde aufgestellt. Zum einen mit dem Strom sparendsten Server, zu anderen mit dem energieeffizientesten, der erstmals die Schallmauer von 1000 Operationen pro Watt durchbricht.

Wann wird es denn ein international einheitliches IT-Ökolabel geben?

Horak: Wir lobbyieren zwar in Brüssel für das Öko-Pickerl, aber wann das kommt, ist derzeit nicht absehbar. FSC wird daher die Initiative übernehmen und ab Sommer beginnen, die internen Vergleichstests mit dem Mitbewerb im Internet zu veröffentlichen. Wir machen diese Vergleichstests schon seit Längerem, und Kunden, die das wollen, bekommen die Ergebnisse. Kürzlich haben wir ein Projekt in Oberösterreich gewonnen, bei dem der Kunde neben den Stückkosten auch den Energieverbrauch pro Server auf die gesamte Lebensdauer durchkalkuliert hat. Jetzt fängt es wirklich an. Green IT spielt bei der Beschaffung eine Rolle. Ab November wollen wir alle unsere Geräte auch nach ökologischen Kriterien auszeichnen. Es wird verschiedene Abstufungen geben, wobei nicht nur Stromverbrauch, sondern zum Beispiel auch Transportwege berücksichtigt werden.

Auf der CeBIT hat FSC unter anderem einen Null-Watt-Monitor vorgestellt. Wann kommt der?

Horak: Eine waschechte FSC-Erfindung. Er ist bereits zum Patent angemeldet und wird ab August im Handel sein. Er braucht im Standby-Modus, wenn er kein Signal bekommt, überhaupt keinen Strom mehr. Außerdem passt er sich mit Hilfe eines Sensors automatisch an die Umgebungshelligkeit an. Monitore brauchen extrem viel Strom. Wir sind gerade am Rechnen, was es bedeuten würde, wenn alle Bildschirme dieser Welt auf einen Schlag durch unseren Null-Watt-Monitor ersetzt würden.

Wo sehen Sie weitere Hebel für Green IT?

Horak: Unser nächstes großes Thema ist Desktop-Virtualisierung. Im Unterschied zu früher ist man heute erstmals in der Lage, Microsoft am Client und am Server auf derselben Systemarchitektur laufen zu haben. Das nimmt dem Thema viel von der früheren Komplexität. So kann Virtualisierung gleich ganz anders zuschlagen, und FSC hat da mit dem Kompetenzzentrum in Österreich einen echten Mehrwert zu bieten. Wir gehören zu den ganz wenigen, die bei Server-, Storage- und Desktop-Virtualisierung horizontal beraten können.

www.fujitsu-siemens.at

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Green IT

Green IT - IKT verursacht laut Gartner zwei Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes und steht damit als Treibhaus-Sünder auf einer Stufe mit dem Flugverkehr. Rechenzentren verbrauchen bis zu 100 Mal mehr Energie als normale Büroflächen. Technologischer Fortschritt und Raumnot bringen eine immer höhere Packungsdichte bei Prozessoren und Speichern. Im Schnitt werden bereits zwei Drittel des Energieverbrauchs allein von der (sehr oft inneffizienten) Kühltechnik gefressen.

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Alexandra Riegler

Alexandra Riegler arbeitet als freie Journalistin in den USA. Zu ihren Spezialgebieten zählen die Themen Technologie und Forschung. ..mehr..

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