Green IT ist ein riesiger Marketing-Hype. Wo verläuft denn bei FSC die Grenze zwischen echter Umweltverantwortung und „Greenwashing“, wie es die Amerikaner nennen?
Horak: Bei uns ist das kein Marketing. Ganz im Gegenteil. Einerseits leiden wir unter dem Hype, weil das Thema von manchen nur auf die Stromkosten reduziert wird, andererseits profitieren wir davon, weil dadurch Green IT in der Prioritätenliste der Entscheidungsträger nach oben rutscht. Ich habe vor zwei Jahren einen Vortrag vor 200 CIOs gehalten. Damals wussten überhaupt nur zwei, wie viel Strom ihre IT verbraucht. Heute ist bereits ein Drittel der CIOs für die Energiekosten der IT budgetär verantwortlich. Wie immer im Leben ist Transparenz der erste Schritt, Verantwortung der zweite. Und wenn ein CIO für den Stromverbrauch verantwortlich ist, treibt er fast automatisch auch das Thema Virtualisierung.
Virtualisierung birgt viel Einsparungspotenzial - unter anderem auch bei den Stromkosten. Aber ist das schon Green IT?
Horak: Wir wünschen uns und arbeiten daran, dass über dem Thema Stromkosten der ganzheitliche Ansatz nicht verloren geht. Das bedeutet bei uns: Kontrolle beim Zukauf der Komponenten, umweltschonende Produktion, Umweltverträglichkeit in der Nutzung und schließlich Recycling. Wir fertigen noch immer überwiegend in Deutschland. Unser Herzstück, die Server, werden zur Gänze in Augsburg produziert, bei den Business Notebooks kommt die „Esprimo Mobile“ Linie ebenfalls aus Augsburg und die Consumer-Desktops fertigen wir in Sömmerda in Thüringen. Die Consumer-Notebooks werden allerdings mittlerweile großteils in China produziert. In diesem Segment geht es halt hauptsächlich um den Preis. Um im Consumer-Bereich zu 100% in Deutschland produzieren zu können, müssten sich auf dieser Welt ein paar Dinge ändern. Transportkostenwahrheit wäre schön. Die haben wir aber nicht. Außerdem produzieren wir in Deutschland unter anderen gesetzlichen Rahmenbedingungen – da meine ich nicht nur den CO2-Ausstoß, sondern auch Arbeitsbedingungen und andere Themen.
Im Consumer-Bereich gibt es demnach besonderen Handlungsbedarf in Sachen Green IT?
Horak: Der Consumer-Kunde geht heute noch immer ganz massiv auf die Preisschiene. Wir haben als erster Hersteller einen Consumer-Desktop im Programm, der zu 100% recycelbar ist. Aber den kauft halt nicht jeder. Im Privatkundensegment spielt das Thema Stromverbrauch noch keine große Rolle. 70% der Privatuser nutzen das standardmäßig mitgelieferte Energiemanagement nicht. Konzernintern rollen wir unsere Geräte mit besonders strengen Energieeinstellungen aus. Die Mitarbeiter können sie zwar ändern, aber mit jedem Softwareupdate werden sie automatisch wieder auf die energiesparenden Einstellungen zurückgesetzt. Da glauben wir an den erzieherischen Wert. Wenn alle Desktops und Notebooks dieser Welt nach zehn Minuten in den Ruhezustand gehen würden, brächte das mehr, als die ganze Industrie in den nächsten zehn Jahren mit Effizienzverbesserungen auf der Hardwareseite erreichen kann. Da müssen wir zur Bewusstseinsbildung beitragen. Und nicht zu vergessen: Die meisten Konsumenten haben auch einen Beruf. Wenn sie zu Hause umweltbewusst mit IT umgehen, werden sie dieses Verhalten auch in die Firma tragen.
Sie benutzen den Produktionsstandort Deutschland als grünes Argument für FSC. Ist man in Europa in Sachen Green IT weiter als anderswo?
Horak: Darauf gibt es zwei Antworten: Einerseits muss man sich fragen, wo es die rechtlichen Rahmenbedingungen gibt, die Green IT fordern und fördern. Wenn Sie Richtung USA schauen, die das Kyoto-Protokoll bis heute nicht unterschrieben haben, oder Richtung Asien, dann liegt die Antwort auf der Hand. Aber noch wichtiger ist die Tatsache, dass bei Fujitsu Siemens Forschung, Entwicklung und große Teile der Produktion gerade einmal 50 Flugminuten von Österreich entfernt sind. Das bedeutet, dass wir viel flexibler auf die Bedürfnisse unserer Kunden eingehen können. Wir bieten unseren Systempartnern eine starke Verzahnung und liefern über sie flexibel und individuell ab Werk an Outsourcer und Endkunden. Die Optimierung läuft nicht mehr einfach entlang der Lieferkette. Der Trend ist laut Gartner das „virtuelle Ecosystem“. Hersteller, Partner, Outsourcer und Endkunde setzen sich zusammen, schauen sich die Aufgabe in ihrer Gesamtheit an und entscheiden dann, wer was am besten kann. Der springende Punkt dabei ist Vertrauen. Und Vertrauen bekommt man als Herstellervertreter nur, wenn man in den Verhandlungen zuverlässig und langfristig etwas selbst entscheiden kann. Unser Vorteil ist, dass wir als europäischer Konzern ein dezentrales Modell haben. Ein strategischer Partner hat zu mir gesagt, ich bin in Österreich der einzige Länderchef eines großen Herstellers, der noch etwas allein entscheiden kann.




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