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Green IT

Kostenrechnung

Das Match: Rechnet sich Green IT?

Ist energieeffiziente Hardware wirklich kostengünstiger? Ist Virtualisierung wirklich "grün"? Oder lässt man am besten die alten Server bis ans natürliche Ende ihrer Tage laufen? Das kostenrechnerische Vergleichsmatch eines deutschen Unternehmensberaters bringt teilweise überraschende Ergebnisse.

Derzeit wird fast allen Produkten und Technologien, die auch nur im Entferntesten eine Senkung der Energiekosten versprechen, ein tiefgrüner Anstrich verpasst. Glaubt man den Marketing-Maschinerien der Hersteller und Dienstleister, dann zählt der Klimaschutz neuerdings zu ihren obersten Prioritäten. Und das Beste daran: Der Kunde, so wird suggeriert, spart aufgrund der geringeren Betriebskosten auch noch Geld. Aber geht diese Milchmädchenrechnung wirklich auf? Und wie groß sind die tatsächlich erzielbaren positiven Klimaeffekte? Jochen Michels, ein deutscher Unternehmensberater mit Schwerpunkt Datenverarbeitung, hat sich diesen Fragen mit einem unbestechlichen Analysewerkzeug genähert - dem Rechenstift.

Auf Basis von Informationen namhafter Hersteller hat er zwei fiktive Migrationsprojekte nach strengen kostenrechnerischen Kriterien durchkalkuliert. Ausgangspunkt ist jedes Mal ein Rechenzentrum mit hundert Servern. Im ersten Projekt werden diese lediglich eins zu eins durch um 30% energieeffizientere Geräte ersetzt - im Folgenden "Variante Energieeffizienz" genannt. Im zweiten Projekt wird durch Server-Virtualisierung die Zahl der Geräte um die Hälfte reduziert. Aufgrund der schlechten Auslastung der nicht virtualisierten Altanlage käme man dabei theoretisch ohne Hardwaretausch über die Runden. Da aber nicht alle älteren Server in puncto Mainboard- und Elementenstruktur für Virtualisierung geeignet sind, wird auch bei der "Variante Virtualisierung" mit einer Hardware-Neuinvestition gerechnet.

Im Zusammenhang mit Green IT ist Virtualisierung sicher die am häufigsten genannte Technologie. Die Anbieter versuchen, dem ohnehin starken Trend dadurch zusätzlichen Spin zu verleihen. Die Halbierung der Serverzahl im konkreten Beispiel ist fraglos eine moderate Annahme, denn "im Idealfall ersetzt man eine ganze Serverfarm durch einen einzigen großen Rechner, der als Host Hunderte bis über tausend virtuelle Server beherbergen kann", so Michels. Bei der nicht virtualisierten Altanlage postuliert Michels eine durchschnittliche Kapazitätsauslastung von 30 %. Ein sehr großzügiger Wert, der in der Praxis selten erreicht wird. "Trotzdem kommt das Potenzial der Virtualisierung deutlich zum Vorschein: statt vieler kaum belasteter Maschinen nimmt man nur halb so viele, die aber viel stärker genutzt werden", erklärt der Berater. Die Auslastung steigt um mehr als das Doppelte auf 70 %, da die Virtualisierungssoftware selbst ebenfalls Last beansprucht.

Anpfiff: Alte Rechner vs. Green IT

Wie bei einem Fußballspiel entscheidet auch bei unserem virtuellen Technologiewettstreit eine Fülle von Faktoren über Sieg oder Niederlage. Wie sich zeigen wird, kann vor allem ein falsch gewählter Austauschzeitpunkt zum Eigentor werden. In den vorliegenden Beispielen wird von einer Ablöse der alten Anlage drei Jahre vor der buchhalterisch angesetzten Nutzungsdauer ausgegangen. Zur besseren Vergleichbarkeit sind die hundert neuen Server in der Variante Energieeffizienz gleich leistungsfähig wie die alten. Die alten haben pro Stück 4.500 Euro gekostet, die neuen sollen 4.300 Euro kosten. Eine optimistische Annahme, da sich schon eine verbesserte Energieeffizienz nicht selten in einem höheren Preis auswirkt. Linear verteilt auf die betriebsübliche Nutzungsdauer von fünf Jahren schlägt der Kaufpreis für die neue Anlage mit 86.000 Euro pro Jahr zu Buche - im Vergleich zu 90.000 Euro bei der alten Anlage. Weiters wird - wie kostenrechnerisch üblich - für das durch die Investition gebundene Kapital ein interner Zinssatz von 6 % angesetzt. Schließlich könnte man das Geld ja auch auf dem Kapitalmarkt anlegen. Dieser fiktive Kapitalertrag - im Fall des energieeffizienten Serverparks immerhin 12.900 Euro pro Jahr - muss also zu den Kosten der Anlage dazugerechnet werden.

