Folgt man den Angaben des Marktforschers IDC, so werden die IT-Ausgaben in Middle East und Africa (MEA) heuer die 40 Mrd. Dollar-Grenze überschreiten. Ungefähr ein Viertel dazu tragen die sechs Staaten des Gulf Cooperation Council (GCC) bei, die sich aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, Qatar, Bahrain, Saudi Arabien, Kuwait und Oman zusammen setzen.
"In diesem Ländern gibt es ein kontinuierliches Wachstum und steigende Investments in alles, was mit der Errichtung von IT-Infrastruktur zu tun hat", sagt Jyoti Lalchandani, Managing Director von IDC für die Region MEA in Dubai. "Angeschafft werden vor allem Hardwaresysteme, PCs, Speicheranlagen, Netzwerk-Ausstattung und Peripherie, dazu verzeichnet die ganze Palette der IT-Services einen starken Aufschwung".
Allein in den Golfstaaten sei bis 2011 mit einem Zuwachs der Branchenumsätze auf 12 Mrd. Dollar zu rechnen, sagt Lalchandani. Investiert werden in GCC heuer mehr als 9 Mrd. Dollar, um 15% mehr als im Vorjahr.
Es gibt eigentlich keinen Bereich, wo nicht investiert wird. Vor allem aber in Gesundheitswesen, Bildung, Einzelhandel und Tourismus sind die Hardware- und IT-Systemanschaffungen auf einem Höhenflug, ebenso bei Banken, Telekom, Öl- und Gas-Konzernen sowie im Öffentlichen Sektor. Und nicht zu vergessen das Baugewerbe: Die großen Projektträger in der Region, vor allem in den Vereinigten Arabischen Emiraten, verzeichnen durch ihre enorme Aktivität bei der Errichtung neuer Bauwerke einen riesigen IT-Ausstattungsbedarf. So ist zum Beispiel Dubai einer der weltgrößten Märkte für die Ausstatter von CAD-Hard- und Software, mit der die zahllosen Projekte, die vielfach "vom Plan weg" verkauft werden, aufwändig in 3D modelliert werden.
Die Marktzahlen für Computerhardware sind bei den meisten Anbietern in den Daten für EMEA (Europe, Middle East, Africa) versteckt. Der weltweite Gesamtmarkt für PC und Notebooks dürfte heuer nach Gartner-Zahlen rund 91 Mrd. Dollar erreichen, ein Wachstum von etwa 7% gegenüber 2007. Die Region EMEA trägt dazu 33% bei, wovon 15% aus Middle East und Africa stammen. Damit ist man also bei einem Marktwert für PC-Hardware in MEA von rund 4,5 Mrd. Dollar im laufenden Jahr.
HP matcht mitAcer
Das PC- Match in der Region wird hauptsächlich zwischen Hewlett Packard und Acer ausgetragen. Wie überall auf der Welt, übersteigen die Notebook-Verkäufe jene der PCs. In MEA liegt Acer mit 12% Marktanteil bei Desktops und PC an zweiter Stelle hinter HP mit etwa 20%, wobei die Taiwanesen allerdings in Saudi Arabien und Qatar auf Platz eins liegen, betont Krishna Murthy, Managing Director für Acer Middle East und Africa. Bei den Notebooks liege Acer sogar bei einem Marktanteil von 22,9% im ersten Quartal 2008 und habe HP überholt. Eine gewisse Rolle spielt auch Lenovo: Die Chinesen haben sich in ihrer Strategie vor allem auf die Emerging Markets gestürzt und verzeichneten im letzten Quartal einen Zuwachs von 30% in die Region MEA, ohne allerdings genaue Zahlen zu nennen. Andere größere Player sind Dell, Toshiba, Sony und Fujitsu Siemens, wobei letztere Marke ihre Verkäufe gerade mit umfangreichen Werbe- und Marketingaktivitäten anzukurbeln versucht.
Obwohl die Notebook-Verkäufe abheben, rechnet Acer-Manager Murthy nicht mit einem nachhaltigen Absatzschwund bei Desktop-PCs: "Ich würde nicht sagen, dass das Segment ausstirbt. Der Markt wird wohl noch ein bisschen zurück gehen, aber mittelfristig - in drei bis fünf Jahren - wird es wieder zweistellige Zuwächse bei Desktops geben". Diese Einschätzung basiere auf dem Nachholbedarf bei Büroausrüstungen in der Region, da gerade in diesem Segment der Bedarf an Notebooks geringer sei. In Unternehmensnetzwerken werde ein PC gegenüber dem Notebook bevorzugt, weil er einfacher aufzurüsten sei und somit mit dem Wachstum des Firmennetzwerkes leichter mithalten könne. Das sei vor allem für Call Center oder Business Process-Outsourcer entscheidend, beides Segmente, die in der Region stark wachsen. Auch die Wartung eines PC sei einfacher als bei einem Notebook, abgesehen davon, dass die Beschädigungsrate bei Notebooks größer sei. Murthy: "Ich würde ein Call Center nicht mit Notebooks ausrüsten".
Ungeachtet der Schlacht zwischen Notebook und PCs, wird laut Gartner heuer ein Rekord am EMEA-Markt erwartet. Die gesamten Absatzzahlen in dieser Region werden auf der Basis eines erwarteten Verkaufswachstums von 8,65% die 100 Mio.-Marke überschreiten, womit man wiederum für die MEA-Region bei knapp 5 Mio. Computern wäre.
"Neben den Business-Investoren ist auch die starke Nachfrage im Consumer-Segment ein Treiber hinter diesem Wachstum am PC-Markt", sagt Ranjit Anwal, Gartner-Experte für die EMEA-Region. Damit sei auf diesem Markt heuer das größte Wachstum vor der Region Asia/Pacific zu verzeichnen, während etwa der nordamerikanische Markt rückläufig sei.




1/2012
8/2011
7/2011


Lothar Lochmaier studierte nach einer Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann Sozial-und Wirtschaftsgeschichte sowie Politikwissenschaft in München, Madrid und Berlin. Heute arbeitet er als freiberuflicher Fach- und Wirtschaftsjournalist für diverse Print- und Online-Medien. Seine Schwerpunkte sind die Bereiche Informationstechnologie, Energiefragen und Managementthemen. 