So kommt eine aktuelle Umfrage der Sicherheitsexperten von Avira zu dem Ergebnis, dass 14% der Internetnutzer mittlerweile mehr online kommunizieren als von Angesicht zu Angesicht. Doch während jeder Siebte seine Kontakte online pflegt, lehnen zwei von drei Befragten Web 2.0 ab.
Web 2.0 ist ein populäres Schlagwort mit vielen Facetten: Der Begriff umfasst alle Internetapplikationen, die Gestaltungs- und Kommunikationsmöglichkeiten für den Nutzer bereitstellen. Wiki-Webseiten sind neben Videocommunities die beliebtesten Anwendungen der Web 2.0-Nutzer, die häufig parallel zu den klassischen Medien gelesen werden. 10% der von Avira Befragten schätzen den Informationswert von Blogs. Besonders bei spezifischen Themeninteressen sind Blogs beliebte Informationsquellen. Hinzu kommt, dass auch die Bekanntheit oder die sich entwickelnde Vertrautheit mit dem Blogger zur regelmäßigen Nutzung der Online-Tagebücher beiträgt.
Spätestens seit die Online-Community Facebook ihre Mitglieder unfreiwillig zu Werbeträgern machte, warnen Datenschützer vor dem Daten-Striptease im Web 2.0: Auch 40% der Umfrageteilnehmer von Avira lehnen den digitalen Exhibitionismus im Web 2.0 ab und geben ihre persönlichen Daten weder in sozialen Netzwerken noch in Blogs oder Wikis preis. Für die einen sind Web 2.0-Applikationen die neuen Unterhaltungsmedien der Zukunft, für die anderen vergeudete Zeit.
"Unternehmen werden allerdings nicht umhin kommen, früher oder später die neuen Formen des Wissens- und Informationsaustausches wie beispielsweise Weblogs einzusetzen", meint Tjark Auerbach, Gründer und Geschäftsführer von Avira. "Für viele deutsche Unternehmen gehören Web 2.0-Funktionen wie Corporate-Blogs mittlerweile zum guten Ton."
Aber auch Spam-Versender haben das Web 2.0 längst für ihre Zwecke entdeckt: Kürzlich wurden zwei amerikanische Spammer zu 230 Millionen Dollar Schadensersatz verurteilt, weil sie wiederholt Spam-Nachrichten an Mitglieder der Community-Website MySpace versendet hatten. Für 8% der Avira-Befragten sind derartige Vorfälle Grund genug, dem Web 2.0 den Rücken zu kehren.
„Die Betreiber von Web 2.0-Anwendungen sollten die Nutzer vor Nachrichtenmissbrauch, Spam und Phishing-Emails schützen“, empfiehlt Auerbach. „Gleichzeitig sollten Nutzer ihre Privatsphäre schützen und die persönlichen Angaben auf ein Minimum beschränken. Denn diese Portale können beispielsweise auch von potentiellen Arbeitgebern als Informationsquelle über Bewerber genutzt werden.“
Der deutsche IT-Sicherheitsanbieter hat 1.432 Besuchern seiner Webseite www.free-av.de nach ihrem Nutzungsverhalten von Wikis, Blogs, Social Networks befragt.


1/2012
8/2011
7/2011


Dunja Koelwel ist freie Journalistin in München. Die studierte Juristin arbeitet für Verlage und Agenturen und betreut vor allem die Themen Internet und Business-Software aus einem strategisch- wirtschaftlichen Blickwinkel. 