Newsfeed abonnieren

Interview mit Wolfgang Horak, FSC

"Jetzt fängt es wirklich an"

Wolfgang Horak, Managing Director von Fujitsu Siemens Computers Österreich (FSC), berichtet im MONITOR-Interview über wachsendes Energiekostenbewusstsein bei Firmenkunden, Virtualisierung als Weg zu einer grüneren IT und die Vorreiterrolle Europas.

„Wir wünschen uns und arbeiten daran, dass über dem Thema Stromkosten der ganzheitliche Ansatz nicht verloren geht.“ – Wolfgang Horak, Managing Director von Fujitsu Siemens Computers Österreich (Foto: Fujitsu-Siemens)

Green IT ist ein riesiger Marketing-Hype. Wo verläuft denn bei FSC die Grenze zwischen echter Umweltverantwortung und „Greenwashing“, wie es die Amerikaner nennen?

Horak: Bei uns ist das kein Marketing. Ganz im Gegenteil. Einerseits leiden wir unter dem Hype, weil das Thema von manchen nur auf die Stromkosten reduziert wird, andererseits profitieren wir davon, weil dadurch Green IT in der Prioritätenliste der Entscheidungsträger nach oben rutscht. Ich habe vor zwei Jahren einen Vortrag vor 200 CIOs gehalten. Damals wussten überhaupt nur zwei, wie viel Strom ihre IT verbraucht. Heute ist bereits ein Drittel der CIOs für die Energiekosten der IT budgetär verantwortlich. Wie immer im Leben ist Transparenz der erste Schritt, Verantwortung der zweite. Und wenn ein CIO für den Stromverbrauch verantwortlich ist, treibt er fast automatisch auch das Thema Virtualisierung.

Virtualisierung birgt viel Einsparungspotenzial - unter anderem auch bei den Stromkosten. Aber ist das schon Green IT?

Horak: Wir wünschen uns und arbeiten daran, dass über dem Thema Stromkosten der ganzheitliche Ansatz nicht verloren geht. Das bedeutet bei uns: Kontrolle beim Zukauf der Komponenten, umweltschonende Produktion, Umweltverträglichkeit in der Nutzung und schließlich Recycling. Wir fertigen noch immer überwiegend in Deutschland. Unser Herzstück, die Server, werden zur Gänze in Augsburg produziert, bei den Business Notebooks kommt die „Esprimo Mobile“ Linie ebenfalls aus Augsburg und die Consumer-Desktops fertigen wir in Sömmerda in Thüringen. Die Consumer-Notebooks werden allerdings mittlerweile großteils in China produziert. In diesem Segment geht es halt hauptsächlich um den Preis. Um im Consumer-Bereich zu 100% in Deutschland produzieren zu können, müssten sich auf dieser Welt ein paar Dinge ändern. Transportkostenwahrheit wäre schön. Die haben wir aber nicht. Außerdem produzieren wir in Deutschland unter anderen gesetzlichen Rahmenbedingungen – da meine ich nicht nur den CO2-Ausstoß, sondern auch Arbeitsbedingungen und andere Themen.

Im Consumer-Bereich gibt es demnach besonderen Handlungsbedarf in Sachen Green IT?

Horak: Der Consumer-Kunde geht heute noch immer ganz massiv auf die Preisschiene. Wir haben als erster Hersteller einen Consumer-Desktop im Programm, der zu 100% recycelbar ist. Aber den kauft halt nicht jeder. Im Privatkundensegment spielt das Thema Stromverbrauch noch keine große Rolle. 70% der Privatuser nutzen das standardmäßig mitgelieferte Energiemanagement nicht. Konzernintern rollen wir unsere Geräte mit besonders strengen Energieeinstellungen aus. Die Mitarbeiter können sie zwar ändern, aber mit jedem Softwareupdate werden sie automatisch wieder auf die energiesparenden Einstellungen zurückgesetzt. Da glauben wir an den erzieherischen Wert. Wenn alle Desktops und Notebooks dieser Welt nach zehn Minuten in den Ruhezustand gehen würden, brächte das mehr, als die ganze Industrie in den nächsten zehn Jahren mit Effizienzverbesserungen auf der Hardwareseite erreichen kann. Da müssen wir zur Bewusstseinsbildung beitragen. Und nicht zu vergessen: Die meisten Konsumenten haben auch einen Beruf. Wenn sie zu Hause umweltbewusst mit IT umgehen, werden sie dieses Verhalten auch in die Firma tragen.