Im Virtualisierungsbeispiel werden die Kosten pro neuem Server wegen der höheren Leistungsfähigkeit mit 7.000 Euro angesetzt. Aufgrund der um die Hälfte reduzierten Serveranzahl beträgt die jährliche Abschreibung insgesamt aber nur 70.000 Euro. Auch die Zinslast sinkt auf 10.500 Euro. Ebenfalls nicht zu vernachlässigen sind die Wartungskosten. Jährlich muss man da mit 10 % des Kaufpreises kalkulieren. Auch hier ist die virtualisierte Anlage mit 35.000 Euro gegenüber der energieeffizienten mit 43.000 und der alten mit 45.000 im Vorteil. Die Hardwarekosten verhelfen also der Virtualisierung zu einem frühen Führungstor. 1:0

Stromverbrauch nicht spielentscheidend

Kommen wir nun zum Energiethema, dem Kern der Green IT. Der Verbrauch der energieeffizienten Neugeräte wird mit 280 Watt bei Volllast und 210 Watt bei halber Last um 30% geringer angenommen als bei den alten Servern. Bei 14 Stunden Volllast und 10 Stunden Halblast pro Tag ergibt das 219.739 Kilowattstunden pro Jahr im Vergleich zu 313.913 kWh bei der alten Anlage. Das führt zu rund 10.000 Euro weniger Stromkosten im Jahr - ein Wert, der sich doch eher bescheiden ausnimmt, wenn man die Neuinvestition von 430.000 Euro ins Kalkül zieht. Auch unter Berücksichtigung der Kosten für die Klimatisierung kommt man auf keinen berauschenden Wert. Verwendet man die Faustformel, dass nochmals zwei Drittel der Rechnerenergie benötigt werden, um die unerwünschte Abwärme zu neutralisieren, kommt man bei den Stromkosten auf eine Gesamtersparnis von 17.000 Euro pro Jahr.

Die Server bei der Variante Virtualisierung fressen einzeln betrachtet 25% mehr Energie als die Altgeräte und sogar 80% mehr als jene in der energiesparenden Neuvariante. Dafür sind sie um bis zu 100% leistungsfähiger. Da der konsolidierte Workload den neuen Anlagentyp noch bei Weitem nicht auslastet, kann auch die angenommene Lastverteilung - 14 Stunden Volllast, 10 Stunden Halblast - für das Virtualisierungsbeispiel beibehalten werden. Durch die Halbierung der Serverzahl ergibt sich damit insgesamt eine Verminderung des Energieverbrauchs inklusive Klimatisierung auf 66% der Altanlage, das entspricht einer Ersparnis von 22.000 Euro im Jahr. Im Vergleich mit der Variante Energieeffizienz spart man 6.500 Euro. Also 2:0 für die Virtualisierung, obschon die Überlegenheit in Sachen Stromverbrauch nicht herausragend ist.

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Green IT

Green IT - IKT verursacht laut Gartner zwei Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes und steht damit als Treibhaus-Sünder auf einer Stufe mit dem Flugverkehr. Rechenzentren verbrauchen bis zu 100 Mal mehr Energie als normale Büroflächen. Technologischer Fortschritt und Raumnot bringen eine immer höhere Packungsdichte bei Prozessoren und Speichern. Im Schnitt werden bereits zwei Drittel des Energieverbrauchs allein von der (sehr oft inneffizienten) Kühltechnik gefressen.

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