Das Gespräch führte Reinhard Gantar, der nach zwei Artikeln über seine Erfahrungen und Überlegungen mit dem Enterprise-Wiki „Atlassian Confluence“ nun einen Spezialisten über die Einführung von Wiki-Technologie im Unternehmen befragt hat.
Die beiden vorangegangenen Wiki-Artikel auf MONITOR-Online finden Sie hier:
http://www.monitor.co.at/index.cfm/storyid/9586
http://www.monitor.co.at/index.cfm/storyid/9587
Was bietet „Hallo Welt!“ an, um eine Wiki-Einführung im Unternehmen zu einem Erfolg zu machen? Wie sind die Chancen, eine erfolgreiche Wiki-Einführung nur nach Augenmaß und dem gesunden Menschenverstand zu schaffen?
Heigl: Hallo Welt! macht alles, was unserer Meinung nach zu einem Projekt mit einer Social Software dazu gehört. Das ist zum einen die Entwicklung einer passenden Software-Lösung – von der Konzeption bis zur passgenauen Ausführung. Und das ist zum anderen die Prozessbegleitung. Letztere ist für den Erfolg eines Projekts von zentraler Bedeutung. Schließlich geht es um sogenannten User-generated Content, und dazu brauchen wir auch die User-generated Structures. Die Nutzer müssen ihre eigenen Strukturen und Arbeitsweisen entwickeln, gemeinsame Ziele und Konventionen erarbeiten. Nur so erhalten Unternehmen am Ende ein firmenspezifisches Werkzeug. Das lässt sich nicht am grünen Tisch entwerfen.
Und hier empfiehlt es sich, wenn externe Leute mit Community-Erfahrung und einem Blick für Organisationsprozesse in Unternehmen unterstützend eingreifen. Von alleine entsteht keine Community of Knowledge. Augenmaß und gesunder Menschenverstand helfen zwar schon ungemein, unserer Erfahrungen nach geht es aber bei der Prozessbegleitung vor allem um eine bestimmte Haltung. Ich muss bei Social-Software-Projekten ein grundsätzliches Vertrauen zu Menschen haben. Beispielsweise sind meine Beiträge in einem Wiki-Projekt nicht sakrosankt, sondern werden von anderen verändert oder auch mal kritisiert. Mit der Zeit entwickeln sich bestimmte Umgangsformen und Aushandlungsprozesse. Es entsteht eine produktive Kultur. Und deshalb muss ich Rahmenbedingungen schaffen, dass sich meine Kollegen selbst organisieren und selbstbestimmt handeln können. Wissensmanagement heißt, Menschen auch spielerisch lernen lassen. Sie können sich vorstellen, dass man im Firmenumfeld genau bei diesem Thema auf die größten Widerstände stößt.
Sie scheinen Media-Wiki zu bevorzugen. Warum?
Heigl: Grundsätzlich gibt es viele und einige sehr gute Wiki-Engines im Closed- und im Open-Source-Bereich. Jede einzelne hat ihre Stärken.
MediaWiki hat jedoch zwei erhebliche Vorteile: Es ist erstens eine erprobte, mächtige Maschine. Sie ist stabil, skalierbar und sehr leistungsfähig. Ein MediaWiki schmiert auch bei großem Traffic nicht ab.
Und MediaWiki hat zweitens eine hohe Akzeptanz bei den Nutzern. Das MediaWiki hat schon von der Architektur her einen offenen und einladenden Charakter. Wir haben viele Anwender, die uns erzählen: Das zieht einen richtig rein, es macht Spaß, damit zu arbeiten. Wenn es Spaß macht, stört es auch nicht, wenn man einmal eine Handvoll Befehle lernen muss. Manche beginnen sogar, Verfahren und Vorlagen aus der Wikipedia in ihr eigenes System zu übernehmen. Das geht mit anderen Systemen oft gar nicht. Und gar nicht wenige kennen das MediaWiki bereits. Gerade Jüngere bringen zum Teil schon Erfahrungen mit ein. Das merkt man, wenn sie schon gleich zu Beginn ihre Benutzerseiten gestalten. Es sind solche Aspekte, die für uns immer wieder den Ausschlag geben, ein MediaWiki zu wählen.
Nur ist MediaWiki erst einmal nicht für das Unternehmensumfeld zugeschnitten. Aber gerade hier finden Firmen wie die „Hallo Welt! – Medienwerkstatt“ eine Nische, wenn sie die entsprechenden Erweiterungen und den Support anbieten. Wir haben beispielsweise den Bild-Upload vereinfacht, einen WYSIWYG-Editor implementiert und ein kleines Workflow-Tool integriert. Dadurch wird die Benutzung des Wikis leichter und das MediaWiki für den Firmenalltag tauglich, weil beispielsweise die Aufwände für Formatierungen und für die Qualitätskontrolle reduziert werden.
In meinen Augen wird das MediaWiki sogar das Standard-Wiki werden. Nicht weil MediaWiki in allen Belangen der Klassenprimus ist, sondern weil MediaWiki dem Anwender eine Sicherheit hinsichtlich der langfristigen Nutzbarkeit und Akzeptanz gibt, die ich bei anderen Systemen leider nicht habe.



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Mag. Christoph Weiss, i2s consulting, Leiter Büro Österreich: Magister und Textil-Fachingenieur. Führungserfahrung als IT-Leiter im Bereich technischer Grosshandel. Mehrfach Linien- verantwortlicher für ERP-Einführungen. Lehrbeauftragter an der Fachhochschule Technikum Wien. Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft für Datenverarbeitung (ADV) 