Sie benutzen den Produktionsstandort Deutschland als grünes Argument für FSC. Ist man in Europa in Sachen Green IT weiter als anderswo?

Horak: Darauf gibt es zwei Antworten: Einerseits muss man sich fragen, wo es die rechtlichen Rahmenbedingungen gibt, die Green IT fordern und fördern. Wenn Sie Richtung USA schauen, die das Kyoto-Protokoll bis heute nicht unterschrieben haben, oder Richtung Asien, dann liegt die Antwort auf der Hand. Aber noch wichtiger ist die Tatsache, dass bei Fujitsu Siemens Forschung, Entwicklung und große Teile der Produktion gerade einmal 50 Flugminuten von Österreich entfernt sind. Das bedeutet, dass wir viel flexibler auf die Bedürfnisse unserer Kunden eingehen können. Wir bieten unseren Systempartnern eine starke Verzahnung und liefern über sie flexibel und individuell ab Werk an Outsourcer und Endkunden. Die Optimierung läuft nicht mehr einfach entlang der Lieferkette. Der Trend ist laut Gartner das „virtuelle Ecosystem“. Hersteller, Partner, Outsourcer und Endkunde setzen sich zusammen, schauen sich die Aufgabe in ihrer Gesamtheit an und entscheiden dann, wer was am besten kann. Der springende Punkt dabei ist Vertrauen. Und Vertrauen bekommt man als Herstellervertreter nur, wenn man in den Verhandlungen zuverlässig und langfristig etwas selbst entscheiden kann. Unser Vorteil ist, dass wir als europäischer Konzern ein dezentrales Modell haben. Ein strategischer Partner hat zu mir gesagt, ich bin in Österreich der einzige Länderchef eines großen Herstellers, der noch etwas allein entscheiden kann.

Seite: 1
1
weitersagen: drucken
Green IT

Green IT - IKT verursacht laut Gartner zwei Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes und steht damit als Treibhaus-Sünder auf einer Stufe mit dem Flugverkehr. Rechenzentren verbrauchen bis zu 100 Mal mehr Energie als normale Büroflächen. Technologischer Fortschritt und Raumnot bringen eine immer höhere Packungsdichte bei Prozessoren und Speichern. Im Schnitt werden bereits zwei Drittel des Energieverbrauchs allein von der (sehr oft inneffizienten) Kühltechnik gefressen.

maximize
Termine

22. Mai - 24. April

Genf

Globales Internet Forum 2012

18. Juni - 22. Juni

In ganz Österreich

SAP Mittelstandstage

Print-Archiv
Folgen Sie uns
Leser empfehlen
MONITOR-Newsletter

Abonnieren Sie unseren Newsletter!

E-Mail:
Die von Ihnen angegebene E-Mail Adresse wird von MONITOR Online weder an Dritte weitergegeben noch zu anderen Zwecken verwendet.
MONITOR-Autoren
Mag. Dominik Troger

Mag. Dominik Troger gehört seit 1992 zum MONITOR-Team. Er begann als News-Redakteur und betreute viele Jahre die MONITOR Weiterbildungsbeilage "Job Training". Seit dem Jahre 2000 war er als Chef vom Dienst tätig, mit Dezember 2009 übernahm er die Chefredaktion. ..mehr..

Die neuesten Artikel:

© Copyright 1983-2012 by MONITOR / Bohmann Druck und Verlag Gesellschaft m.b.H. & Co. KG (www.bohmann.at)

Add to Google  | Abo | Themenvorschau | Mediadaten | Inserate buchen | Kontakt | Impressum